Juwelenraub und Millionenbetrug durch Mitarbeiter – der Louvre in seiner grössten Krise
Seit dem Raub der Kronjuwelen im Oktober kommt der Louvre nicht zur Ruhe, das bekannteste Museum der Welt wankt in seinen Grundfesten. Die Pariser Staatsanwaltschaft meldete am Wochenende die Verhaftung von neun Personen. Sie stehen im Verdacht, während Jahren systematisch gefälschte Eintrittskarten für den Louvre verkauft zu haben.
Festgenommen wurden nebst Mitarbeitenden des Museums mehrere Fremdenführer sowie ein mutmasslicher Organisator. Im Zentrum der Untersuchungen steht ein Betrugssystem, das sich gezielt an chinesische Reisegruppen richtete und nach Schätzungen der Polizei einen Schaden von über zehn Millionen Euro verursacht haben soll.
Das Museum schweigt
Französischen Medienberichten zufolge war der Verdacht aufgekommen, nachdem Reiseleiter Eintrittskarten mehrfach verwendet hatten, um mehrere Gruppen hintereinander ins Museum zu schleusen. Zudem wurden grössere Reisegruppen offenbar bewusst in kleinere Einheiten aufgeteilt, um Reservierungsgebühren zu umgehen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Museumsangestellte gegen Bezahlung bei der Umgehung der Kontrollen geholfen haben.
Parallel dazu läuft seit dem letzten Sommer eine gerichtliche Untersuchung gegen Mitarbeitende wegen des Verdachts auf organisierten Betrug, Geldwäsche, Korruption, Beihilfe zur illegalen Einreise und die Verwendung gefälschter Dokumente. Die Museumsleitung kündigte an, verstärkt gegen Ticketbetrug vorgehen zu wollen, äusserte sich jedoch nicht weiter zu den laufenden Verfahren.
Prestigeprojekt statt Soforthilfe
Verschärfend kommt dazu: Der Louvre wurde am Freitag von einem weiteren Wasserschaden heimgesucht, nachdem im besucherstärksten Teil des Museums ein Rohr geborsten war. Zwar blieb der Saal mit der «Mona Lisa» laut France 24 unversehrt. Doch ein angrenzender Raum mit bedeutenden italienischen Werken des 15. und 16. Jahrhunderts wurde offenbar schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehrere Räume, darunter auch der Salon Carré, sind vorerst für das Publikum geschlossen.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie infrastruktureller Probleme ein. Bereits im November hatte ein Rohrbruch in der ägyptischen Abteilung Schäden an zahlreichen Objekten verursacht. Zudem sah sich das Museum in den vergangenen Monaten wiederholt zu temporären Schliessungen gezwungen – infolge von Streiks und Personalmangel.
Publikum soll die Sanierung mitbezahlen
Emmanuel Macron ist am Debakel mitverantwortlich. Der Louvre leidet seit Jahren an erheblichem Instandhaltungsrückstand, mangelndem Sicherheitsbedenken und betriebliche Engpässe. Doch statt die Probleme umgehend zu beheben, behilft sich der Präsident mit Versprechungen. Er treibt ein spektakuläres Renovierungsprogramm in der Höhe von 820 Millionen Euro voran. Als Zeithorizont wird 2031 genannt, doch wer die Kosten bezahlen soll, ist offen.
Vor diesem Hintergrund erhöhte das Museum jüngst auch die Eintrittspreise für das Publikum von ausserhalb der Europäischen Union um 45 Prozent. Die zusätzlichen Einnahmen sollen in die dringend erforderlichen Erneuerungen fliessen. Ob dies ausreicht, um die Krise des Hauses zu beheben? Es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein. (aargauerzeitung.ch)
