«Will ihn in Haft besuchen»: 5 bemerkenswerte Aussagen aus Gisèle Pelicots TV-Interview
2024 rückte Gisèle Pelicot international in den Fokus, als sie ihre persönliche Geschichte öffentlich machte und damit die Debatte über den gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Gewalt prägte.
Ihr Ehemann hatte sie über Jahre hinweg heimlich betäubt und Männern zur Vergewaltigung angeboten. Pelicot entschied sich, im Prozess öffentlich aufzutreten und auf Anonymität zu verzichten. Damit wollte sie die Verantwortung klar bei den Tätern verorten.
Am Mittwoch gab die 73-Jährige dem französischen öffentlich-rechtlichen Sender France 5 ihr erstes Fernsehinterview. Fünf Aussagen aus dem Gespräch stechen besonders hervor.
«Ich sah eine fremde Frau, die seelenlos dalag»
Pelicot beschreibt ihr Entsetzen, als sie realisierte, dass sie über Jahre hinweg vergewaltigt worden war. Zunächst hätte sie sich auf den Aufnahmen, die ihr Ermittler zeigten, nicht wiedererkannt. «Das bin nicht ich», habe sie gesagt. «Ich sah eine fremde Frau, die bewusstlos, seelenlos dalag.» Sie glaube, ihr Gehirn habe «kurzzeitig die Kontrolle verloren».
Die 73-Jährige berichtet weiter:
« La soumission chimique est un outil de violence et cette violence est un outil de domination masculine »
— France tv (@FranceTV) February 11, 2026
Pour La Grande Librairie, Gisèle Pelicot revient sur les viols qu’elle a subis par la soumission chimique. pic.twitter.com/pbZXqwFhin
«Will ihn in Haft besuchen»
Trotz der Taten ihres damaligen Ehemannes Dominique Pelicot – von dem sie seit 2024 geschieden ist – möchte sie ihn im Gefängnis besuchen. Das sei Teil ihres Heilungsprozesses.
Während des Prozesses vor Gericht habe Pelicot ihren Mann nie direkt angesprochen, erzählt sie. Doch nun wolle sie ihm «direkt in die Augen sehen und ihn fragen: ‹Warum hast du das getan?›»
Pelicot verspüre allerdings keinen Hass auf ihren Ex-Mann. Zwar beschreibt sie im Interview Gefühle des Verrats und der Empörung, doch sie wolle auch an glücklichen Erinnerungen festhalten. Diese seien alles, was ihr im Leben geblieben sei. «Man kann doch nicht sein ganzes Leben in den Müll werfen. Wir hatten auch gute Momente miteinander», erklärt sie.
«Sie haben sich ihren Vater nicht ausgesucht»
Pelicot kam im Interview mit France 5 auch auf ihre Kinder zu sprechen. Es sei falsch zu glauben, dass «eine Tragödie eine Familie zusammenschweisst», sagt sie.
Die Beziehung zu ihrer Tochter Caroline heile langsam. Doch ihr Sohn David brauche noch Zeit. Die 73-Jährige erklärt:
«Ich bin weder depressiv noch suizidär»
Trotz allem, was Pelicot durchgemacht hat, sei sie – im Gegensatz zu vielen anderen Vergewaltigungsopfern – weder depressiv noch suizidär.
Sie habe ungeahnte Kräfte in sich entdeckt und sogar ihre Lebensfreude wiedergefunden, sagt sie. Sie wolle anderen Frauen damit Mut machen:
«Jean-Loup kennenzulernen war unglaublich»
Pelicot berichtet im Fernsehinterview auch von einer neuen Liebe.
Eigentlich habe sie sich nie vorstellen können, sich noch einmal zu verlieben – geschweige denn, es zu wollen. Im Jahr 2023 habe sie allerdings einen Mann kennengelernt, den sie als Jean-Loup vorstellt. «Ihn kennenzulernen war unglaublich», erzählt sie. «Ich traf diesen Mann, der ebenfalls schwere Zeiten durchgemacht hat, und das hat unser Leben verändert.»
(hkl)
