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Die Epstein-Affäre erschüttert Paris: Gab es eine «French Connection»?

Die Epstein-Affäre erschüttert Paris: Gab es eine «French Connection»?

Prominente französische Politiker müssen zurücktreten, weil ihre Namen in den Epstein-Files figurieren – und zwar ebenso prominent. Einer gehört Kulturpapst Jack Lang.
08.02.2026, 20:4609.02.2026, 01:36
Stefan Brändle, Paris / ch media
This photo released by the U.S. Department of Justice, shows Jeffrey Epstein and French culture minister Jack Lang at the Louvre in Paris. (U.S. Department of Justice via AP)
Justice Department Jeffre ...
Jack Lang und Jeffery Epstein vor dem Louvre in Paris.Bild: keystone

Der Druck war zu gross. Jack Lang, einer der schillerndsten Politiker Frankreichs, hat am Samstagabend seinen Rücktritt vom Vorsitz des Arabischen Institutes in Paris bekannt geben. Der Ex-Kulturminister des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand kam mit seinem Rücktritt einer Vorladung ins Aussenministerium für Sonntag zuvor. Aus dem Umfeld von Präsident Emmanuel Macron hatte es geheissen, der Beschuldigte gefährde heute die Reputation Frankreichs.

Lang gilt als Erfinder des jährlichen, heute europaweiten Musikfestes vom 21. Juni. In den letzten Jahren hatte der 86-Jährige das «Institut du Monde Arabe» (IMA) geleitet. Dabei betätigte er sich als Schattendiplomat mit besten Kontakten im Nahen und Mittleren Osten.

Zum Verhängnis wird ihm nun seine langjährige Freundschaft mit Jeffrey Epstein. Der vermutlich durch Suizid umgekommene Amerikaner galt als Frankreich-Liebhaber und besass in Paris an der Avenue Foch eine Luxuswohnung. Jack Lang diente ihm über zwanzig Jahre hinweg als Anlaufstelle. Einmal verhalf ihm der flamboyante Franzose dank seiner Beziehungen zu einem Auftritt Macrons; einmal vermittelte er Epstein auf dessen Wunsch ein Angebot für eine Villa in Marrakesch – für «5,4 Millionen Euro, offshore», wie in einem der Dokumente zu lesen ist.

Epstein feierte kurz vor Verhaftung im Louvre

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche gegen Langs Tochter Caroline ein Verfahren wegen Geldwäsche und schwerem Steuerbetrug lanciert. Sie hatte mit Epstein im Steuerparadies der amerikanischen Jungferninseln 2016 eine Firma namens Prytance LLC gegründet. Diese sollte mit Kunstobjekten handeln und in Paris Filmprojekte fördern. Caroline Lang ist letzte Woche vom Vorsitz der unabhängigen französischen Filmproduzenten zurückgetreten.

In den Statuten der Offshore-Firma wird auch Jack Lang erwähnt. In den bisher bekannten Epstein-Akten ist sein Name 675 Mal zu finden. Um pädophile Treffen ging es in dem Austausch nicht; nur einmal diskutierten die beiden Männer über die Notwendigkeit, in den Schulen Themen wie «Religion oder neue Sexualitäten» mehr Zeit zu widmen.

Noch wenige Tage vor der Verhaftung Epsteins hatte Lang den pädophilen Financier an eine Feierlichkeit im Louvre-Museum eingeladen. Wie die Zeitung Libération jetzt schreibt, muss Lang «schon besonders schlecht informiert gewesen sein, wenn er von den Vorwürfen nichts gewusst haben wollte».

Nicht der einzige Vorwurf gegen Lang

Dass Lang in Epsteins Prostitutionsnetze verwickelt gewesen sein könnte, geht aus den E-Mails nicht hervor. Dagegen schreibt die Sonntagszeitung Tribune Dimanche, Lang zahle mit seinem Rücktritt für «40 Jahre Gerüchte um seine Person». Aus Marokko drangen früher Behauptungen nach Frankreich, Lang habe an Sexorgien mit Knaben teilgenommen.

In einem Manifest hatte er zuvor zusammen mit anderen Intellektuellen «einvernehmlichen» Sex mit 13-Jährigen verteidigt. Als Kulturpapst Frankreichs stellte er sich regelmässig hinter Prominente wie Dominique Strauss-Kahn oder Roman Polanski, denen sexuelle Übergriffe vorgehalten werden. Noch mehr Kritik handelte er sich ein, als er Kulturschaffende wie Gabriel Matzneff oder Frédéric Mitterrand verteidigte, die ihre Sexualvergehen mit Minderjährigen selber geschildert und damit zugegeben hatten.

Epstein hatte abgesehen von Caroline Lang auch mit anderen französischen Filmschaffenden regen E-Mail-Austausch. Darunter etwa – und soweit bekannt, ohne sexuellen Unterton – mit Oscar-Preisträger Michel Hazanavicius (The Artist).

Strafrechtlich relevant war eine andere «French Connection» Epsteins. Der Topmodel-Agent Jean-Luc Brunel, eine der grossen Nummern im Pariser Mannequin-Business, wurde verdächtigt, dem pädophilen Milliardär mehrere Mädchen ab zwölf Jahren vermittelt zu haben. Brunel besuchte den pädophilen Amerikaner mehrfach im Gefängnis, bevor er sich 2022 selber in Haft das Leben nahm. In Paris hat die Brunel-Affäre nie hohe Wellen geschlagen. Und dies nicht etwa, weil sie zu unbedeutend wäre – im Gegenteil wohl eher, weil zu viele Leute involviert oder zumindest auf dem Laufenden waren. (aargauerzeitung.ch)

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