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Epstein und Marius Borg Høiby sind genug: Schafft die Monarchien ab

Prinsesse Ingrid Alexandras myndighetsdag feires med gallamiddag pa slottet Oslo 20220617. Prinsesse Ingrid Alexandra og kongefamilien pa slottet i Oslo fredag. Marit Tjessem, kronprinsesse Mette-Mari ...
Bild aus scheinbar friedlichen Tagen: So feierte die norwegische Königsfamilie 2022 den 18. Geburtstag von Prinzessin Ingrid Alexandra (vorne Mitte).Bild: www.imago-images.de
Kommentar

Verrottet, verkommen, verroht: Schafft die Monarchien ab!

Der Fall Epstein und der Fall Marius Borg Høiby offenbaren die düstersten Seiten der britischen und norwegischen Monarchie und ein Menschenbild, das aus alten feudalen Strukturen stammt.
06.02.2026, 18:3907.02.2026, 08:18

Es gibt die realen Monarchien und die imaginären. Erstere sind gerade kollektiv am Abwracken, sind verrottet, verkommen, verroht. Die anderen blühen. Was ist da nicht alles möglich! Eine schwarze britische Königin in «Bridgerton»! Ein schwuler schwedischer Kronprinz in «Young Royals»! Patente junge Amerikanerinnen, die sich europäische Prinzen aus Fürstentümern mit Fantasienamen angeln und Mann wie Fürstenturm im Nu modernisieren! Märchenhaft!

Die Wirklichkeit? Ist kein Märchen. Ist bevölkert von Menschen, denen das Leben einfach keinen moralischen Kompass in die Hand legen wollte. Selbstgerechte, verblendete, naive, dumme Narzissten, die handeln, als wären sie noch immer in einem feudalen Zeitalter, als alle Macht der Krone gehörte, und ihre Mitmenschen nichts als Untertanen, die man nach Lust und Laune (miss)brauchen kann.

Aktuellstes Beispiel: die Norweger. Der sogenannte «Bonusprinz» Marius Borg Høiby, der kein echter Prinz ist, weil ihn seine Mutter Mette-Marit in die kronprinzliche Ehe mitbrachte, der aber trotzdem von allem profitiert, was so ein höfisches Leben zu bieten hat, steht wegen mehrerer möglicher Straftaten, darunter sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung, vor Gericht. Und was tut er? Er beklagt sich, er weint, er inszeniert sich selbst als Opfer, sagt, er sei nie mehr gewesen als der Sohn seiner Mutter, das habe ihn eben getriggert. Klar. Heul doch.

A court sketch of Marius Borg Hoiby is drawn during the first day of the trial against him, which is taking place in room 250 of the Oslo District Court, Norway, Tuesday Feb. 3, 2026. (Ole Berg-Rusten ...
Gerichtsskizze von Marius Borg Høiby.Bild: keystone

Und die Mutter? Betrieb nach gut zehn Jahren Ehe mit Kronprinz Haakon einen frivolen Chat oder im Klartext Flirt mit Jeffrey Epstein. Wohnte 2013 in seiner Lolita-Burg in Palm Beach und machte dort Yoga. Fand es wahnsinnig entspannend. Stellte sich keine Fragen, fand ihn charmant. Ihr Name taucht über 1000 Mal in den Epstein-Akten auf. Einmal fragte sie ihn, ob es «für eine Mutter unangebracht» sei, dem damals 15-jährigen Marius ein Bild von «zwei nackten Frauen mit einem Surfbrett» als Tapetenmotiv für sein Jungszimmer vorzuschlagen.

Dem Sohn droht eine Gefängnisstrafe. Und die Mutter? Norwegen fragt sich, ob sie jetzt noch Königin werden könne oder solle. Irgendwie … nicht? Und wie rechtfertigt der zukünftige König Haakon, dass sein Stiefsohn unter seinem Dach möglicherweise zu einem bald verurteilten Sexualstrafstäter wurde? Dass seine Frau mit Epstein befreundet war?

FILE - From left, Norway's Princess Ingrid Alexandra, left, Crown Prince Haakon and Crown Princess Mette-Marit on their way to a gala dinner at the Palace in Oslo, Tuesday, April 8, 2025. (Fredri ...
Ingrid Alexandra, Haakon und Mette-Marit (v.l.) im April 2025.Bild: keystone

Und dann die Briten. Andrew, einst der wohlgelittene fesche Lebemann-Prinz, verwandelte sich im Lauf des Epstein-Falls in ein gewissenloses, uneinsichtiges Monster, das sich von Epstein unzählige Frauen, darunter Minderjährige hatte zuhalten lassen. Seine Ex-Gattin Sarah Ferguson, die vermutlich den Kontakt zwischen Andrew und Epstein eingefädelt hatte, liess sich derweil von Epstein ihre Schulden begleichen und führte ihm immer wieder ihre Töchter vor – nicht, um sie mit ihm zu verkuppeln, wohl schlicht als willkommene Projektionsvorlage für Epsteins perverse Fantasien. Die Töchter als Lockvögel für Geld. Es ist unfassbar schäbig.

Bildnummer: 53643212 Datum: 03.12.2009 Copyright: imago/PicturePerfect
Sarah Ferguson with Princess Beatrice of York & Princess Eugenie of York THE YOUNG VICTORIA FILM PREMIERE Los Angeles PUBLIC ...
Sarah Ferguson mit ihren sehr nützlichen Töchtern Beatrice (links) und Eugenie.bild: imago/PicturePerfect

König Charles versucht derweil auf allen Kanälen gut Wetter zu machen und geht dafür auch mit Trumps Big-Tech-Mafia ins Bett: Zeitgleich mit «Melania» hat Jeff Bezos auch eine Charles-Dokumentation finanziert, in welcher der König wirke wie auf einem Acid-Trip, schreibt der Guardian. «Spaziergänge durch Wälder seien gut, weil dabei Kiefernpartikel in den Blutkreislauf gelangen», verkünde der König, «die Immobilienkrise sei darauf zurückzuführen, dass die Menschen nicht in hässlichen Hochhäusern leben wollen; und das Universum sei voller Muster, die sich durch Raum und Zeit wiederholen und eine harmonische Mathematik demonstrieren, die unsere Emotionen und unser Wohlbefinden beeinflusst.» Titel des Films: «Finding Harmony».

Britain's King Charles III and Queen Camilla attend the premiere of Finding Harmony: A King's Vision, at Windsor Castle in Berkshire, England, Wednesday, Jan. 28, 2026. (Aaron Chown/PA via A ...
Charles und Camilla am 28. Januar 2025 bei der Premiere von «Finding Harmony: A King's Vision» auf Windsor Castle.Bild: keystone

Ein Nebenschauplatz: die Schweden. Da verschaffte die eingeheiratete Prinzessin Sofia Epsteins schwedischer Zuhälterin Barbro Ehnbom ungehinderten Zugang zu den Royals. Ehnbom hatte einst selbst erfolglos versucht, Sofia an Epstein zu vermitteln, dann hatte Sofia ausgerechnet Ehnbom dazu auserkoren, sie für den Hof fit zu machen. Menschenkenntnis? Null.

Obwohl ein weiteres Königshaus in den Epstein-Akten aufleuchtet? Belgien, die Niederlande, Dänemark oder Spanien? Könnte Juan Carlos nicht ein prototypischer Epstein-Buddy gewesen sein? Auf der Jagd nach jungen Frauen statt Elefanten? Und wie wär's mit dem Fürstentum Liechtenstein? Monaco? Alles schiene passend. Alles wäre total unpassend.

01-06-2023 Jordan King Juan Carlos and Queen Sofia of Spain arriving fort he Islamic marriage ceremony, known as a katb ktab, of Crown Prince Al Hussein and Miss Rajwa Alseif at Zahran Palace in Jorda ...
Königin Sofia und König Juan Carlos (im Rollstuhl), 2023 anlässlich einer royalen Hochzeit in Jordanien.Bild: www.imago-images.de

Der Fall Epstein und in seinem Schatten der Fall Marius sind sowas wie ein letzter, schimmliger Faden, der beim Anfassen zerbröselt und die Nähte mehrerer Königshäuser aufplatzen lässt. Sie wurden in den letzten Jahrzehnten eh nur noch mit viel selbstgefälliger Autosuggestion zusammengehalten.

Ausbruchs- und Modernisierungsversuche jüngerer Generationen wurden dabei erst einmal unterdrückt. Mal waren die Demonstrationen von Tradition und Konvention lauter, mal leiser. Wie absurd fern etwa den Windsors die Vorstellung einer schwarzen Queen liegt, bewies vor wenigen Jahren eine halsstarrige Cousine der Queen, die sich nicht entblödete, zu einem Weihnachts-Lunch mit Meghan Markle, der Tochter einer Afro-Amerikanerin, eine Brosche mit einem rassistischen Motiv aus der Kolonialzeit zu tragen.

LONDON, ENGLAND - DECEMBER 20: Princess Michael of Kent attends a Christmas lunch for the extended Royal Family at Buckingham Palace on December 20, 2017 in London, England. (Photo by Mark Cuthbert/UK ...
Prinzessin Michael of Kent und ihre Brosche des Anstosses.Bild: UK Press

Vielleicht wird die gründliche Implosion der bislang unauffälligen norwegischen Royal Family in den Geschichtsbüchern einst als Anfang vom Ende bezeichnet werden. Als jener Schlüsselmoment, in dem allen klar wurde, dass die Monarchien abgeschafft gehören. Frankreich hat es doch vorgemacht, Versailles gehört jetzt allen. Die Royals von heute haben ihren Unterhaltungswert gehabt, doch wenn sie sich nicht wie verantwortungsvolle Subjekte zu benehmen wissen, sind sie ihre Privilegien nicht wert. Der Rest ist Netflix.

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115 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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redeye70
06.02.2026 19:20registriert Mai 2016
Den ganzen Artikel kann man per Blaupause auf die ganze Elite der Welt übertragen. Politiker, Künstler, Sportler etc. Das betrifft nun wirklich nicht nur den Adel und die Königshäuser.
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001328.9cb45ed3@apple
06.02.2026 19:19registriert Februar 2025
das Problem sind nicht die Monarchien, sondern die feudalen Verhältnisse - wo Milliardäre ihr Geld immer weiter vererben und damit ihren Einfluss auf ganze Länder behalten.
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SBRUN
06.02.2026 19:01registriert September 2019
Ich glaube, das geht uns nichts an. Das müssen die betroffenen Länder selber entscheiden, ob sie ihre Monarchien weiter wollen oder nicht.
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