Er machte seinem Freund im Fussballstadion einen Heiratsantrag – dann wird er verprügelt
Es war ein Heiratsantrag, den ganz Deutschland gesehen hatte – und nun eine unschöne Wendung bekommen hat.
Der Fall um den deutschen Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser hat sich innerhalb weniger Tage vom gefeierten Stadionmoment zu einer Geschichte entwickelt, die jetzt vor allem Ermittler beschäftigt.
Kaiser hatte Ende Januar im Vorfeld des Bundesliga-Spiels des FC Köln gegen VfL Wolfsburg vor rund 50’000 Zuschauerinnen und Zuschauern seinem Partner Moritz einen Heiratsantrag gemacht.
Videos davon verbreiteten sich online rasant, weltweit wurde der Antrag Millionenfach aufgerufen. Viele feierten die Szene als sichtbares Zeichen für queere Normalität im Fussball.
Falsche Fahndungsmeldung
Kurz nach dem Hype bekam die Geschichte einen Nebenschauplatz: Auf Social Media meldete sich ein früherer Arbeitgeber aus der Kölner Gastroszene zu Wort und erhob Vorwürfe gegen Kaiser. In Berichten ist davon die Rede, er habe als damaliger Betriebsleiter 2024 Geld und Material unterschlagen – genannt wurden Summen im Bereich von mehreren Tausend Euro. Kaisers Anwalt bestritt die Forderungen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Nur: In ihrer Berichterstattung vermittelten gewisse deutsche Medien zeitweise den Eindruck, Kaiser werde aktiv gesucht oder es laufe eine Fahndung – eine Darstellung, die später wieder relativiert wurde. Die zuständige Staatsanwaltschaft räumte ein, dass die Kommunikation zur angeblichen Fahndung so nicht stimme. Als Grund wurde ein «interner Fehler bei der Erfassung», ein «Büroversehen», genannt. Das Verfahren laufe, eine Fahndung sei aber nicht ausgeschrieben, wie es zuvor teilweise geklungen hatte.
Wegen des aufkommenden Hasses zog sich Kaiser gemäss Berichten online zurück: Sein Instagram-Profil stellte er auf privat. Öffentlich blieb vor allem eines: ein virales Video, eine Anschuldigung im Netz und eine Debatte, die sich zunehmend verselbständigte.
Im Garten angegriffen
Am Wochenende kam dann eine Entwicklung hinzu, die dem Fall eine neue Schwere gibt. «L’Équipe» berichtete am Sonntag, Kaiser sei in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei sich zu Hause körperlich angegriffen worden. Laut seiner Darstellung habe er am Vortag Drohungen erhalten, in denen auch sein Wohnort erwähnt worden sei. Er habe die Polizei kontaktiert, die ihm aber versicherte, es bestehe keine unmittelbare Gefahr.
Kurze Zeit später, als er Nachhause kam und in seinen Garten ging, sollen ihn dort drei Männer erwartet und attackiert haben, wie «L’Équipe» schreibt. Kaiser wurde dabei am rechten Auge verletzt.
Einen Zusammenhang mit seinem öffentlichen Heiratsantrag stellt Kaiser selbst her: Er sagt, er fühle sich wegen des Stadionauftritts gezielt ins Visier genommen. (kma)
