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«Lücke»: Wissenschaftler fordern mehr Atomwaffen für Europa

«Lücke»: Wissenschaftler fordern mehr Atomwaffen für Europa

Wissenschaftler drängen die europäischen Verbündeten zu schnellen Schritten beim Ausbau der nuklearen Abschreckung.
12.02.2026, 03:4912.02.2026, 03:49

In einem Bericht, der auf der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt werden soll, warnen sie vor einer «Lücke». «Die Europäer können das Nachdenken über nukleare Abschreckung nicht weiter an die USA auslagern. Die Ära, in der sich Europa nukleare Nachlässigkeit leisten konnte, ist vorbei», schreiben die Autoren.

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Nur Frankreich und Grossbritannien sind in Europa Atommächte. (Archivbild)Bild: keystone

«Wie unbequem die Debatte auch sein mag, das neue Sicherheitsumfeld erfordert es, dass europäische Entscheidungsträger die Rolle von Atomwaffen in der Verteidigung direkt und ohne Verzögerung angehen – und die nötigen Ressourcen bereitstellen, um das kompetent zu machen», heisst es weiter. Das sei der Preis, um ein strategisches Scheitern in die Zukunft zu vermeiden.

Kein guter Weg mit weniger Unterstützung aus den USA

Die Forscher untersuchen dabei fünf Optionen. Darunter sind neben dem weiteren Vertrauen auf die US-Abschreckung sowie einer Stärkung der europäischen Atommächte Grossbritannien und Frankreich auch drei teils umstrittene Wege: Entwicklung einer gemeinsamen nuklearen Abschreckung in Europa, unabhängige Schritte einzelner Nationen sowie Investitionen in eine Abschreckung nur mit konventionellen Waffen ohne Atomwaffen.

Die Debatte um den richtigen Weg sei lange als unantastbar behandelt worden, nun aber wichtig und unvermeidbar, so die Forscher. Sie stellen auch fest, dass es mit weniger US-Unterstützung für Europa keinen guten Weg gibt.

Die Untersuchung stammt aus der Feder der Europäischen Nuklearen Studiengruppe («European Nuclear Study Group»), einer 2024 angestossenen Initiative, an der die Münchner Sicherheitskonferenz, die Hertie School in Berlin sowie die Universität of St. Gallen in der Schweiz beteiligt sind.

Pistorius in Brüssel: «Das Signal ist falsch»

Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz hatte sich bereits die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas für eine offene Debatte über europäische atomare Abschreckungskapazitäten ausgesprochen. Hintergrund sei die Tatsache, dass das transatlantische Bündnis «nicht mehr das ist, was es einmal war».

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äusserte sich am Mittwoch in Brüssel zurückhaltend. In der neuen US-Verteidigungsstrategie sei «keinerlei Anhaltspunkt zu finden, dass die Amerikaner die Absicht haben, sich aus ihrer nuklearen Abschreckungsverantwortung für Europa innerhalb der Nato zurückzuziehen», sagte er.

Pistorius: «Man kann über alles spekulieren, aber zu glauben, wir wären in der Lage, jetzt oder in fünf oder gar in zehn Jahren den nuklearen Abschreckungsschirm der Amerikaner ersetzen, der mag das glauben. Ich glaube, das Signal ist falsch.» (sda/dpa)

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