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Schockierende Reportage: In Frankreichs Vorstädten gibt es No-Go-Zonen für Frauen



«Dans ce café, il n’y a pas de mixité» (etwa: «Das ist kein gemischtes Café») – diesen Satz bekommen Nadia Remadna und Aziza Sayah in einem Lokal in Sevran zu hören. Die beiden Frauen von der «Brigade des mères» («Mütter-Brigade») – einer Organisation, die für die Gleichstellung der Geschlechter und die Laizität kämpft – haben die Szene mit einer versteckten Kamera gefilmt. 

Remadna und Sayah unternahmen ihren «Ausflug» für die Reportage «Lieux publics : quand les femmes sont indésirables» («Öffentliche Orte: Wenn die Frauen unerwünscht sind») der Journalistin Caroline Sinz, die erklärtermassen «das Gesetz des Schweigens» brechen will. Der knapp sechsminütige Beitrag wurde am 7. Dezember auf France 2 ausgestrahlt und sorgte für zahlreiche Reaktionen. 

Abfällige Bemerkungen

In den muslimisch geprägten «Quartiers sensibles» (Problemvierteln) der Vorstädte von Paris und Lyon gibt es bestimmte Zonen, in denen nahezu ausschliesslich Männer das Strassenbild bestimmen – obwohl diese Orte öffentlich und für alle zugänglich sein sollten. Frauen, die ein Café besuchen möchten oder «freizügig» bekleidet – zum Beispiel mit einem Rock – unterwegs sind, werden bedroht und eingeschüchtert. Zumindest müssen sie mit abfälligen Blicken und Bemerkungen rechnen. 

«Du bist hier im 93. Hier herrscht eine andere Mentalität. Es ist wie im Bled!»

Gast in einem Lokal

Als die beiden Frauen in Sevran im Departement Seine-Saint-Denis ein Café betreten, fragt man sie, was sie hier wollen. Auf ihre Antwort, sie würden jemanden suchen, sagt man ihnen, es wäre besser, draussen zu warten. «Hier sind nur Männer», heisst es. Als sie einen Gast im Lokal fragen, was er denn tun würde, wenn er mit einer Cousine, einer Freundin oder seiner Frau etwas trinken möchte, sagt er: «Meine Cousine, sie bleibt zuhause. Meine Cousine macht, was sie will, aber nicht mit mir zusammen!»

Ein Problem der Tradition, Kultur und Religion

«Wir sind in Sevran, nicht in Paris!», bekommen die Frauen als Erklärung für die Abweisung zu hören. Ihr Einwand, auch Sevran sei Frankreich, wird mit der Bemerkung weggewischt: «Du bist hier im 93» (die Ordnungsnummer 93 steht für das Departement Seine-Saint-Denis). «Hier herrscht eine andere Mentalität. Es ist wie im Bled!» («Bled» heisst das Hinterland in den Maghrebstaaten). 

«Der Islam ist für mich wie das Strafgesetzbuch. Man soll dies nicht machen, das ist verboten, dies ist verboten – alles ist verboten.»

Aziza Sayah

Warum verhalten sich die Männer so abweisend gegenüber den Frauen? Es handle sich um ein Problem der Tradition, Kultur, aber auch der Religion, sagen Remadna und Sayah. Der Islam sei für sie wie das Strafgesetzbuch, stellt Sayah fest. «Man soll dies nicht machen, das ist verboten, dies ist verboten – alles ist verboten.»

«Man versucht, sich unsichtbar zu machen. Weil man Angst hat.»

Frau in Rillieux-la-Pape

Während die beiden Frauen in die Kamera sprechen, hält plötzlich ein Auto neben ihnen an – und fährt dann langsam weg. Remadna und Sayah ziehen es vor, das Interview abzubrechen. 

Dunkle Kleider, keine Schminke

Dasselbe Bild in Rillieux-la-Pape, einer Vorstadt von Lyon. Hier erzählt eine Frau, man kleide sich in dunkle Farben, trage Hosen und keine Röcke, man schminke sich nicht. «Man versucht, sich unsichtbar zu machen. Weil man Angst hat».

Doch es gibt Widerstand: Eine Gruppe von Frauen organisiert regelmässig Spaziergänge, um das Terrain zurückzuerobern. Bisher ohne grossen Erfolg. 

(dhr)

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