Putins Krieg in der Ukraine: Russlands Soldaten sterben im Minutentakt
Nachdem sich am Wochenende führende Vertreter der internationalen Politik bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) zur Ukraine beraten haben, beginnt die neue Woche mit erneuten Verhandlungen über einen möglichen Friedensplan. Die nächste Gesprächsrunde zwischen den USA, Russland und der Ukraine ist für Dienstag und Mittwoch in Genf angesetzt. Nach zwei Runden im Januar, die jeweils in Abu Dhabi stattfanden, rückt ein möglicher Waffenstillstand erneut in den Fokus.
Auf russischer Seite gibt es dabei einen auffälligen Personalwechsel. Die Gespräche in Abu Dhabi wurden vom Chef des russischen Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, geführt. In Genf soll er nun von Wladimir Medinski abgelöst werden, Putins «Kulturbeauftragtem» und Propagandaspezialisten. Medinski hatte der Ukraine in früheren Verhandlungen mit einem jahrzehntelangen Krieg gedroht, sollte das Land den russischen Forderungen nicht nachkommen. Dass er bei den jüngsten Gesprächen in Abu Dhabi nicht vertreten war, wurde allgemein als Zeichen gewertet, dass Russland die Verhandlungen ernst nimmt. Warum Medinski nun erneut die russische Delegation anführt, wurde vom Kreml bislang nicht kommentiert.
In der Ukraine geht der Krieg derweil unvermindert weiter. Nachdem russische Truppen in der letzten Januarwoche ein Halbjahreshoch bei ihrem Vormarsch verzeichnet und innerhalb einer Woche rund 141 Quadratkilometer ukrainisches Territorium erobert hatten, konnte die Ukraine den Vorstoss zuletzt bremsen. In der vergangenen Woche beliefen sich die ukrainischen Gebietsverluste auf rund 71 Quadratkilometer.
Mehr als 1'000 Tote in einem Tag
Für diese Geländegewinne zahlt Russland jedoch einen hohen Preis. In einem Interview mit der US-Zeitschrift «The Atlantic» erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland verliere pro erobertem Kilometer rund 170 Soldaten. In seiner Rede auf der MSC bezifferte er die russischen Verluste auf etwa 35'000 Soldaten pro Monat. Insgesamt habe Russland seit Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 Verluste von rund 1,3 Millionen Personen erlitten, darunter schätzungsweise 350'000 getötete Soldaten sowie knapp eine Million Verwundete. Allein in den vergangenen 24 Stunden wurden laut Informationen der ukrainischen Armee 1'180 russische Soldaten getötet.
Derweil sei es der Ukraine gelungen, kleinere Ortschaften von russischen Streitkräften zu befreien, berichtet das Institute for the Study of War (ISW). Der ukrainische Militärexperte Konstantin Mashowez, den das Institut zitiert, betont jedoch, diese Bemühungen liessen sich noch nicht als «Gegenoffensive» bezeichnen, sondern seien eher Ausdruck dynamischer Frontverschiebungen im Kriegsverlauf.
Russland plant grosse Sommeroffensive
Laut ISW plant Russland erneut eine grössere Sommeroffensive, obwohl es entscheidende logistische Knotenpunkte derzeit nicht vollständig kontrolliere oder diese Kontrolle wieder zu verlieren drohe. Das könnte das Ziel von US-Präsident Donald Trump erschweren, den Krieg zu beenden: Erst vergangene Woche hatte Selenskyj berichtet, Trump habe beiden Kriegsparteien eine entsprechende Frist bis Ende Juni gesetzt. Beobachter vermuten, Trump wolle einen möglichen Frieden innenpolitisch vor den Zwischenwahlen als persönlichen Erfolg vermarkten.
Die jüngsten Rückschläge der russischen Streitkräfte könnten unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass der Satellitenbetreiber Starlink den Zugang für russische Soldaten eingeschränkt hat. Zuvor war bekannt geworden, dass das System, das eigentlich zur Unterstützung der Ukraine gedacht ist, auch von russischen Einheiten für Kommunikation und Planung genutzt wurde. Zugleich testet der Kreml eigene Satellitensysteme, die von russischen Militärbloggern online jedoch bereits als «unzureichend» eingestuft wurden.
Russland nimmt derweil weiterhin die zivile Infrastruktur der Ukraine ins Visier. Selenskyj sprach von rund 1'300 Drohnenangriffen, 1'200 Gleitbomben und etwa 50 Raketen binnen einer Woche, die sich gegen die Energieinfrastruktur des Landes richteten. Diese Angriffe erhöhen den Druck auf die Zivilbevölkerung erheblich, da Millionen Menschen bei Minusgraden teils ohne Heizung und Elektrizität auskommen müssen.
Ukraine antwortet mit Angriffen
Auch die Ukraine hat ihre Angriffe auf russisches Territorium zuletzt intensiviert. Russische Offizielle berichten von Drohnenangriffen in verschiedenen Teilen des Landes, unter anderem in den Regionen Moskau, Belgorod und Brjansk – letztere liegen unweit der Grenze zur Ukraine. Zeitweise wurde der Luftverkehr eingestellt. In der Region Brjansk blieben fünf Gemeinden vorübergehend ohne Wärme und Strom, nachdem auch dort Versorgungsinfrastruktur getroffen worden war.
Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte wurden das Ölterminal Tamanneftegaz nahe dem Dorf Wolna in der russischen Region Krasnodar sowie ein Luftabwehrsystem vom Typ Pantsir-S1 auf der besetzten Krim angegriffen.
Wie der Generalstab in Kiew auf Facebook mitteilte, richteten sich die Angriffe gegen militärisch und wirtschaftlich bedeutende Ziele «tief im Hinterland des Gegners» sowie in besetzten Gebieten. Das Ölterminal in der Region Krasnodar sei zerstört worden, auf dem Gelände sei ein Feuer ausgebrochen. Bei dem Angriff wurden zwei Menschen verletzt.
Auf der Krim sei im Raum Katscha ein russisches Pantsir-S1-System ausser Gefecht gesetzt worden. Dabei handelt es sich um ein mobiles Mittelstrecken-Flugabwehrsystem zur Bekämpfung von Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen.

