Derzeit häufen sich Berichte zum Marburg-Fieber. Die durch das gleichnamige Virus ausgelöste Infektionskrankheit ist bei schweren Verläufen lebensbedrohlich und steht unter Verdacht, von Ruanda nach Deutschland eingeschleppt worden zu sein. Dieser bestätigte sich in diesem Fall zwar nicht – die beiden Rückkehrer sind negativ getestet worden, wie die Sozialbehörde am Donnerstagvormittag mitteilt.
Die grosse Angst davor war trotzdem gerechtfertigt, denn das Virus ist hochgefährlich. Alles, was du dazu wissen willst.
Am Mittwoch war die Aufregung am Hamburger Bahnhof gross. Ein deutscher Medizinstudent soll in Ruanda mit dem lebensbedrohlichen Krankheitserreger in Kontakt gekommen sein und auf der Rückreise nach Hamburg Symptome entwickelt haben, wie die Stadt Hamburg mitteilt.
In Ruanda breitet sich die Infektionskrankheit aktuell rasant aus. Seit Ende September sind 36 Menschen erkrankt und elf gestorben. 25 weitere seien isoliert und in Behandlung, teilt das ruandische Gesundheitsministerium auf X mit.
Der erkrankte Student meldete sich bei der Gesundheitsbehörde, woraufhin er mit seiner Begleitung am Hamburger Hauptbahnhof isoliert und mit einem Infektionsrettungsfahrzeug der Feuerwehr ins Spital gebracht wurde. Zudem sperrte die Bundespolizei zwei Gleise ab. Am Donnerstag Vormittag kommt die Entwarnung: Es war nicht das Marburg-Fieber.
Das Marburg-Fieber ist eine Zoonose. Das sind Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Das gleichnamige Virus, das die Krankheit auslöst, ist – wie Ebola – ein RNA-Virus aus der Familie der Filoviren. Es hat als natürlichen Wirt eine fruchtfressende Fledermaus (Rousettus aegyptiacus), die vor allem in Afrika verbreitet ist.
Affen und bestimmte Antilopen können als Zwischenwirte wirken.
Die Marburg-Virus-Krankheit ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Erkrankung. Die Sterblichkeitsrate beträgt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) je nach Virusstamm und Behandlung zwischen 24 und 88 Prozent.
Menschen stecken sich indirekt an, indem sie infizierte Früchte essen oder mit den Fledermäusen oder ihrem Kot in Berührung kommen. Ebenfalls kann man sich direkt durch Kontakt zu Körperausscheidungen (vor allem Blut, Erbrochenes und Exkremente) von infizierten oder erkrankten, lebenden oder toten Menschen und Tieren anstecken.
Es gibt keine Hinweise auf eine Übertragung über Aerosole. Für Reisende ist das Ansteckungsrisiko laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gering, da eine Übertragung nahen Kontakt mit einer infizierten Person erfordert. Hat man allerdings engen Kontakt zu Infizierten, ist die Krankheit hochansteckend. Pflegepersonal, das Erkrankte versorgt, muss daher komplette Schutzkleidung tragen, einschliesslich eines Helms mit Atemschutzgerät.
Die ersten Symptome treten ungefähr 2 bis 20 Tage nach dem Kontakt mit dem Virus auf. Sie gleichen zunächst den Symptomen anderer, weniger gefährlichen Virusinfektionen. Die Infizierten haben Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Husten. Ausserdem werden die Augen lichtempfindlich und können gerötet sein.
Innerhalb weniger Tage entwickeln sich schwerwiegendere Symptome:
Bislang gibt es keinen Impfstoff oder spezifische Behandlungen für das Marburg-Fieber. Allerdings kann man die Überlebenschancen erheblich verbessern durch Rehydrierung und die Behandlung der einzelnen Symptome.
Das Marburg-Virus kommt gemäss BAG in Zentralafrika vor, hauptsächlich in Angola, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda. Es sei dennoch eine seltene Krankheit mit unter 600 registrierten Fällen bei 500 Todesfällen seit 1967.
In anderen Ländern sind durch Reisende importierte Fälle möglich, aber äusserst selten. In der Schweiz wurde bis heute kein Fall registriert.
Seinen Namen hat das Virus seit die Krankheit 1967 in Marburg ausbrach und erstmals entdeckt wurde. Der Erreger kam damals mit Affen der Spezies Grüne Meerkatzen nach Deutschland. Diese hätten eigentlich der Gewinnung von Masern- und Polio-Impfstoffen dienen sollen, brachten stattdessen aber Krankheit und Tod.
Seitdem gab es lediglich zwei grössere Ausbrüche in Kongo (1998 bis 2000, 128 Tote) und Angola (2005, 329 Tote).