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Former Greek prime minister and leader of leftist Syriza party Alexis Tsipras speaks to journalists after he voted for the general election at a polling station in Athens, Greece, September 20, 2015. Tsipras's leftist Syriza party was ahead of its main rival, conservative New Democracy, as voting ended in Greece's election on Sunday, an exit poll showed.  REUTERS/Alkis Konstantinidis

Alexis Tsipras: Schon im Oktober müssen neue Sparmassnahmen und Privatisierungen durchgesetzt werden.
Bild: ALKIS KONSTANTINIDIS/REUTERS

Zweite Chance für Tsipras - Syriza-Chef erhält frische Mehrheit



Das Wagnis in Griechenland ist aufgegangen: Alexis Tsipras hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag eine frische Mehrheit für seine linke Syriza-Partei erhalten. Nach langem Bangen, ob die Griechen ihm erneut die Regierungsverantwortung übertragen würden, kann der 41-Jährige aufatmen. Zwar reichte es nicht für eine absolute Mehrheit, so dass er erneut auf einen Koalitionspartner angewiesen ist, doch schnitt er trotz spektakulärer Kehrtwende im Sommer kaum schlechter ab als im Januar.

Damals war Tsipras mit dem Versprechen gewählt worden, die schmerzhafte Spar- und Reformpolitik zu beenden, zu der Athen seit Jahren von den internationalen Kreditgeber gezwungen ist.

Seinen Anhängern versprach der junge Linkspolitiker, nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa einer neuen Politik zum Durchbruch zu verhelfen. Bei der Europäischen Union und beim Internationalen Währungsfonds stiess er damit aber auf Ablehnung: Sie pochten auf Reformen im Gegenzug für weitere Finanzhilfen.

Bei den EU-Gipfeln in Brüssel verärgerte Tsipras seine Partner mit sprunghafter Verhandlungstaktik. Auf dem Höhepunkt der Krise, als ein Ausscheiden aus dem Euro fast unausweichlich schien, überraschte er mit der Ankündigung eines Referendums über die Sparauflagen. Mehr als 60 Prozent der Griechen folgten seinem Aufruf und stimmten mit Nein.

Für einige ein Verräter

Doch nur wenige Tage später willigte Tsipras in die Forderungen der Geldgeber ein und verpflichtete sich im Gegenzug für ein drittes Hilfsprogramm von 86 Milliarden Euro zu weiteren Reformen.

«Verräter», hiess es daraufhin vom linken Flügel bei Syriza. In zwei Abstimmungen über die Vereinbarung mit den Kreditgebern verweigerte ihm rund ein Viertel der Abgeordneten die Zustimmung.

Als die linken Abweichler die Gründung der Partei Volkseinheit verkündeten, war für Tsipras klar, dass der Riss nicht mehr zu kitten war. Ohne eigene Mehrheit im Parlament suchte er die Flucht nach vorn und machte mit seinem Rücktritt als Ministerpräsident den Weg für Neuwahlen frei - in der Hoffnung, dabei eine frische Mehrheit zu erhalten.

Nun ging die Rechnung auf: Der selbst erklärte Vorkämpfer für die «nationale Würde» gegen das «Spardiktat» erhält eine zweite Chance. Anders als viele seiner Abgeordneten sahen die meisten Wähler Tsipras offenbar seine Kehrtwende im Juli nach. Sie verziehen ihm auch, dass sich seit seinem Amtsantritt im Januar die Lebensbedingungen nicht verbessert haben.

Hoffnungsträger mit guter Laune

Tsipras, den seine gute Laune und sein Optimismus selbst zum Höhepunkt der Krise nicht zu verlassen schienen, bleibt ein Hoffnungsträger.

Geboren wurde Tsipras 1974 am Rande von Athen - dem Jahr, in dem die Militärdiktatur zusammenbrach, unter der Linke und Kommunisten gnadenlos verfolgt wurden. Der Fan von Che Guevara ging schon als Jugendlicher für Schülerrechte auf die Strasse.

Betty Baziana, die Mutter seiner beiden Söhne, lernte er in der Schule kennen, als beide in die Kommunistische Jugend eintraten. 2007 gewann er mit der linksgerichteten Koalition Synaspismos einen Sitz im Stadtrat von Athen und wurde ein Jahr darauf Vorsitzender von Syriza.

«Ein Weg von Arbeit und Kampf»

Der jugendlich wirkende und charismatische Politiker, der stets in weissem Hemd ohne Krawatte auftritt, zeigte sich am Sonntagmorgen bei der Abgabe seiner Stimme im Athener Arbeiterbezirk Kypseli zuversichtlich, dass die Griechen «ihre Zukunft in die Hände nehmen» und den Übergang in eine «neue Ära besiegeln» würden.

Nach der Verkündung seines Wahlsieges am Abend stimmte er seine Mitbürger aber auf harte Zeiten ein. «Vor uns öffnet sich ein Weg von Arbeit und Kampf», schrieb er im Onlineportal Twitter. (sda/afp)

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