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Britain's Prime Minister Boris Johnson's top aide Dominic Cummings leaves 10 Downing Street with a box, in London, Friday, Nov. 13, 2020. Late Wednesday, Lee Cain announced he was quitting as director of communications, a move that has sparked speculation that Dominic Cummings, Johnson's top adviser, could soon leave, further weakening the pro-Brexit camp. Both Cain and Cummings worked together on the 2016 Brexit referendum campaign that was largely fronted by Johnson. (Yui Mok/PA via AP)

Dominic Cummings hat die Downing Street verlassen. Bild: keystone

Exodus aus der Downing Street: Auch Johnson-Berater Cummings geht



Die personellen Turbulenzen in der Machtzentrale des britischen Premiers Boris Johnson haben sich weiter verstärkt. Der einflussreiche britische Regierungsberater Dominic Cummings verliess am Freitagabend mit einem grossen Pappkarton in den Händen die Downing Street, wie auf Fotos und Videos britischer Medien zu sehen war. Er werde seinen Posten mit sofortiger Wirkung verlassen, schrieb die BBC. Auch Johnsons Kommunikationschef Lee Cain hatte in dieser Woche gekündigt. Für das engste Umfeld des Premiers bedeutet das eine gewaltige Umwälzung - und möglicherweise die Chance zur Neuausrichtung.

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf ungenannte Quellen, Cummings werde noch bis Mitte Dezember weiter für die Regierung tätig sein - nach einem Tweet von BBC-Reporterin Laura Kuenssberg allerdings nur noch von zuhause an einzelnen Projekten.

Nach einem turbulenten Machtkampf verschiedener Lager in der Downing Street hatten hochrangige Regierungsquellen der BBC am Donnerstagabend verraten, Cummings werde «vor Weihnachten» seinen Posten aufgeben. Der 48-Jährige selbst hatte dies am Freitag zunächst nur indirekt bestätigt - und auf einen seiner früheren Blogbeiträge verwiesen: Seine im Januar auf dem Blog erklärte Position habe sich nicht geändert. In dem Beitrag hatte Cummings geschrieben, er hoffe, sich bis Ende 2020 «weitgehend überflüssig» zu machen. Letztlich kam sein Rückzug nun schneller als gedacht.

Cummings galt als Strippenzieher im Regierungssitz. Er und Lee Cain gehören zu den mächtigen Brexiteers, die den EU-Austritt Grossbritanniens für eine historische Errungenschaft halten und seit geraumer Zeit den Ton in der Downing Street angaben. Cummings hatte seinen engen Verbündeten Cain als Stabschef installieren wollen - was jedoch für massiven Gegenwind in der Partei und darüber hinaus sorgte. Am Mittwoch kündigte Cain daraufhin überraschend. Er und Cummings sind Weggefährten Johnsons aus dem Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2016, bei dem die Briten knapp für einen Austritt aus der EU gestimmt hatten.

Ein Regierungssprecher erklärte am Freitag, die Position der Regierung im Blick auf die Brexit-Handelspakt-Gespräche mit der EU bleibe unverändert. Beobachter hatten zuvor gemutmasst, mit dem Abgang des überzeugten Brexiteers Cummings könnte Downing Street kompromissbereiter gegenüber der EU werden.

Mehrere Abgeordnete der konservativen Tory-Partei, der Johnson vorsteht, begrüssten die Neuigkeiten und bezeichneten sie als Chance für einen Neustart. Der Parlamentarier Bernard Jenkin sprach von einer Möglichkeit, «Respekt, Integrität und Vertrauen» zwischen der Regierung und der Fraktion wiederherzustellen, die in den vergangenen Monaten gefehlt hätten.

Das Timing des Personalkarussells ist denkbar schlecht: Nicht nur muss Premier Boris Johnson gegen besorgniserregend hohe Corona-Zahlen ankämpfen - er muss in diesen Tagen auch entscheiden, ob er sein Land mit oder ohne Schutzschirm, nämlich einem Handelspakt mit der EU, aus der EU herausführen will. (sda/dpa)

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