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«Du tust, was du tun musst» – der Held von London erklärt seine Neonazi-Rettung

Bei Anti-Rassismus-Protesten in London wird ein weisser Mann von Demonstranten überwältigt. Ein Schwarzer rettet ihm womöglich das Leben. Das Bild geht um die Welt. Der Helfer erklärt sein Handeln.  

Liesa Wölm / t-online



Bild

Ein Bild geht um die Welt.

Ein Artikel von

T-Online

Das Bild sorgt inmitten der weltweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt für Aufsehen: Der schwarze Aktivist Patrick Hutchinson rettet einen weissen Mann aus dem Gedränge, in dem Rechtsextreme und Demonstranten aneinandergeraten.

In einem Interview mit dem britischen Sender Channel 4 spricht der Retter über seine Beweggründe: «Sein Leben war in Gefahr. Also bin ich runter, hab ihn aufgehoben und auf meine Schulter gelegt und bin mit ihm in Richtung der Polizei gelaufen.» Weiter erklärt der Personal Trainer und Grossvater: «Du denkst zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nach. Du tust einfach das, was du tun musst.»

Die Situation ereignete sich am Samstag in der britischen Hauptstadt London. Hutchinson und seine Freunde nahmen nach eigener Aussage an dem antirassistischen Protest teil, «um den Frieden zu bewahren», berichtet Channel 4. Die Männer hätten Erfahrung mit Kampfkunst und Sicherheit. Auf ihrem Heimweg gerieten sie in einen Konflikt zwischen rechtsextremen Gruppen und schwarzen Demonstranten, sagt Hutchinson in dem Interview. Der Mann, dem er half, sei von seinen Freunden alleingelassen worden. Offenbar gehörte er den Rechtsextremen an. 

«Es wäre wirklich schlimm geworden»

Hutchinson ist sich sicher, dass auch George Floyds Leben hätte gerettet werden können, wenn jemand etwas unternommen hätte: «Wenn die anderen drei Polizisten, die herumstanden, als  George Floyd  ermordet wurde, darüber nachgedacht hätten, einzugreifen und ihren Kollegen daran zu hindern, das zu tun, was er tat – so wie wir –, wäre George Floyd heute am Leben.» Floyd starb am 25. Mai bei einem Polizeieinsatz. Ein Beamter hatte fast neun Minuten auf seinem Nacken gekniet. Seine Kollegen hatten ihn nicht daran gehindert und werden mitverantwortlich für den Tod gemacht. 

Ein Freund des Retters erklärt in dem Interview zu dem jüngsten Vorfall in  London : «Es wäre wirklich schlimm geworden, weil jemand gestorben wäre. Und sofort hätte es geheissen: Schwarze Jungs haben jemanden getötet, sie haben einen weissen Mann getötet. Das hätte es nur noch schlimmer gemacht. Deshalb mussten wir da mit ihm raus.» Ein weiterer Sicherheitsmann erklärt, er habe nicht den Mann schützen wollen, sondern die Kinder: «Ich habe ihre Zukunft geschützt, weil ich weiss, dass der Richter nicht gesehen hätte, was vorher passiert ist.»

Über hundert Festnahmen in London

Die Gruppe habe gemerkt, dass die Situation eskaliere und Hutchinson sei sofort eingeschritten, um dem Mann zu helfen, erklärt ein weiterer Freund von Hutchinson. Das Foto davon ging daraufhin um die Welt. Hutchinson wird seitdem weltweit als Held gefeiert. David Lammy, ein Labour-Abgeordneter von Tottenham, schrieb zu dem Bild auf Twitter: «Patrick Hutchinson bringt einen verletzten Fremden während der gestrigen Proteste in Sicherheit. Es ist leicht, sich auf die schlimmsten Instinkte menschlichen Verhaltens zu konzentrieren. Aber es ist wichtig, dass wir auch das Beste feiern.»

Nach Angaben von Channel 4 wurden am Samstag in London über hundert Personen festgenommen, darunter ein 28-jähriger Mann, der auf ein Denkmal uriniert haben soll. 

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sauäschnörrli 16.06.2020 16:28
    Highlight Highlight Woher weiss man dass der Herr ein Neonazi ist?
  • Ataraksia Eudaimonia 16.06.2020 15:38
    Highlight Highlight Nimmt mich wunder ob der Gerettete seine Farbe daraufhin in rot geändert hat...um anschließend sich zur Schwarzen zu bekennen.
  • John Henry Eden 16.06.2020 14:17
    Highlight Highlight Tolle Sache! Dieser Patrick Hutchinson hat auch im Chaos echte Grösse bewiesen.

    Stichwort Chaos: Gruppendynamik wirkt in beide Richtungen. Ist die Gruppe augenscheinlich im Vorteil, wirkt sie wie ein Magnet. Kommt die Gruppe unter Druck, rennen erst einige und dann viele wieder davon.


  • Fip 16.06.2020 12:27
    Highlight Highlight Ist der Mann ansprechbar? Und: ist er immer noch Rassist?
  • freeLCT 16.06.2020 10:52
    Highlight Highlight Sofern diese Story 1:1 so abgelaufen ist, kann man dem Hutchinson nur gutsprechen, was er getan hat.
    Situativ ein Menschenleben gerettet, unabhängig der Gesinnung oder der Erscheinungsform.

    Solche Aktionen sind Gold für das Empathie-Verständnis unserer gottverwahrlosten Gesellschaft.

    • grünerantifaschist #blm 16.06.2020 12:14
      Highlight Highlight Was bedeutet gottverwahrlost?
    • freeLCT 16.06.2020 14:18
      Highlight Highlight @grünerantifaschist #blm:

      Ist 'ne Redewendung meinerseits.
      Verwahrlost ist hoffentlich klar.
      "gott-" kann man in diesem Bezug auch mit "huerre", "verdammt", etc... auswechseln.
  • Kruk 16.06.2020 10:46
    Highlight Highlight "Der Mann, dem er half, sei von seinen Freunden alleingelassen worden. Offenbar gehörte er den Rechtsextremen an." rechtsextreme sind keine Freunde, es sind bloss seine (hoffentlich ehemalige) Gesinnungsgenossen.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 16.06.2020 11:08
      Highlight Highlight Nennen wird beim Namen: Rechtsextremisten sind feige Menschen.
      In der Gruppe sind sie stark. Sobald einer von ihnen fällt, sind sie weg.
    • Com Truise 16.06.2020 12:46
      Highlight Highlight Leider oftmals nicht so. Sehr häufig sind extremisten sozial schwache leute, die nicht wirklich ein freundschaftliches umfeld haben. Man holt sie zu sich in die gruppe, gibt ihnen ein zuhause und wenn der grundgedanke schon vorhanden ist, kann man sie radikalisieren.
  • Schso 16.06.2020 10:37
    Highlight Highlight Toller Typ, Kudos!
  • swisscheese 16.06.2020 10:25
    Highlight Highlight «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!» (Erich Kästner).
    • Dani B. 16.06.2020 15:22
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