DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gegen das Todesurteil gab es viel Widerstand.
Gegen das Todesurteil gab es viel Widerstand.Bild: HARISH TYAGI/EPA/KEYSTONE

Trotz massiven Protesten: Mitverantwortlicher der Mumbai-Anschläge von 1993 erhängt

30.07.2015, 05:3630.07.2015, 05:51

Mehr als 22 Jahre nach den blutigen Bombenanschlägen in Mumbai ist einer der Verantwortlichen in Indien hingerichtet worden. Gegen die Hinrichtung des 53-jährigen Yakub Memon gab es Widerstand. Viele im Land kritisieren, dass die Drahtzieher unbehelligt blieben.

Memon sei am Donnerstag in einem Gefängnis im Bundesstaat Maharashtra gehängt worden, berichtete die indische Nachrichtenagentur IANS. Es war die dritte Hinrichtung in Indien in zehn Jahren. Memon war verurteilt worden, die Anschläge auf die Börse, Hotels und Marktplätze von Mumbai (früher Bombay) am 12. März 1993 mit geplant und finanziert zu haben.

Bei den Explosionen waren 257 Menschen getötet und mehr als 700 Menschen verletzt worden- es waren die tödlichsten Anschläge, die Indien je erlebte. Die mutmasslichen Hauptverantwortlichen für die Attacken wurden bislang nicht gefasst.

Militärs suchen nach Überlebenden nach der Explosion.
Militärs suchen nach Überlebenden nach der Explosion.Bild: AP

Verdächtige vermutlich in Pakistan

Als führende Köpfe der Attacken gelten der Unterwelten-Boss Dawood Ibrahim und Tiger Memon, der Bruder des nun Hingerichteten. Beide werden im Nachbarland Pakistan vermutet. Insgesamt wurden 100 Menschen im Zusammenhang mit den Mumbai-Attentaten verurteilt. Elf erhielten die Todesstrafe, die aber in zehn Fällen in lebenslange Haftstrafen umgewandelt wurde.

Gegen die Hinrichtung gab es zahlreiche Proteste. Die Todesstrafe werden in Indien willkürlich, diskriminierend und übermässig häufig gegen arme Menschen verhängt, kritisierte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Proteste gegen das Todesurteil.
Proteste gegen das Todesurteil.Bild: Tsering Topgyal/AP/KEYSTONE

Indische Parlamentsabgeordnete und Wissenschaftler hatten Anfang der Woche ein Gnadengesuch unterschrieben. Bollywood-Superstar Salman Khan twitterte, dass stattdessen die eigentlichen Strippenzieher gefunden und gehängt werden sollten.

Angeblich zur Aufklärung zurückgekehrt

Yakub Memon war Buchhalter von Beruf und wenige Tage vor den Anschlägen nach Pakistan ausgereist. Er behauptete stets, unschuldig zu sein. Nach seinen Angaben vor Gericht kehrte er zusammen mit anderen Familienmitgliedern 1994 nach Indien zurück, um bei der Aufklärung der Anschläge zu helfen. Dafür wurde ihm kein Strafnachlass gewährt.

Nach jüngsten verfügbaren Daten von Ende 2013 sitzen rund 400 Menschen in Todeszellen in indischen Gefängnissen. Die Strafe wird nur noch sehr selten vollstreckt. Alle in den vergangenen zehn Jahren in Indien Hingerichteten waren wegen Terrorismus verurteilt worden. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie ein Ehepaar den mRNA-Impfstoff erfand – «Wir sprechen nie über etwas anderes»
Noch gab es keine 1000 Fälle, doch schon im Januar 2020 startete ein damals unbekanntes Ehepaar den Kampf gegen Corona. Ugur Sahin und Özlem Türeci haben in neun Monaten einen Covid-Impfstoff entwickelt. Ein Porträt.

Der grosse Applaus macht das Ehepaar Özlem Türeci und Ugur Sahin etwas verlegen. Das Publikum der TV-Sendung «Kölner Treff» will nicht mehr aufhören zu klatschen. Deshalb fragt die Moderatorin: «Tut das gut?». Eine gute Frage, denn der Wettlauf um die Entwicklung des Covid-Impfstoffs war von grosser Dramatik und vielen Widerständen geprägt.

Zur Story