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Interview

Waffenruhe im Iran-Krieg mit Trump: Experte schätzt ein

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Das wirkt alles andere als friedlich: In einer vom Regime orchestrierten Demonstration verbrennen Iraner in Teheran die israelische und US-amerikanische Flagge, nachdem ihr Regime die Waffenruhe ausgerufen hat, am 8. April 2026.Bild: keystone
Interview

«Die USA befinden sich in einem Krieg, aus dem sie nicht mehr herauszukommen wissen»

Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und Iran atmet die Welt auf. Dabei sind viele Fragen noch offen und ein Frieden alles andere als in Sicht, wie Staatswissenschaftler Andreas Böhm im Interview einordnet.
08.04.2026, 17:5808.04.2026, 18:30

Kurz bevor das Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an das iranische Regime abgelaufen ist, haben sich die beiden Kriegsparteien auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Ist die Welt knapp an einem atomaren Angriff der USA auf den Iran vorbeigeschlittert?
Andreas Böhm: Das ist schwer zu sagen, und ich hoffe natürlich, dass diese Frage nicht im Raum stand. Die Nutzung von Atomwaffen ist auf internationaler Ebene absolut geächtet. Die USA hätten es sich damit mit allen ihren Verbündeten verspielt. Ausserdem hätten sie damit rechnen müssen, dass der Iran massiv zurückschlagen würde. Trotzdem gab es Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein atomarer Angriff nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnte.

Welche Anzeichen gab es?
Ich bin aktuell in Italien und habe mitbekommen, wie sich das italienische Aussenministerium auf ein solches Szenario vorbereitet hat. Ausserdem hat Trump diesen Krieg bisher wie ein Videospiel geführt, mit unklaren Zielen und undurchsichtiger Strategie, in der Atomwaffen für ihn nur als praktisches Spielzeug fungieren.

Zur Person
Andreas Böhm ist Staatswissenschafter und Dozent für International Law und International Affairs an der Universität St. Gallen. Sein Themenschwerpunkt liegt auf dem Mittleren Osten. Davor war er als politischer Analyst in der Privatwirtschaft tätig.
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Bild: zvg

Nun steht der Waffenstillstand. Wie stabil ist dieser?
Die USA und der Iran werden sich vorerst an die Waffenruhe halten. Auch Israel hat zugestimmt, seine Angriffe auf den Iran vorerst einzustellen, auch wenn die Waffenruhe für Premierminister Benjamin Netanjahu eine Blamage darstellt, da er in die Gespräche nicht involviert gewesen ist. Der Knackpunkt bleibt der Libanon. Der Iran hält daran fest, dass die Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Israel widerspricht und hat heute Morgen Angriffe auf den Süden des Libanons gefahren. Es stellt sich die Frage, wie das iranische Regime mit diesen Angriffen umgeht. Akzeptiert es diese, hintergeht es seine Verbündeten. Bricht es die Waffenruhe, indem es gegen Israel zurückschlägt, stehen wir wieder am gleichen Punkt wie davor. Es ist deshalb nicht einmal sicher, ob die Waffenruhe bis zum Treffen am Freitag zwischen den USA und dem Iran bestehen bleibt.

People check a destroyed coffeeshop at the site of an Israeli strike in the southern port city of Sidon, Lebanon, Wednesday, April, 8, 2026. (AP Photo/Mohammed Zaatari)
Lebanon Israel Iran War
Aufnahme eines Cafés in der südlibanesischen Hafenstadt Sidon, das bei einem israelischen Angriff zerstört worden ist, am 8. April 2026. Trotz Waffenstillstands führt Israel seine Angriffe auf den Libanon fort.Bild: keystone

Die Waffenruhe kam nur zustande, weil sich der Iran bereit erklärte, die Strasse von Hormus zu öffnen. Wie genau soll das rein logistisch funktionieren?
Die Strasse von Hormus ist ja nicht wortwörtlich geschlossen. Sie zu passieren war bisher aufgrund der Drohung Irans, Schiffe anzugreifen, einfach zu gefährlich. Theoretisch könnten die Schiffe die Meerenge nun wieder passieren. Doch das macht niemand. Bis der Verkehr auf der Strasse von Hormus wieder einigermassen anlaufen könnte, bräuchte es mehrere Wochen, bis der reguläre Verkehr wieder möglich wäre sicher zwei Monate. Die zweiwöchige Waffenruhe ist für den Schiffsverkehr also absolut irrelevant. Keine Versicherung würde unter diesen Bedingungen und ohne explizite Zusicherung Irans für ein Schiff haften.

Strasse von Hormus
Die Strasse von Hormus ist eine Meerenge im Persischen Golf, die eine der wichtigsten und meistbefahrenen Schlüsselstellen des Welthandels darstellt.Bild: watson

Welchen Zweck erfüllt die zweiwöchige Waffenruhe stattdessen?
Gelingt es, dass der Waffenstillstand zwei Wochen anhält, wird sich der Krieg entschleunigen. Und es würde den Kriegsparteien erschweren, die Kämpfe wieder aufzunehmen.

Am Freitag sollen in Pakistan Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stattfinden. Als Basis hat das iranische Regime einen 10-Punkte-Plan vorgelegt. Wie realistisch ist es, dass sich die beiden Parteien finden?
Das iranische Regime steht aktuell in einer besseren Verhandlungsposition. Dadurch, dass Trump ihren 10-Punkte-Plan als Basis akzeptiert hat, stellt dieser die Grundlage der Verhandlungen dar: die Aufhebung sämtlicher wirtschaftlicher Sanktionen, der Besitz von Atomwaffen, die Gewalt über die Strasse von Hormus, der Stopp der Angriffe auf den Iran und seine Verbündeten, etwa die Hisbollah im Libanon. Gegen die iranische Kontrolle der Strasse von Hormus werden die Golfstaaten protestieren, gegen Irans Atomwaffen und ein Ende der Angriffe im Libanon wird Israel intervenieren. Das heisst: Es liegt jetzt an den USA, Parteien wie Israel und die Golfstaaten zu Zugeständnissen zu bringen. Und das dürfte sehr schwierig werden.

Insbesondere bei Israel?
Ja. Netanjahu hat seine Kriegsziele noch immer nicht erreicht. Er will einerseits das iranische Regime stürzen und andererseits sicherstellen, dass der iranische Staat keine Angriffe mehr auf Israel starten kann. Deshalb hat Israel im Iran auch sehr viel zivile Infrastruktur zerstört – was letztlich ein Kriegsverbrechen ist.

Welche eigenen Ziele verfolgen die USA mit den Verhandlungen am Freitag?
Die USA befinden sich in einer Sackgasse. Weil nur schon unklar war, welches Ziel sie verfolgten, als sie diesen Krieg starteten. Man hat den Iran völlig falsch eingeschätzt: Trump glaubte, mit der Tötung des Obersten Führers und den Bombardements automatisch einen Regimewechsel herbeiführen zu können – so wie er es in Venezuela geschafft hat. Nun befinden sich die USA in einem Krieg, aus dem sie selbst nicht mehr herauszukommen wissen. Gleichzeitig schwindet in den USA die Unterstützung für Israel.

Wie wird der Irankrieg in den nächsten zwei Wochen weitergehen?
Die USA werden versuchen, ihre Stellungen wiederaufzubauen. Die Iraner werden versuchen, ihre Raketenabschusspositionen wieder einzurichten. Und Trump wird kaum darum herumkommen, dem iranischen Regime die Kontrolle über die Strasse von Hormus zuzugestehen.

Das heisst, selbst wenn die Waffenruhe zwei Wochen anhalten wird, werden wir danach wieder am selben Punkt stehen wie heute?
Ja, das ist sehr gut möglich.

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Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
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Video: watson
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