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Interview

Ukrainerin zum Kriegsausbruch: «Putin, sieht so brüderliche Liebe aus?»

Video: watson/lea bloch
Interview

Ukrainerin zum Kriegsausbruch: «Putin, sieht so brüderliche Liebe aus?»

Jenia Jost ist Ukrainerin und lebt in Zürich. Über den plötzlichen Kriegsausbruch in ihrem Heimatland ist sie schockiert und gleichzeitig wütend. Ein kurzes Gespräch über ihre Gedanken.
24.02.2022, 12:2424.02.2022, 14:25

Mit der Eskalation hat man gerechnet, jedoch hoffte man, sie abzuwenden. Jetzt ist sie da. Wie geht es dir?
Jenia Jost:
Komisch. Was da gerade passiert, ist für mich schwer greifbar.

Wie hast du vom Kriegsausbruch erfahren?
Meine Mutter hat es mir heute Morgen am Telefon gesagt. Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit und habe die Nachrichten noch nicht gesehen. Sie sagte mir: «Hast du gesehen? Es ist jetzt Krieg.» Mitten im Tram brach ich in Tränen aus. Meine Mutter weinte auch. Dann sagte sie: «Komm, wir legen auf, sonst bringen wir heute gar nichts zustande.»

«Russland hat immer gesagt, der ‹grosse Bruder der Ukraine› zu sein. Sieht so brüderliche Liebe aus?»

Was geht in deinem Kopf vor?
Es wird gerade überall von diesem Krieg gesprochen. Ich fühle mich wie in einem Fiebertraum und der Gedanke an die momentane Situation in der Ukraine schmerzt mich. Das Traurige ist, dass es nicht nur um die Politik geht, sondern dass unschuldige Ukrainerinnen und Ukrainer leiden, weil jetzt plötzlich Krieg in ihrem Land herrscht. Russland stellte sich immer als «grossen Bruder» der Ukraine dar. Sieht so brüderliche Liebe aus?

Jenia Jost hat die ersten neun Jahre ihres Lebens in Mariupol, Ukraine verbracht. Hier geht's zu ihrer Geschichte.
Jenia Jost hat die ersten neun Jahre ihres Lebens in Mariupol, Ukraine verbracht. Hier geht's zu ihrer Geschichte. Bild: zvg

Wie geht es deinen Bekannten in der Ukraine?
Ich weiss es nicht. Zuletzt habe ich mit meinem Cousin und seiner kleinen Tochter telefoniert, das war vor zwei Tagen. Sie sagten, sie seien zwar nervös, hätten aber keine Angst – mehr nicht. Ich weiss nicht, ob er und seine Familie jetzt auf der Flucht sind. Die beste Freundin meiner Mutter, Vita, hat mir geschrieben, dass sie Knalle hört. Sie sitzt bei sich zu Hause in Mariupol. Sie denkt, es sei gar nicht so schrecklich, wie es in den Medien erzählt wird und meint, es komme alles gut.

>>> Die aktuellen Entwicklungen im Liveticker.

Was glaubst du?
Vita spricht immer Klartext. Ich glaube ihr, dass es vor Ort wohl weniger schlimm ist, als wir es aus der Distanz interpretieren.

Gleichzeitig kursieren auf Twitter Bilder, wie tausende Menschen flüchten oder Männer auf offener Strasse für die Armee eingezogen werden.
Genau. Wladimir Putin hat aber gesagt, dass die Zivilbevölkerung verschont bleibt.

Glaubst du das?
Ich glaube, es ist gut, wenn man jetzt abwartet und nicht gleich in Panik verfällt. In solchen Situationen ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, um logisch denken und handeln zu können.

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