«Andermatt» und «Bern» in der Strasse von Hormus – das steckt dahinter
Blockierte Öl-Tanker, Kriegsschiffe – und mittendrin die «Andermatt» und die «Bern». Reddit-Userinnen und -User wunderten sich am Mittwoch, was es mit den beiden Schiffen in der Strasse von Hormus auf sich hat. Zumal die Schiffsnamen auf den ersten Blick vermuten lassen, dass sie unter Schweizer Flagge unterwegs sind.
Belustigte Kommentare liessen nicht lange auf sich warten. Dass die Schweizer Kriegsmarine die Strasse von Hormus öffne, stehe jetzt nicht auf seiner 2026-Bingo-Karte, schreibt ein User. «Unsere Gebirgsmarine ist selbst in den Ozeanen erfolgreich», so ein anderer Kommentar.
Die Spur führt nach Griechenland
Doch was steckt tatsächlich dahinter? Die «Andermatt» ist ein Massengutfrachter und fährt nicht unter Schweizer, sondern unter liberianischer Flagge. Besitzerin ist die Imalia Management Co. Für operative Belange ist hingegen die Grehel Shipmanagement Co., eine Reederei mit Sitz in Griechenland, zuständig. «Mit einem disziplinierten Ansatz bei Wartung, Betrieb und Risikomanagement stellen wir sicher, dass jedes Schiff sicher, effizient und in voller Übereinstimmung mit den Vorschriften der Klassifikationsgesellschaft, der Flaggenstaaten und internationalen Bestimmungen betrieben wird», heisst es auf der Website.
Die Reederei verfügt laut eigenen Angaben über mehr als 30 Massengutschiffe. Offensichtlich sind Schweizer Ortsnamen hier Programm. Denn Grehel Shipmanagement verfügt nicht nur über die «Andermatt» und die «Bern», sondern auch über eine «Locarno», eine «Basel», eine «Zermatt», eine «Arosa», eine «Lucerne», ja sogar eine «Celerina», benannt nach dem Engadiner Dorf.
Die «Bern» und die «Andermatt» steuerten iranischen Hafen an
Doch was tun die «Bern» und die «Andermatt» in der Strasse von Hormus, die eigentlich blockiert ist? Die «Andermatt» befindet sich laut Schiffstrackern derzeit im Golf von Oman. Am 10. März ist sie demnach im iranischen Hafen Bandar Imam Khomeini eingelaufen, am 23. März verliess sie ihn wieder. Der letzte Halt war im Hafen Al Fujayrah in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Mittwoch. Am 30. April wird sie im Hafen Khor al Fakkan, ebenfalls in den Emiraten, erwartet.
Auch die «Bern», die im Gegensatz zur «Andermatt» unter der Flagge der Marshall Islands unterwegs ist, legte am 13. März im iranischen Hafen an und brach dort am 25. März wieder auf. Ihr Ziel ist ebenfalls ein Hafen in den Emiraten.
Wie BBC kürzlich berichtete, gilt die Blockade in der Strasse von Hormus nicht für alle. Während vor dem Kriegsausbruch täglich rund 140 Schiffe die Meeresenge passierten, sind dies nun lediglich rund sechs Schiffe pro Tag.
Die Analyse ergab, dass mehrere nicht-iranische Schiffe im Iran angedockt hatten, darunter auch solche von griechischen Unternehmen, die die Sanktionen einhalten würden – zur Erinnerung: Die Reederei der «Andermatt» und der «Bern» hat ihren Sitz in Griechenland. Eine Analyse von Lloyd's ergab, dass tatsächlich seit Kriegsausbruch ein paar wenige Massengüterschiffe durch die Strasse fuhren.
Frachter angegriffen
Ungefährlich ist das nicht. Schon rund 20 kommerzielle Schiffe wurden seit Kriegsausbruch im Gebiet angegriffen, darunter etwa die «Mayuree Naree», die unter thailändischer Flagge fuhr. Ausserdem soll der Iran Zölle für die Durchfahrt erheben, wie internationale Medien berichten. Laut Bloomberg hängt deren Höhe von verschiedenen Faktoren ab – etwa Waren, Crew-Liste und Nation.
