Schweiz
Satire

Iran-Krieg: Newt Gingrich fällt offenbar auf Satire-Artikel rein

Die neue Botschafterin der USA, Callista Gingrich, rechts, posiert mit ihrem Ehemann Newt Gingrich, ehemaliger Sprecher des Repraesentantenhauses, am Donnerstag, 23. Oktober 2025 vor dem Bundeshaus in ...
Die Botschafterin der USA in der Schweiz, Callista Gingrich, rechts, posiert mit ihrem Ehemann Newt Gingrich vor dem Bundeshaus in Bern.Bild: keystone

«Sprengen uns einen Kanal» – Mann von US-Botschafterin in Bern sorgt für Stirnrunzeln

Der US-amerikanische Politiker Newt Gingrich teilte auf X einen Satireartikel mit der Idee, einen neuen Kanal mithilfe von Atomwaffen zu sprengen – und scheint ihn ernst zu nehmen.
16.03.2026, 14:3516.03.2026, 15:30

Newt Gingrich, Ehemann der US-Botschafterin in Bern und ehemaliger Sprecher des US-Repräsentantenhauses, sorgt auf X für Irritationen. Er teilte einen Artikel mit der Idee, einen neuen Kanal zur Umgehung der Strasse von Hormus zu schaffen, und zitierte ihn, als handle es sich um einen ernst gemeinten Vorschlag. Der Artikel selbst ist jedoch Satire, wie ein Satz am Ende deutlich macht:

«Die oben geäusserten Ansichten entsprechen nicht unbedingt denen von Menschen, die über Hirnzellen verfügen.»

Der Artikel des Medienunternehmens «China Talk» richtet sich in satirischem Ton direkt an den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Autor und «China Talk»-Gründer Jordan Schneider präsentiert darin einen angeblichen Lösungsvorschlag für den aktuellen Öl-Engpass, der durch den nahezu zum Erliegen gekommenen Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus verursacht wird.

Der Vorschlag erfordere keine Hilfe aus China, «keinen einzigen Anruf bei Xi». Umsetzen könne die Idee allein Donald Trump, schreibt Schneider, da nur er über die nötige Vision und das entsprechende Arsenal verfüge. Die – offensichtlich nicht ernst gemeinte – Lösung lautet:

«Wir sprengen uns einen Kanal – mit Atomwaffen.»

Gingrich teilt Satireartikel auf X

Newt Gingrich zitiert daraufhin eine Passage des Artikels auf seinem X-Account. Er schreibt:

«Anstatt uns endlos um einen 21 Meilen breiten Engpass zu streiten, bahnen wir uns einen neuen Kanal durch befreundetes Gebiet. Ein Dutzend thermonukleare Sprengungen, und schon hat man eine Wasserstrasse, die breiter als der Panamakanal, tiefer als der Suezkanal und vor iranischen Angriffen sicher ist.»

Schneider geht in seinem Artikel auch auf mögliche Risiken und Einwände ein, die seiner Darstellung nach vom «woken Deep State» vorgebracht würden. Auch hier ist der satirische Ton deutlich erkennbar. Zu den möglichen Umweltauswirkungen schreibt er etwa, iranisches Öl laufe ohnehin überall aus und Tanker stünden in Flammen. Strahlung bezeichnet er als «übertriebenste linke Verschwörung seit dem Klimawandel». Zudem würde das «Nachglühen» angeblich dafür sorgen, dass der Iran in der Nähe des neuen Kanals nichts unternehmen könne.

Hegseths Chef Trump sei ein Bauherr, schreibt Schneider weiter. Er wolle ein Band durchschneiden und folgenden Lauftext auf Fox sehen: «TRUMP-KANAL ERÖFFNET – DER GRÖSSTE DER MENSCHHEITSGESCHICHTE.» Sollte Hegseth Trump diese Schlagzeile geben, würde er den Krieg gewinnen und seinen Job behalten.

KEYPIX - President Donald Trump speaks to reporters as Defense Secretary Pete Hegseth listens while traveling aboard Air Force One en route from Dover Air Force Base, Del., to Miami, Saturday, March 7 ...
Der Satireartikel gibt Pete Hegseth (r.) Tipps, wie er es schafft, von Trump (l.) nicht gefeuert zu werden.Bild: keystone

Gingrich äusserte sich bislang nicht zu seinem X-Beitrag. Dass es sich um Satire handelt, sollte nun jedoch auch ihm klar sein – zahlreiche Userinnen und User machten in den Kommentaren darauf aufmerksam. Schneider jedenfalls greift Gingrichs Post in seinem Artikel auf und schreibt am Ende:

«Update: von Newt genehmigt.»
Satire-Artikel China Talk
Das schreibt Jordan Schneider am Ende seines Satireartikels.screenshot china talk

Das Onlinemedium «China Talk» bietet laut eigener Aussage «umfassende Berichterstattung zu den Themen Technologie, China und US-Politik». Dazu würden eigene Analysen sowie Interviews gehören – und offenbar auch satirische Inhalte.

Newt Gingrich war von 1979 bis 1999 republikanischer Kongressabgeordneter des US-Bundesstaates Georgia und von 1995 bis 1999 Sprecher des Repräsentantenhauses. Er ist seit 2000 mit Callista Gingrich verheiratet, die seit einigen Monaten US-Botschafterin in der Schweiz und Liechtenstein ist. Eine Anfrage an die US-Botschaft in Bern zum Post von Gingrich steht aus.

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quelle: keystone / altaf qadri
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23 Kommentare
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MaLiMaRe
16.03.2026 15:20registriert August 2025
Fairerweise muss man auch sagen: es ist gar nicht so einfach, Satire und Trump-Aussagen auseinanderzuhalten. So manches, das sich wie klassische Satire anhört, ist es leider gar nicht.
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stevensplace
16.03.2026 15:13registriert März 2020
Die ganze US Administration, inklusive ihres Botschafts-Personal, scheint dem Irrenhaus entsprungen.
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Wollschaf
16.03.2026 14:58registriert Mai 2024
Ende der 1950er Jahre entstand der Ausdruck

"Ugly American"...

die Denkweise vom Ehemann der amerikanischen Botschafterin ist leider ein trauriger Beweis dafür, dass der immer noch gilt.
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