Nahostkrieg sorgt für Börsen-Verluste auf breiter Front – Panik bleibt aber aus
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran sorgt zum Wochenstart für Kursverluste an den wichtigsten Börsenplätzen weltweit. Für den hiesigen Leitindex SMI geht es im frühen Handel allerdings nicht ganz so stark abwärts wie für seine wichtigsten europäischen Pendants. Als Stütze erweist sich hierzulande das defensive Schwergewicht Nestlé. Auch sonst sind «sichere Häfen» wie Gold und der Schweizer Franken gesucht.
Am Samstag hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das iranische Staatsoberhaupt, den Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei, getötet. Teheran reagierte seinerseits mit Angriffen auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion.
Wie die VP Bank schreibt, sei die Lage unübersichtlich. «Ob es sich um einen kürzeren oder längeren Konflikt handelt, bleibt gegenwärtig nur schwer einschätzbar.» Fakt sei, dass die Ölpreise aufgrund befürchteter Lieferverzögerungen durch eine Blockade der Strasse von Hormus bereits gestiegen seien.
Alle Indizes geben nach
Der SMI verliert gegen 09.20 Uhr 2,0 Prozent auf 13'730 Punkte. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte fällt um 1,8 Prozent auf 3097 und der breite SPI um 1,9 Prozent auf 18'885 Zähler.
Die grössten Abgaben verbuchen unter den Blue Chips Richemont (-4,9 Prozent). Geopolitische Unsicherheiten treffen Hersteller von Luxusgütern oft stärker, da sie die Nachfrage belasten. Auch Branchenkollege Swatch (-5,0 Prozent) muss klar Federn lassen. Daneben kippen Investoren vor allem Finanzwerte wie die UBS, Julius Bär und Partners Group aus den Depots, wie die Abgaben von bis zu 4,1 Prozent zeigen.
Gegen den Trend gewinnen neben dem unveränderten Schwergewicht Nestlé vor allem Kühne+Nagel mit einem Plus von 1,1 Prozent überdurchschnittlich stark hinzu. Das schwierige Umfeld könnte die Frachtgebühren nach oben treiben.
Es ist primär dem Schwergewicht Nestlé zu verdanken, dass sich der SMI etwas besser hält als etwa der deutsche DAX oder der französische CAC-40, die jeweils klar mehr als 2 Prozent absacken. Für die Wall Street deuten die Futures aktuell Abgaben von mehr als einem Prozent an.
Ölpreis unter Druck
Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat zudem den Ölpreis am Montag stark nach oben getrieben. Die Nordseesorte Brent-Öl erreichte in der Spitze bei 82,37 US-Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl bei 75,33 Dollar den höchsten Stand seit Juni 2025.
Allerdings sind die Preise mittlerweile wieder etwas gesunken. Der Preis je Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April lag nur noch um gut fünf Dollar oder etwa 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um mehr als vier Dollar auf 71,52 Dollar zu.
Die Staaten des Ölkartells Opec+ hatten am Sonntag allerdings beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern. Gemäss Ökonomen haben sie aber nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen. Für Europa inklusive Schweiz gilt ein länger anhaltend hoher Ölpreis entsprechend als Inflationsrisiko und möglicher Wachstumsdämpfer.
In den kommenden Tagen und Wochen dürfte der Ölpreis weiter ansteigen. «Mit den Vergeltungsmassnahmen, die sich nun zu Angriffen auf Öltanker in der Strasse von Hormus entwickeln, ist die Bedrohung für die Ölversorgung erheblich gestiegen», schrieb ANZ-Analyst Daniel Hynes in einer Notiz. Die Experten der Citigroup erwarten, dass der Brent-Preis in dieser Woche zwischen 80 und 90 Dollar pro Barrel gehandelt wird. (pre/sda)
