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Iran-Israel: Reaktionen der Länder im Nahen und Mittleren Osten

epa11157869 French President Emmanuel Macron (C) greets King of Jordan Abdullah II (L) upon his arrival at the Elysee Palace in Paris, France, 16 February 2024. EPA/YOAN VALAT
Der jordanische König Abdullah II. (hier bei einem Treffen mit Emmanuel Macron) muss hohes diplomatisches Geschick beweisen.Bild: keystone

Wie der Nahe Osten auf den iranischen Angriff reagiert – die Übersicht

Beim Angriff der Revolutionsgarden auf Israel schoss Jordanien mehrere iranische Drohnen ab, Ägypten und Saudi-Arabien riefen zur Deeskalation auf. Die Positionen der Länder im Nahen und Mittleren Osten im Überblick.
15.04.2024, 16:4915.04.2024, 17:20
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Über 300 Raketen und Drohnen feuerten die Revolutionsgarden der Islamischen Republik Iran in der Samstagnacht Richtung Israel ab. Es war der erste direkte Angriff des Regimes auf den erklärten Erzfeind überhaupt.

Doch der Angriff hatte mehr symbolische als physische Wirkung. Israels Luftabwehrsystem wurde mit einem Grossteil der Raketen und Drohnen fertig (laut offiziellen Angaben sollen 99 Prozent der abgeschossenen Sprengkörper bereits am Himmel ausgeschaltet worden sein). Zu Schäden kam es nur vereinzelt.

Zu verdanken hat das Land die hervorragende Abwehrquote aber nicht nur der eigenen Technologie. Zahlreiche Verbündete griffen Israel unter die Arme. So haben beispielsweise US- und britische Einheiten bei der Raketenabwehr mitgeholfen. Auch Frankreich soll beteiligt gewesen sein.

Videos zeigen: Auch abgefangene iranische Geschosse sind noch gefährlich

Video: watson/Lucas Zollinger

Doch nicht nur die westlichen Verbündeten intervenierten. Viele Länder des Nahen und Mittleren Ostens bezogen Stellung. Ein Überblick:

Ägypten

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grafik: julia neukomm

Ägypten war während des Angriffs auf Israel weder an offensiven noch an defensiven Massnahmen beteiligt.

Das ägyptische Aussenministerium plädierte für maximale Zurückhaltung in dem Konflikt. Aussenminister Samih Schukri telefonierte mit seinen israelischen und iranischen Amtskollegen und rief sie dazu auf, «äusserste Selbstbeherrschung zu üben und von Provokationen abzusehen, die die Spannungen und die Instabilität in der Region erhöhen würden». Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Irak

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Die Drohnen überflogen auf dem Weg von Iran nach Israel auch irakisches Territorium. Auch aus dem Irak selbst wurden Geschosse abgefeuert, wie die BBC berichtet – dahinter stecken pro-iranische Milizen.

Auf der Plattform X liess der irakische Premierminister Mohammed al-Sudani mitteilen:

«Iran ist ein Nachbarland und wir haben gemeinsame Interessen mit ihm. Amerika ist ein strategischer Verbündeter und unsere Beziehung ist wichtig. Die Beziehung zu Iran und zu den Vereinigten Staaten ist für den Irak von Vorteil und kann zum Spannungsabbau eingesetzt werden, was bei allen Krisen in der Region der Fall war.»

Der Irak soll sowohl Iran als auch die Vereinigten Staaten gebeten haben, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, wie Reuters schreibt. Der irakische Premierminister besucht heute zum ersten Mal in seiner Amtszeit Washington, D.C. und wird dort auch Präsident Biden treffen.

Das westliche Nachbarland Irans unterhält keine diplomatischen Beziehungen mit Israel. Wie sein Nachbarland hat auch der Irak eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung. Nach dem Sturz der säkularen sunnitischen Regierung Saddam Husseins verbesserte sich die Beziehung der beiden Länder. Im Irak sind ausserdem pro-iranische Milizen aktiv, die auch schon US-Militärbasen in der Region angriffen.

Jordanien

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Insbesondere das östliche Nachbarland Israels soll ebenfalls Dutzende Sprengkörper aus dem Verkehr gezogen haben, als diese via eigenen Luftraum gen Israel unterwegs waren.

Jordanien öffnete seinen Luftraum für US-amerikanische und sogar israelische Flugzeuge, um ihnen den Abschuss iranischer Drohnen zu ermöglichen.

Das Land rechtfertigte laut «Focus» die militärische Unterstützung Israels u. a. damit, dass es gegen eine Bedrohung der eigenen Sicherheit vorgegangen sei:

«Einige Objekte, die vergangene Nacht in unseren Luftraum eingedrungen sind, wurden abgefangen, weil sie eine Gefahr für unsere Bevölkerung und dicht bewohnte Gebiete darstellten. Teile (der abgeschossenen Objekte) fielen auf unser Staatsgebiet, ohne nennenswerten Schaden anzurichten.»

Die jordanische Unterstützung Israels ist für das Land innenpolitisch heikel. Rund ein Fünftel der Bevölkerung hat palästinensische Herkunft, darunter auch die jordanische Königin Rania. Der Unmut über das israelische Vorgehen im Gazastreifen ist in Jordanien gross. Immer wieder kommt es zu Demonstrationen. Dabei arbeitet das Land eng mit Israel zusammen, wacht etwa über die Al-Aqsa-Moschee und den Tempelberg in Jerusalem.

Libanon

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Im Zuge des Angriffs der Islamischen Republik auf Israel attackierte die im Libanon ansässige Terrororganisation Hisbollah auch eine israelische Militärbasis auf den Golanhöhen, wie die BBC berichtet. Diese gehören völkerrechtlich zu Syrien, wurden aber von Israel annektiert.

Die Hisbollah gratulierte dem Regime in Iran zum Angriff, wie die Washington Post schreibt.

Offiziell befinden sich Israel und der Libanon noch immer im Kriegszustand. Vor allem im Süden des Libanon operiert auch die Terrororganisation Hisbollah. Sie gehört zu den wichtigsten Verbündeten des schiitisch-islamistischen Regimes in Teheran.

Palästina

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Aus Palästina gab es keine militärische Unterstützung für den Angriff der Revolutionsgarden auf Israel.

Die Hamas stellte sich jedoch auf die Seite Teherans und nannte den Angriff auf Israel «ein natürliches Recht und eine verdiente Antwort», wie der Guardian berichtet.

Ein Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde, die Teile des Westjordanlands kontrolliert, sagte laut «Guardian» hingegen:

«Vorhang auf für das gesichtswahrende Theaterstück ... Das palästinensische Volk ist das einzige, das den Preis mit seinem Fleisch und Blut bezahlt.»

Saudi-Arabien

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Das Land könnte eine indirekte Rolle bei der Raketenabwehr gespielt haben. Denn es beherbergt westliche Luftverteidigungssysteme, Luftüberwachung und die Möglichkeit, Flugzeuge aufzutanken, wie Focus schreibt.

Saudi-Arabien sprach sich gegen den Angriff aus. Das Land wandte sich an den UN-Sicherheitsrat und appellierte «an alle Seiten, äusserste Zurückhaltung zu üben und die Region und ihre Völker vor den Gefahren eines Krieges zu bewahren».

Das sunnitische Königreich gilt als Erzfeind der Islamischen Republik. Unter chinesischer Vermittlung kam es zwar zu einer Wiederannäherung und der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Diese waren 2016 ausgesetzt worden.

Syrien

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Auch von Syrien aus wurden Geschosse auf Israel abgefeuert, wie die BBC schreibt. Die beiden Länder befinden sich offiziell im Kriegszustand. Das Regime in Teheran gehört zu den wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

Die amerikanischen Streitkräfte schossen iranische Drohnen auf dem Weg nach Israel bereits über dem Süden Syriens nahe der Grenze zu Jordanien ab, wie die BBC weiter berichtet.

Die Revolutionsgarden der Islamischen Republik Iran sind schon seit längerem präsent in Syrien, operieren von dort aus und bedrohen Israel.

Türkei

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grafik: julia neukomm

Iran informierte die Türkei laut Reuters bereits im Voraus über den geplanten Angriff auf Israel. Die Türkei beteiligte sich weder auf der iranischen noch auf der israelischen Seite militärisch.

Die Türkei hatte den mutmasslich israelischen Angriff auf das iranische Konsulat in Syrien verurteilt. Nach dem iranischen Angriff hiess es weiter, die Türkei wolle keine weitere Eskalation in der Region. Dies sagte der türkische Aussenminister Hakan Fidan dem iranischen Aussenminister Hossein Amirabdollahian auch in einem Telefonat am Sonntag, wie die Times of Israel schreibt.

Die Türkei und Israel unterhalten diplomatische Beziehungen. Die türkische Regierung kritisierte das israelische Vorgehen im Gazastreifen scharf und sprach sich für die Hamas aus, wie die «Times of Israel» weiter schreibt.


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Dieses Bild wurde von Farsnews am 9. März 2016 veröffentlicht. Farsnews ist offiziell unabhängig, gilt aber als unter dem Einfluss der Revolutionsgarde stehend. Weder Ort noch Zeit der Aufnahme lassen sich verifizieren.
quelle: x80001 / handout
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Video: watson
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