Verlust zweier US-Kampfjets: Was wir wissen – und was nicht
Was ist passiert?
Die USA haben am selben Tag zwei Kampfjets verloren: Ein F-15E-Jagdflugzeug ist nach Angaben der US-Regierung über iranischem Gebiet von iranischen Streitkräften abgeschossen worden. An Bord befanden sich zwei Crewmitglieder: Ein Pilot konnte auf iranischem Boden geborgen werden, das zweite Besatzungsmitglied wird noch vermisst. Derzeit gibt es keine Details zum exakten Absturzhergang oder dem Ort des Absturzes. Bei der Rettungsaktion wurden jedoch zwei Black-Hawk-Helikopter vom Iran getroffen.
Das zweite Flugzeug vom Typ A-10 Warthog (Warzenschwein) stürzte in der Nähe des Persischen Golfs ab. Der Pilot konnte sich per Schleudersitz retten, landete auf iranischem Staatsgebiet und wurde in Sicherheit gebracht. Unklar ist, ob der Absturz durch feindliches Feuer oder einen technischen Defekt verursacht wurde. Iranische Staatsmedien behaupten, die Maschine sei von iranischen Luftabwehrsystemen getroffen worden.
Welche Folgen haben die Abstürze?
Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines abgeschossenen Kampfjets im Iran ist für die USA einer Expertin zufolge eine «kritische Mission», die die Haltung der US-Bevölkerung zum Krieg massgeblich beeinflussen könnte. Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das «ein grosser Gewinn» für Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC.
Der Iran hätte dann ein «sehr starkes Druckmittel». Staatsnahe Sender im Iran haben dazu aufgerufen, nach dem vermissten Besatzungsmitglied zu suchen. Berichten zufolge wurde auch eine Belohnung für das lebende Ergreifen ausgeschrieben. Das Kopfgeld soll bis zu 100'000 US-Dollar, also knapp 80'000 Franken betragen. Gesucht wird in der Provinz Kohgiluye und Boyer Ahmad.
Die Vorfälle zeigen, dass der Iran trotz monatelanger Luftoffensive der USA und Israels weiterhin militärisch dazu in der Lage ist, den Angreifern gefährlich zu werden. Diese Entwicklung setzt Präsident Trump unter Druck, der wiederholt die Luftüberlegenheit der US-Streitkräfte und die weitgehende Neutralisierung iranischer Luft- und Raketenabwehr betont hatte.
Gleichzeitig ereignen sich die Vorfälle parallel zu schwierigen Verhandlungen: Donald Trump erklärte jedoch, die Vorfälle hätten keinen Einfluss auf mögliche Verhandlungen mit Iran. «Nein, überhaupt nicht. Es ist Krieg», sagte er laut NBC News in einem kurzen Telefoninterview.
Was macht Israel?
Gemäss Medienberichten hat Israel bisher noch nicht öffentlich bekannt gegeben, ob man sich an der Suche nach dem Vermissten beteiligt. Wie die New York Times berichtet, sollen jedoch Angriffe in der Region, wo gesucht wird, eingestellt worden sein. Zudem würden Informationen ausgetauscht.
Die offenen Fragen
Nebst der Frage, wie es überhaupt zu den Abstürzen kam und wo sie sich ereignet haben, ist auch unklar, ob das vermisste Besatzungsmitglied überhaupt am Leben ist. Es ist schwer, an sichere Informationen zu gelangen. So soll laut BBC das Gerücht kursiert sein, dass der Vermisste mittlerweile verhaftet worden sei. Der Iran dementierte dies später jedoch. Gleichzeitig wird aber auch dementiert, dass der Pilot von den USA auf iranischem Boden gerettet werden konnte. Es handle sich bei den Angaben um Taktik des Feindes, wie der Gouverneur der Provinz Kohgiluye und Boyer Ahmad erklärte.
Auch wie es weitergeht, sollte der Vermisste vom Iran gefunden werden, ist unklar. Falls die Gefangennahme geheim bleibe, könnte der Iran hinter verschlossenen Türen mit den USA verhandeln und Zugeständnisse einfordern, sagt Hamidreza Azizi, Experte für iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, zur «New York Times».
Oder der Gefangene könnte öffentlich vor Kameras präsentiert werden - das hält der Experte für wahrscheinlicher: «Sie wollen unbedingt dieses Bild eines Sieges vermitteln und zugleich Trump demütigen.»
(Mit Material der SDA und DPA)
