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International
Israel

14 Verletzte bei Explosionen an Bushaltestellen in Jerusalem

1 toter Jugendlicher und 18 Verletzte bei Explosionen an Bushaltestellen in Jerusalem

23.11.2022, 08:0923.11.2022, 17:59

Bei Bombenanschlägen an zwei Bushaltestellen im Grossraum Jerusalem sind ein Jugendlicher getötet und mindestens 18 weitere Menschen verletzt worden.

epa10321718 Israeli security forces stand at site of explosion at a bus stop near entrance to Jerusalem, Israel, 23 November 2022. According to Israeli police, at least 12 people were injured in two e ...
Der Tatort in JerusalemBild: keystone

Darunter sind mehrere Schwerverletzte, wie der israelische Rettungsdienst Magen David Adom am Mittwoch mitteilte. Die Polizei sprach vom Verdacht auf einen kombinierten Anschlag. «Dieser Vorfall ist anders als das, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben», teilte der scheidende Ministerpräsident Jair Lapid nach einer Dringlichkeitssitzung mit der Polizei- und Militärspitze mit. Man werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Seit Jahren war es in Jerusalem nicht mehr zu einem vergleichbaren Anschlag mit Sprengsätzen gekommen.

Die erste Explosion ereignete sich am frühen Morgen an einer Haltestelle am Stadtrand. Dabei wurden ein 16-Jähriger getötet sowie elf Menschen verletzt. Kurz darauf kam es zu einer weiteren Explosion mit mindestens sieben Verletzten an einer Haltestelle in Ramot nördlich der Stadt. Medienberichten zufolge gibt es Hinweise darauf, dass die Sprengsätze aus der Ferne gezündet wurden. Um möglichst viele Opfer zu verursachen, sollen diese demnach mit Nägeln und Schrauben gefüllt gewesen sein.

Verdächtige werden noch versucht

Die Suche nach Verdächtigen laufe, teilte die Polizei mit und erhöhte ihre Alarmbereitschaft. Polizeikommissar Jaakov Schabtai rief zu mehr Wachsamkeit auf. Verdächtige Objekte sollten gemeldet und nicht berührt werden. Lapid kündigte an, die Zahl der Sicherheitskräfte im Raum Jerusalem in den kommenden Tagen zu erhöhen.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu den Anschlägen. Die im Gazastreifen herrschende Palästinenserorganisation Hamas lobte sie jedoch in einer Mitteilung als «heldenhafte Operation». Sie seien «das Ergebnis der anhaltenden Verbrechen der Besatzung und der Siedler gegen Palästinenser».

Jerusalem war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Schauplatz schwerer Anschläge auch auf Passagierbusse gewesen - insbesondere während der zweiten Intifada zwischen 2000 und 2005. Zuletzt wurden 2016 bei einem Bombenanschlag auf einen Bus in Jerusalem 21 Menschen verletzt. Im Jahr 2011 wurden zudem zwei Menschen durch einen Sprengsatz in einem Rucksack an einer Bushaltestelle getötet.

Rechtsextremer Politiker fordert gezielte Tötungen

Israels designierter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach einer Besprechung mit Lapid: «Wir haben mit mörderischem Terror zu kämpfen, der wieder sein Haupt erhebt. Wir werden alles tun, um die Sicherheit aller Bürger Israels schnell wiederherzustellen.» Derzeit laufen in Israel Koalitionsgespräche.

Der rechtsextreme Politiker Itamar Ben-Gvir - der in der neuen Regierung den Posten des Ministers für innere Sicherheit anstrebt - forderte am Mittwoch unter anderem eine Rückkehr zu gezielten Tötungen und eine Verschärfung der Haftbedingungen für militante Palästinenser in Israel. Die Verantwortlichen müssten einen «Preis für den Terror» zahlen.

In diesem Jahr starben bereits mindestens 26 Menschen durch Anschläge in Israel, Ost-Jerusalem und dem Westjordanland, darunter auch mehrere Soldaten und Sicherheitskräfte. Zuletzt wurden vergangene Woche bei einem Anschlag nahe einer israelischen Siedlerstadt im Westjordanland drei israelische Männer getötet. Ein 18-jähriger Palästinenser hatte dem Militär zufolge an zwei Orten mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen.

Israel unternimmt mehr Razzien

Seit Beginn einer Terrorwelle im Frühjahr unternimmt Israels Armee im besetzten Westjordanland auch vermehrt Razzien. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Ramallah starben dieses Jahr mehr als 140 Palästinenser in Zusammenhang mit Militäreinsätzen, bei Zusammenstössen oder eigenen Anschlägen.

Für Aufsehen sorgten am Mittwoch zudem Berichte über die Entführung der Leiche eines israelischen Staatsbürgers aus einem Krankenhaus in der Palästinenserstadt Dschenin. Es war unklar, ob der junge Mann zum Zeitpunkt der Entführung noch lebte oder nicht. Das Militär hatte am Mittwochmorgen mitgeteilt, der 18-jährige Zivilist sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Später wurden aber Vorwürfe der Familie laut, denen zufolge die Entführer den jungen Mann von einem Beatmungsgerät abgetrennt und anschliessend seinen Körper mitgenommen hätten. Lapid kündigte an, dass die Entführer einen hohen Preis zahlen würden, wenn die Leiche nicht zurückgebracht werde. Die Stadt Dschenin gilt als eine Hochburg militanter Palästinenser. (saw/sda/dpa)

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