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Quallenplage im Mittelmeer: 4 Punkte, die du wissen musst

«So eine Quallen-Suppe habe ich noch nie gesehen»: 4 Punkte zur Quallenplage im Mittelmeer

13.07.2022, 11:3213.07.2022, 15:08
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Quallen bereiten an diversen Badeorten am Mittelmeer Sorgen. An manchen Stränden herrscht eine regelrechte Quallenplage. Wo das ist – und was dagegen getan wird:

Wo häufen sich die Quallen?

Vor allem Badeorte in Italien und Frankreich melden ein immer grösseres Aufkommen von Quallen vor ihren Stränden.

In Italien ist besonders die Obere Adria rund um Triest betroffen. An der Küste gab es im April eine regelrechte Quallenblüte: In Schwärmen von Zigtausenden bevölkerte die Lungenqualle – eine der grössten Arten im Mittelmeer – die Küste des Golfs von Triest. Das Phänomen war auch im letzten Jahr zu beobachten.

Auch an der ionische Küste Italiens sind die Quallen für Badegäste zur Plage geworden. Besonders betroffen davon sind die Ferienorte Lecce und Salento.

Betroffen ist auch der Süden Italiens: An der berühmten Amalfiküste melden Behörden ebenfalls ein vermehrtes Aufkommen der Quallen.

Auch Frankreichs Badestrände sehen sich mit der Qualleninvasion konfrontiert. Betroffen sind diverse Strände auf der Insel Korsika und Badeorte an der berühmten Côte d’Azur.

Wieso gibt es jetzt so viele?

Die Ausbreitung der Leuchtqualle ist gemäss Biologen auf mehrere Faktoren zurückzuführen. «Um die Wahrheit zu sagen, verzeichnen wir seit einigen Jahren eine Zunahme der Präsenz dieser Art, die wir nun fast das ganze Jahr über im Golf von Triest beobachten können», sagt Valentina Tirelli, Forscherin am OGS.

Wegen der Klimaerwärmung steigt auch die Wassertemperatur. Diese erreicht mittlerweile fast jedes Jahr neue Rekordwerte. Im Mittelmeer sind schon jetzt Werte über dem saisonalen Durchschnitt verzeichnet worden. Durch Satellitendaten konnte festgestellt werden, dass sich seit Mai eine marine Hitzewelle über das Mittelmeer ausbreitet. Im Ligurischen Meer und später im Golf von Tarent liegt die Temperatur bereits +5 °C über dem Durchschnitt. Die Quallen treten so früher auf und es folgt eine Verlängerung der Fortpflanzungszeit.

Ein weiterer Faktor ist der Rückgang der Fischpopulation, wie Ferdinando Boero, Zoologe an der Universität Salento in Lecce, sagt. Durch die industrielle Fischerei hat die Fischpopulation stark abgenommen. Quallen und Fische ernähren sich von denselben Mikroorganismen. Die Quallen haben dadurch weniger Konkurrenz und somit mehr Platz und vermehren sich. Aber auch Boero ist überrascht von der Menge der Quellen: «So eine Quallen-Suppe habe ich noch nie gesehen», meint der Zoologe.

Was wird dagegen unternommen?

Seit Juli 2019 gibt es die App avvistAPP, die bei der Zählung der Quallen hilft. Nutzer können ein Foto der Quallenschwärme hochladen und melden diese so gleich der Behörde. Die Daten werden dann analysiert und öffentlich gemacht. Die Beiträge der Bürgerinnen und Bürger sind entscheidend für die Beobachtung. So können Daten erstellt werden, um die Vermehrung zu analysieren.

Für die Betreiber der Badeanstalten stellt die Häufung der Quallen ein Problem dar. Mit Booten, Netzen und dem Einsatz von Rettungsschwimmern versucht man, Teile des Meeres von den Quallen zu befreien. Allerdings hat (bisher) nichts zur Verbesserung der Situation beigetragen. Die Behörden hoffen, dass sich die Situation durch die Änderung der Wasserströmung verbessert. Die Quallen würden so wieder ins Meer getrieben. Ansonsten bleibt ihnen bislang nur die Hoffnung.

Sind die Quallen gefährlich?

Quallenplage im Mittelmeer, 2022: Rhizostome Quallen (Rhizostoma octopus) im Hafen von Triest.
Quallen am Hafen von Triest, Italien. Bild: shutterstock

Bei den meisten Quallen handelt es sich um die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), auch Feuerqualle genannt. Die Tentakel der Qualle kann die Haut durchdringen. Das Nesselgift löst eine sofortige Reaktion aus. Es ist nicht lebensgefährlich, aber schmerzhaft.

Die Haut errötet an der betroffenen Stelle und es kann zu Juckreiz führen. In wenigen Fällen kann es zu Übelkeit, Erbrechen und starken Kopfschmerzen kommen. Der Tentakel sollte sofort von der Haut entfernt werden. Das Gift kann mit einer Magnesiumsulfatlösung neutralisiert und die Beschwerden gelindert werden.

Besonders an der oberen Adria treten Lungenquallen (Rhizostoma pulmo) auf. Die Lungenqualle ist für den Menschen ungefährlich und führt nur in Ausnahmefällen zu einem Unwohlsein. (lab)

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57 Kommentare
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Bero
13.07.2022 12:07registriert April 2019
Naja… man könnte natürlich auch versuchen, dass Problem der Überfischung anzugehen… aber das machen wir wohl erst, wenn es keine Fische mehr gibt…
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superbock
13.07.2022 11:55registriert September 2016
Hi, I'm Johnny Knoxville and this is jellyfish soup diving!
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Solo_Sole
13.07.2022 13:37registriert Januar 2022
Natürlich würden Meeresschildkröten Quallen fressen, doch leider sind auch diese Tiere am aussterben, dank Plastikmüll (Säcke die für Quallen gehalten und gefressen werden) und Geisternetzen, in denen sie sich verheddern und qualvoll ertrinken...

Einfach nur eine Schande, wie unser Planet regelrecht ausgeweidet wird!
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