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Schweizer Hobby-Filmer: Seilbahn von Stresa könnte seit Jahren manipuliert worden sein

Seilbahnunglück bei Stresa

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Seilbahnunglück bei Stresa
Die Gondel der Stresa-Mottarone-Seilbahn wurde beim Absturz zerschmettert. Es befanden sich 15 Personen darin.
quelle: keystone
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Schweizer Hobby-Filmer: Seilbahn von Stresa könnte seit Jahren manipuliert worden sein

Die Seilbahn am Lago Maggiore könnte seit Jahren manipuliert worden sein. Dies legen Videoaufnahmen eines Schweizer Hobbyfilmers nahe.
01.06.2021, 18:0201.06.2021, 22:15

Die mit 15 Menschen besetzte Gondel in Stresa am Lago Maggiore stürzte kurz vor der Bergstation in die Tiefe, weil das Zugseil der Gondel aus bislang ungeklärter Ursache riss und ein deaktiviertes Notbremssystem am Tragseil nicht griff. Die Kabine raste talwärts, krachte gegen eine Stütze, sprang aus der Verankerung und zerschellte schliesslich an dem steilen, bewaldeten Hang.

Nur ein kleiner Junge überlebte das Unglück. Seine Eltern, sein Bruder und seine Urgrosseltern starben. Wenige Tage nach dem Absturz wurden in einer nächtlichen Aktion drei Männer festgenommen. Es handelte sich um den Chef der Seilbahngesellschaft sowie zwei leitende Mitarbeiter. Die ermittelnde Staatsanwältin sowie die Untersuchungsrichterin in der Gemeinde Verbania verhörten die Männer.

Der Verdacht der Ermittler: An der Gondel wurde mit Hilfe einer Klammer das Greifen der Notbremse verhindert, weil es vorher immer wieder zu Störungen im Betrieb der Seilbahn gekommen war. Die Klammer darf eigentlich nur zu Wartungszwecken, aber niemals im Normalbetrieb verwendet werden, hiess es von der Firma Leitner, die gemäss eines Vertrages für Wartungen an der Seilbahn Stresa-Monte Mottarone zuständig ist.

Wurde die Unglücks-Seilbahn seit Jahren manipuliert?

Wie das ZDF nun berichtet, könnten die Notbremsen der Gondeln bereits seit Jahren manipuliert worden sein. Dies legen zumindest Videoaufnahmen eines Schweizer Hobbyfilmers nahe.

Der Hobbyfilmer und Seilbahn-Fan Michael Meier nahm aus technischem Interesse die Anlage in den Jahren 2014, 2016 und 2018 auf. Auf allen drei Videos seien die Klammern (ital. Forchettone) zu erkennen, welche eigentlich nur für Wartungszwecke der Bahn bestimmt sind. Meier lud auf Youtube einen Zusammenschnitt der entsprechenden Stellen hoch – das ZDF nahm daraufhin Kontakt mit ihm auf.

Das Video:

Michael Meier zeigt die entsprechenden Bilder. Sind hier die Klammern zu sehen?Video: YouTube/Stahlseil

Der Hobbyfilmer sagte gegenüber dem ZDF, dass er nach dem Unglück am Pfingstsonntag sein Material erneut durchging und die Klammern entdeckte: «Mir ist dann aufgefallen, dass auf diesen Fotos diese Forchettone schon zu sehen sind. Schon im Jahr 2014 wurden diese Forchettone mit Personen in der Kabine eingesetzt.»

Hier zeigt Meier seinen Verdacht:

Michael Meier zeigt die entsprechenden Bilder. Sind hier die Klammern zu sehen?
Michael Meier zeigt die entsprechenden Bilder. Sind hier die Klammern zu sehen?screenshot: zdf

Schweizer Seilbahn-Experte gibt Hobbyfilmer Recht

Das ZDF wollte dem genauer nachgehen und fragte beim Schweizer Seilbahn-Experte Gabor Oplatka nach. Dieser leitete über viele Jahre den Bereich Seilbahntechnik an der ETH Zürich. Sein Schluss:

«Offensichtlich hat man das praktiziert. Und bis jetzt Glück gehabt, weil ein Zugsachschaden ja relativ selten vorkommt.»

Der hauptverdächtige Techniker räumte ein, im April und Mai 2021 diese Klammern eingesetzt zu haben – die Fangbremse habe seit der Wiederinbetriebnahme am 26. April Probleme bereitet. Das ZDF überreichte die Videoaufnahmen dem Büro der zuständigen Staatsanwaltschaft, sie will diese nun überprüfen.

(jaw/sda)

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