DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundesrätin Sommaruga verkündet «Meilenstein»: Schweiz einigt sich mit ersten Ländern auf «Paris»-Umsetzung.
Bundesrätin Sommaruga verkündet «Meilenstein»: Schweiz einigt sich mit ersten Ländern auf «Paris»-Umsetzung.Bild: keystone

Fertig Trump-Sabotage: ETH-Forscher sagt, was der Klima-Schulterschluss USA-China bedeutet

Überraschenderweise haben die USA und China ihre Klima-Allianz nach der Trump-Sabotage wiederbelebt. ETH-Klimaexperte sagt, was das bedeutet. Und warum die Schweiz in Glasgow eine gute Figur macht.
11.11.2021, 19:2412.11.2021, 12:20

20'000 Diplomaten feilschen in diesen Stunden an einer Abschlusserklärung für den Klimagipfel in Glasgow. Darunter ist auch ETH-Klimawissenschaftler Andreas Fischlin, der für die entscheidenden Verhandlungstage doch noch nach Glasgow gereist ist. Auch ihn hat am Mittwochabend eine Ankündigung überrascht. Dies obschon er für die Schweiz schon an zahlreichen Klimagipfeln mit dabei war.

Was ist passiert?

Trotz aller Differenzen: Der chinesische Delegierte verkündet eine Annäherung mit den USA.
Trotz aller Differenzen: Der chinesische Delegierte verkündet eine Annäherung mit den USA. Bild: keystone

Die USA und China sind die zwei grössten CO2-Drecksschleudern weltweit. Eigentlich herrscht zwischen der Regierung von Joe Biden und Xi Jinping Eiszeit. Gestern Abend haben die Länder trotzdem eine gemeinsame Erklärung publiziert. Sie wollen ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen die Erderwärmung verstärken. Man wolle den «kritischen Moment» nutzen, um vorwärts zu machen. «Wir werden noch in diesem Jahrzehnt zusammen mit den USA ehrgeizigere Klimaschutzmassnahmen ergreifen», sagte der Leiter der chinesischen Delegation. Dazu werde eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingesetzt.

Was sagt der Schweizer Experte?

Ist die Ankündigung wieder nur viel «Blablabla», wie Klima-Ikone Greta Thunberg bereits Anfang des Gipfels kritisierte? ETH-Forscher und Gipfelteilnehmer Fischlin sieht dies nicht so. Diese Einigung sei ein starkes Signal. Und ein Zeichen, dass es trotz aller Hindernisse vorwärtsgeht. «Denn ohne die USA und China kann es im Klimaschutz nicht vorangehen, da sich die Länder sonst gegenseitig blockieren.»

Andreas Fischlin.
Andreas Fischlin. Bild: zvg

Gut zu wissen: Bereits 2014 einigten sich die USA und China auf bestimmte Punkte. Dieses bildeten den Grundstein für die daraus resultierende Pariser Klimaabkommen. «Weil sich die Trump-Administration um das Klima foutierte und gar Paris kündigte, haben wir mehrere Jahre verloren. Zeit, die uns jetzt fehlt», analysiert Fischlin.

Die USA haben historisch gesehen mit all ihren Emissionen nach wie vor am meisten zum Klimawandel beigetragen – und hätten so immer noch eine grosse historische Verantwortung. China habe kumuliert bloss halb soviel CO2 ausgestossen wie die Vereinigten Staaten und ein Drittel der Industriestaaten insgesamt, so Fischlin.

Das sind die 7 wichtigsten Punkte aus dem Klimabericht

Video: watson/Aya Baalbaki

Wird der Gipfel doch noch zum Erfolg?

Für Greta Thunberg ist der Klimagipfel in Glasgow bloss eine «PR-Show».
Für Greta Thunberg ist der Klimagipfel in Glasgow bloss eine «PR-Show». Bild: keystone

Der Countdown läuft. Der Klimagipfel in Glasgow dauert offiziell nur noch bis Freitag. Meistens gehen die Verhandlungen länger. «Die Entscheidung fällt wohl erst in der Nacht auf Samstag», so Fischlin. Er sei aber guten Mutes, dass ein positiver Abschluss gelinge. Die Erwartungen der Öffentlichkeit an den Klimagipfel in Glasgow seien aber – ähnlich wie in Kopenhagen 2009 – zu hoch. An solchen Konferenzen gehe es nie um «alles oder nichts». Sondern um eine Politik der kleinen Schritte.

«So oder so wird aber das Resultat der Dringlichkeit der Klimakrise nicht gerecht werden», sagt der ETH-Forscher. Aber die Prozesse in der internationalen Politik seien nun halt einfach langsam. «Greta Thunberg muss lernen, dass es Geduld braucht. Auch wenn man als Wissenschaftler manchmal auch schier am Verzweifeln ist.»

Welche Rolle spielt die Schweiz?

Die Schweiz hat am Donnerstag erste Abkommen zur Anrechnung von CO2-Reduktionen unterschrieben. Wie Umweltministerin Simonetta Sommaruga am Rande der Weltklimakonferenz in Glasgow vor den Medien sagte, ist dies ein «Meilenstein» bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die nun gefundene Lösung zur Umsetzung von dessen umstrittenem Artikel 6 könne «ein Vorbild sein auch für andere Länder», sagte die Schweizer Umweltministerin. Denn sie verhindere Doppelbuchungen von Minderungen beim Ausstoss von Treibhausgasen – einer der Knackpunkte beim Abkommen.

ETH-Klimaexperte lobt denn im Gespräch mit watson explizit das grosse Engagement von Sommaruga. Sie habe in intensiven Gesprächen praktikable Lösungen gesucht – und gefunden. «Die Schweiz hat keine ‹versteckte Agenda› und gilt darum als vertrauenswürdig. Das hat bei den Verhandlungen geholfen.» Als fünftgrösster Finanzplatz weltweit habe die Schweiz zudem selbst einen grossen Hebel in der Hand, um weltweit den Klimaschutz zu verstärken.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker

1 / 12
Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker
quelle: epa / christos bletsos
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So wütet das Hochwasser in Österreich

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum die Abtreibung in den USA bald wieder verboten werden könnte
Der Supreme Court beginnt mit den Anhörungen einer Klage des Bundesstaates Mississippi. Sie verlangt, dass das bestehende Urteil bezüglich Abtreibung, «Roe v. Wade», aufgehoben wird.

Die Anhörung wird am 1. Dezember beginnen, doch Lynn Fitch, die Justizministerin von Mississippi, begründet in der «Washington Post» bereits im Vorfeld die Klage. Sie führt dabei zwei Argumente ins Feld:

Zur Story