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Turkey's President Recep Tayyip Erdogan waves to supporters in Istanbul, Turkey, on Sunday, April 16, 2017. Erdogan declared victory in Sunday's historic referendum that will grant sweeping powers to the presidency, hailing the result as a

Recep Tayyip Erdogan lässt sich von seinen Anhängern feiern. Bild: Lefteris Pitarakis/AP/KEYSTONE

Kommentar

Erdogan hat das Land tief gespalten – und deshalb verloren

Das «Ja» zur Verfassungsreform ist eine Niederlage für Präsident Erdogan. Nun müsste er auf seine Gegner zugehen. Man darf bezweifeln, dass er dies tun wird.



Man könnte leicht zum Zyniker werden. Und anerkennen, dass sich Recep Tayyip Erdogan «anständiger» benommen hat als andere Autokraten. Die pflegen ihre Macht in der Regel mit 99,X Prozent «absegnen» zu lassen. Der türkische Präsident wirkt im Vergleich wie ein lupenreiner Demokrat. Die Verfassungsänderung, die ihm eine fast unbeschränkte Machtfülle verschaffen wird, scheint nur knapp angenommen worden zu sein. Wenn überhaupt.

Die Opposition will das Ergebnis anfechten. Sollte es zutreffen, dass die Wahlkommission kurzfristig auch Stimmzettel akzeptiert hat, die nicht ordnungsgemäss abgestempelt wurden, wäre dies ein Verstoss gegen alle demokratischen Grundlagen. So oder so: Die Abstimmung hat gezeigt, dass die Türkei ein tief gespaltenes Land ist.

Erdogan hat sich im Abstimmungskampf nicht einmal annähernd bemüht, die Kluft zwischen Anhängern und Gegnern zu überbrücken. Im Gegenteil: Obwohl er als Staatsoberhaupt zur Neutralität verpflichtet wäre, hat er sie weiter vertieft. Wohin das geführt hat, zeigt ein Blick auf die politische Landkarte, insbesondere auf jene Regionen, die gegen ihn waren.

Infografik zu den Abstimmungsresultaten in der Türkei. Verfassungsreform Referendum

Sollte das Ja bestätigt werden, gäbe es für Erdogan nur eine Priorität: Er muss das zerrissene Land einen und auf die Gegner im eigenen Land ebenso zugehen wie auf die beschimpften Europäer. Vermutlich aber wird er das knappe Ergebnis als Aufforderung verstehen, möglichst schnell vollendete Tatsachen zu schaffen.

Für die Türkei sind dies keine erbaulichen Perspektiven. Eine Lockerung des harten Regimes gegenüber Medien und Oppositionellen ist nicht zu erwarten. Die Lage für die türkische Wirtschaft bleibt prekär. Für Europa wird das NATO-Land Türkei ein unberechenbarer Partner bleiben. Den Flüchtlingsdeal wird Erdogan auch als «Süper-Präsident» kaum aufkündigen. Aber er wird noch verstärkt den Schulterschluss mit Autokratenfreund Wladimir Putin suchen.

Bleibt nur ein gänzlich unzynischer Trost: Die Türkei hat in den letzten 100 Jahren einige dunkle Epochen erlebt. Am Ende brachten die Krisen das Land aber immer voran. Man darf hoffen, dass es auch dieses Mal so kommen und der Erdogan-Spuk irgendwann verschwinden wird.

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