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Mord an der jüngsten Bürgermeisterin des Landes schockt Ecuador

«Niemand ist sicher»: Mord an der jüngsten Bürgermeisterin des Landes schockt Ecuador

26.03.2024, 22:00
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Am Wochenende hat die anhaltende Bandengewalt in Ecuador für einen weiteren Tiefpunkt gesorgt. Am Sonntag wurde die 27-jährige Politikerin Brigitte García gemeinsam mit einem Mitarbeiter tot aufgefunden. Garcia war Bürgermeisterin des Ortes San Vicente – letztes Jahr wurde sie dort zur jüngsten Amtsinhaberin im Land. In der kleinen Stadt, wo rund 17'000 Einwohner leben, setzte sie sich etwa für einen besseren Zugang zu Trinkwasser ein.

SAN VICENTE-ALCALDESA BRIGITTE GARCIA San Vicente - Manabi, 24 de marzo de 2024. Asesinan a la alcaldesa de San Vicente, Brigitte Garcia. ARCHIVO API / Ariel OCHOA Manta Manabi Ecuador CLJ-SANVICENTE- ...
Brigitte García erlangte als jüngste Bürgermeisterin Ecuadors Bekanntheit – nun ist sie tot.Bild: www.imago-images.de

Garcías Leiche wurde in der Nacht auf Sonntag in einem Mietauto an einem Pazifikstrand in der Nähe von San Vicente entdeckt. Die beiden wurden erschossen – ersten Erkenntnissen zufolge von einer Person, die mit den beiden im Auto unterwegs war. Die Polizei tappt im Dunkeln: Es gibt weder Tatverdächtige noch ein Motiv.

Mit dem Tod Garcías setzt sich eine Reihe an Morden in Ecuador fort. Die Provinz Manabí an der Westküste ist derzeit besonders gefährlich. Schon im Juli wurde ein Bürgermeister aus der Provinz ermordet, im Februar 2023 traf es einen Kandidaten für das Amt aus der Stadt Puerto López. In der Hauptstadt Quito wurde im August zudem Kandidat der Partei Construye, Fernando Villavicencio, erschossen.

Dass mit García nun trotzdem eine weitere Politikerin getötet wurde, sorgt im Land für Entsetzen. «Der Schock ist gross», so die in Südamerika lebende Journalistin Sandra Weiss gegenüber SRF. Und Politikerin Luisa González schreibt auf X: «Ich habe keine Worte, ich bin schockiert, niemand ist in Ecuador sicher. Niemand.»

Drogenhandel und Bandengewalt sorgen für Chaos

Die zahlreichen Todesfälle stehen wohl in Verbindung mit der Bandengewalt, die im südamerikanischen Land stark zugenommen hat. Motiviert ist diese durch das illegale Geschäft mit Drogen: Über die Hafenstadt Guayaquil wird Kokain aus Südamerika in die USA und nach Europa geschmuggelt.

Im Januar rief die Regierung von Präsident Daniel Noboa deswegen einen landesweiten Notstand aus. Seither patrouillieren Soldaten in den Strassen, zudem wurden die zuletzt chaotischen Zustände in den Gefängnissen etwas behoben. Dennoch bleibt die Lage im Land prekär. «Das reicht nicht, denn militärisch ist die Drogenmafia nicht zu besiegen», so die Journalistin. Um das Problem lösen zu können, brauche es vor allem etwas: Alternativen für die Jungen. Nur wenn es auch ausserhalb der Banden attraktive Perspektiven gebe, seien langfristige Lösungen möglich. (dab)

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fight4urRight2beHighasaKite
27.03.2024 05:30registriert Oktober 2022
Die Kommentarspalte hat den Schuldigen gefunden, die Konsumenten. Zu Zeiten der Prohibition waren natürlich auch die Trinker verantwortlich für massiv erhöhte Mafia-Morde aufgrund einer Deppen-Politik.

Jede Kriminalisierung eines Produkts mit hoher Nachfrage endet in Mafia-Strukturen. Man weiss das seit 100 Jahren, macht ignorant weiter und schiebt den schwarzen Peter den Süchtigen zu.

Wenn Regierungen entscheiden, einen destruktiven und sinnlosen Krieg gegen Substanzen zu führen, der den Markt gewalttätigen Banden überlässt, sind nicht Konsumenten in der Verantwortung.
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Franz Ferdinand
27.03.2024 00:40registriert November 2020
Es ist ja ganz weit weg.
Mein Drogenkonsum ist ja Privatsache und hat null Konsequenzen ausserhalb meiner Bubble.


Hm, erinnert mich irgendwie an andere Güter mit ebenfalls indirekt katastrophalen Konsequenzen, die wir noch nicht am eigenen Leib spüren. Wo soll ich bloss anfangen?
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Neruda
26.03.2024 22:37registriert September 2016
Bin zwar für eine liberalere Drogenpolitik, trotzdem muss es den Drogenkonsumenten bewusst werden, dass sie mitschuldig sind am Tod dieser jungen Politikerin und allen anderen Opfer in diesen durch Drogenbanden terrorisierten Orten. Sie finanzieren diese Mörderbanden freiwillig, Sucht hin oder her. Und das gehört eigentlich bestraft. Ist bei jeder anderen Terrorfinanzierung auch so.
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