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Nach Kandidaten-Mord: Ausnahmezustand in Ecuador ausgerufen

Nach Kandidaten-Mord: Ausnahmezustand in Ecuador ausgerufen

Eineinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl hat die Ermordung eines Kandidaten Ecuador erschüttert und die politische Krise in dem kleinen Andenstaat dramatisch zugespitzt.
10.08.2023, 12:4410.08.2023, 14:58
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In Mafiamanier feuerten Unbekannte in der Hauptstadt Quito auf den 59 Jahre alten Oppositionskandidaten Fernando Villavicencio, als dieser nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Mittwochabend (Ortszeit) eine Wahlkampfveranstaltung in einer Schule verliess. Laut Medien wurde er dreimal in den Kopf getroffen. Präsident Guillermo Lasso sprach von Auftragskillern (spanisch: sicarios). Er verhängte einen 60-tägigen Ausnahmezustand und mobilisierte landesweit die Streitkräfte.

Presidential candidate Fernando Villavicencio speaks during a campaign event at a school minutes before he was shot to death outside the same school in Quito, Ecuador, Wednesday, Aug. 9, 2023 (API via ...
Fernando Villavicencio kurz vor dem Attentat.Bild: keystone

Nach dem Attentat gab es dramatische Szenen. Bilder und Videos zeigen blutüberströmte Opfer, verzweifelte Helfer sowie Menschen, die auf dem Boden liegend Schutz suchen und nach Hilfe schreien. Einer der mutmasslichen Attentäter sei bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt worden und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, sagte der Präsident. Sechs weitere Verdächtige seien gefasst worden. Die Angreifer hätten noch eine Granate in die Menge geworfen. Diese sei aber nicht explodiert und später entschärft worden. Laut Staatsanwaltschaft gab es mindestens neun Verletzte.

Lasso, der nicht selbst zur Wahl antritt, nannte den Mord ein politisches Verbrechen mit terroristischen Zügen. «Wir haben keine Zweifel, dass dieser Mord ein Versuch ist, den Wahlprozess zu sabotieren», sagte er. Die Abstimmung werde aber wie geplant am 20. August stattfinden. Man werde der Gewalt nicht weichen. Die Täter und ihre Auftraggeber würden zur Rechenschaft gezogen. «Der Staat ist standhaft, und die Demokratie wird der Brutalität dieses Mordes nicht nachgeben. Wir werden dem organisierten Verbrechen nicht die Macht und die demokratischen Institutionen überlassen.»

Damit sprach er eines der drängendsten Probleme an, mit denen das sonst als so friedfertig geltende Land am Äquator seit geraumer Zeit zu kämpfen hat: Ecuador liegt auf der Transitroute des Kokains, das vor allem in anderen südamerikanischen Ländern wie Kolumbien, Bolivien und Peru hergestellt wird und das Drogenkartelle dann in die USA oder Europa schmuggeln. Dies bringt Gewalt und Korruption mit sich - immer wieder kommt es in diesem Zusammenhang zu blutigen Revolten in überfüllten Gefängnissen, die teils von Gangs kontrolliert werden. Die Mordrate von 25 Tötungsdelikten je 100 000 Einwohnern 2022 war die höchste in der Geschichte des Landes und überstieg sogar jene von Mexiko und Brasilien.

Gegen diese Gewalt und die Korruption im Staat war der nun ermordete Kandidat zu Felde gezogen. Medienberichten zufolge hatte Villavicencio erst vergangene Woche Drohungen gegen ihn und sein Team von einem Drogenpaten erhalten.

Seine Schwester Patricia machte die Regierung für den Angriff verantwortlich. «Sie haben die Demokratie getötet», sagte sie örtlichen Medien zufolge. «Sie wollten nicht, dass die Korruption aufgedeckt wird. Nun werden wir als Familie verfolgt. Sie werden uns aber nicht zum Schweigen bringen.» Villavicencio, der Journalist und Abgeordneter war, bewarb sich als Kandidat der Bewegung Construye (Baue) um das höchste Staatsamt und lag nach jüngsten Umfragen zufolge auf dem vierten oder fünften Platz.

Er war bislang das prominenteste, aber nicht das einzige Opfer politischer Gewalt in dem rund 17 Millionen Einwohner zählenden Land, das bei Touristen nicht zuletzt wegen des Amazonas-Urwaldes, der vielen aktiven Vulkane, der Strände oder der für ihre einzigartige Tierwelt bekannten Galápagos-Inseln beliebt ist. Vor rund zwei Wochen erst war der Bürgermeister der Hafenstadt Manta, Agustín Intriago, bei einem ähnlichen Angriff getötet worden.

Nach dem Mord an Villavicencio rief die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Ecuadors Regierung auf, für die Sicherheit der Kandidaten bei der anstehenden Wahl zu sorgen und die Tat lückenlos aufzuklären.

Allerdings steckt das Land auch in einer Staatskrise. Nur 17 Prozent der Bürger unterstützen laut Umfragen die Regierungsführung des Präsidenten, gerade mal 20 Prozent bewerten die Arbeit des Parlaments als gut. Inmitten eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn wegen mutmasslicher Unterschlagung hatte der Staatschef im Mai das Parlament aufgelöst. Dadurch wurden die nun anstehenden Neuwahlen fällig.

In den vergangenen Jahren hatte das an Kolumbien und Peru grenzende Land durch die Förderung von Ölvorkommen einen erheblichen Modernisierungsschub erlebt: Neue Strassen, Schulen und Krankenhäuser wurden seinerzeit gebaut. Als der Ölpreis fiel, schwächte sich das Wachstum jedoch ab. Ecuador ist auch einer der grössten Exporteure von Blumen und Bananen und setzt auf hochwertigen Kakao und die Ausfuhr von Fisch. (sda/dpa)

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