Ferien in Japan: Touristen müssen mit deutlich höheren Gebühren rechnen
In Japan steht die Kirschblüten-Saison bevor und damit wappnet sich das Land für den anrollenden Touristenansturm. Denn Japan im Frühling ist eigentlich ein Versprechen für rosa Blüten, milde Luft und gute Laune.
Wenn die Kirschbäume blühen, zieht es die Menschen traditionell nach draussen – ausgestattet mit Picknickdecke und Snacks wird gemeinsam die Natur gefeiert. Dieses «Hanami» gehört zur japanischen Kultur wie Sushi und Züge, die auf die Sekunde pünktlich sind.
Doch wer die rosarote Zeit in Japan erleben will, muss mitunter tief in den Geldbeutel greifen.
Japan zieht Preise für Touristen an
In Tokio etwa kostet eine beliebte Bootstour nahe dem Kaiserpalast plötzlich deutlich mehr, wenn du keinen japanischen Pass hast. 800 Yen (etwa 4.00 Franken) für Einheimische, fast das Doppelte für Besucherinnen und Besucher, berichtet die «Berliner Morgenpost».
Und das ist kein Einzelfall. In Kyoto wurden die Übernachtungssteuern erhöht, teilweise wird hier das Neunfache verlangt. In Himeji zahlen Touristinnen und Touristen mehr für Sehenswürdigkeiten, etwa die berühmte Burg, als Locals. Auch Museen ziehen nach und erhöhen die Preise für Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland.
Touri-Boom bringt Japan an seine Grenzen
Japan erlebt seit Jahren einen Tourismus-Boom. Spätestens seit der «Cool Japan»-Kampagne hat sich das Land zur globalen Sehnsuchtsdestination entwickelt. Minimalismus, Essen, Natur – alles zieht. Und zwar massiv.
Die Zahlen sprechen für sich: von gut 6 Millionen Besucherinnen und Besucher im Jahr 2011 auf rund 43 Millionen im Jahr 2025. Tourismus ist inzwischen einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes.
Und genau das wird zum Problem. Denn während die Regierung gern noch mehr Gäste hätte – offiziell peilt sie 60 Millionen bis 2030 an – wächst gleichzeitig der Frust im Alltag. Überfüllte Züge, respektloses Verhalten an religiösen Orten, laute Influencer-Clips: Die Beschwerden über Touristinnen und Touristen häufen sich.
Die Reaktion darauf zeigt sich in steigenden Preisen, strengeren Regeln und begrenzten Zugängen.
Japan-Tourismus: Zwischen Geldmaschine und Genervtheit
Dabei steckt Japan in einem Dilemma. Die Bevölkerung schrumpft und altert, die Wirtschaft wächst nur schleppend. Tourismus ist da ein willkommenes Mittel, denn die Kaufkraft kommt einfach aus dem Ausland ins Land. Gleichzeitig kippt die Stimmung.
Politisch zeigt sich das ebenfalls: Rechte Stimmen gewinnen an Gewicht, Vorbehalte gegenüber Ausländerinnen und Ausländern nehmen zu. Dabei verschwimmt oft die Grenze zwischen Besuchern und Menschen, die dauerhaft im Land leben.
Auch wirtschaftlich sorgt das für Spannungen. Der schwache Yen macht Japan für Besucherinnen und Besucher billig, während Reisen für viele Japanerinnen und Japaner selbst sehr teuer sind, heisst es bei der Berliner Morgenpost.
Für manche ein bitteres Gefühl: Die Welt kommt ins eigene Land, während man selbst weniger hinauskommt.
