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«Mein Name ist Cleo» – die Rettung des australischen Mädchens in 7 Punkten

Das Horror-Szenario aller Eltern: Die kleine Cleo Smith war am Morgen nicht mehr in dem Zelt, in dem ihre Familie die Ferien verbrachte. Sie wurde entführt – und jetzt endlich wieder gefunden.
03.11.2021, 09:4003.11.2021, 10:12

Riesige Freude in Australien: Rund zweieinhalb Wochen nach dem mysteriösen Verschwinden der kleinen Cleo Smith von einem Campingplatz im Westen des Landes hat die Polizei die Vierjährige wohlbehalten wieder gefunden. Das Kind wurde von der Polizei aus einem verschlossenen Haus im 75 Kilometer vom Campingplatz entfernten Ort Carnarvon befreit, wie der stellvertretende Kommissar Col Blanch am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) sagte. Cleo sei gesund.

Die kleine Cleo Smith verschwand plötzlich spurlos.
Die kleine Cleo Smith verschwand plötzlich spurlos.Bild: keystone

Der Fall in 7 Punkten:

Die Rettung

Die Polizei habe das Haus am frühen Mittwochmorgen um kurz vor 1.00 Uhr (Ortszeit) aufgebrochen, sagte Blanch. Dieses Ergebnis sei dank einer unglaublichen Polizeiarbeit erreicht worden.

«Es hätte jeder aus unserem Team sein können, aber am Ende war ich es, der das Glück hatte, durch diese Tür zu gehen und sie zu retten», sagte Obersergeant Cameron Blaine bei einer Pressekonferenz. «Am Anfang war ich geschockt, dann war ich einfach nur überglücklich.»

Er habe das Kind nach seinem Namen gefragt, aber es habe zunächst nicht geantwortet, erzählte Blaine. Nach dem dritten Mal hat sie mich angesehen und gesagt: ‹Mein Name ist Cleo›.» Danach sei im Haus kein Auge mehr trocken gewesen: Erfahrene Ermittler seien vor Erleichterung in Tränen ausgebrochen.

Daraufhin habe man das Mädchen umgehend aus dem Haus gebracht . Die Beamten hätten dann die Eltern angerufen und gesagt: «Hier ist jemand, der mit Ihnen sprechen möchte».Auf dem Weg zum Krankenhaus sei Cleo mit ihren Eltern wieder vereint worden. «Sie rief nur: ‹Mummy!›», dann gab es jede Menge Tränen und Umarmungen», erinnerte sich Blaine.

Die Polizei von Western Australia veröffentlichte auf Twitter ein Foto, das Cleo im Krankenhausbett zeigt, wie sie fröhlich in die Kamera winkt. «Das Wunder, auf das wir alle gehofft hatten», hiess es dazu. Mittlerweile sei das Mädchen bereits wieder zuhause. Sie sei körperlich unversehrt.

Die Reaktionen

Die Mutter des Mädchens, Ellie Smith, schrieb auf Instagram: «Unsere Familie ist wieder vollständig.»

Im australischen Frühstücksfernsehen sprachen die Moderatoren mit gebrochener Stimme, als sie die gute Nachricht vermeldeten. «Wunder geschehen!», jubelte ein Sprecher im Sender «9News» und drückte damit wohl die Gefühlslage der ganzen Nation aus.

Das Verschwinden

Die Familie lebt in dem Ort, in dem Cleo wiedergefunden wurde. Mit ihrer Mutter, deren Lebensgefährten und ihrer kleinen Schwester war das Mädchen am 16. Oktober zum Campen bei den Blowholes an der Küste, rund 900 Kilometer nördlich der Regionalhauptstadt Perth. Nach Aussage der Mutter bemerkte sie gegen 6.00 Uhr morgens, dass das blonde Mädchen mitsamt Schlafsack aus einem der beiden Räume des Familienzeltes verschwunden war. Dort habe ihre Tochter neben der kleinen Schwester geschlafen.

Der Zelt-Reissverschluss sei bis zu einer Höhe geöffnet gewesen, die die Vierjährige selbst nicht hätte erreichen können. Seither fehlte von dem Kind jede Spur. Die Blowholes – Meereshöhlen, aus denen die Brandung spritzt – sind ein beliebtes Ausflugsziel am Indischen Ozean.

Der Täter

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 36-jährigen Mann, der keinen Bezug zur Familie hat. Gegenüber «9News» äusserte sich Detective Superintendent Rod Wilde: «Der Täter war polizeibekannt, aber mehr kann ich zurzeit nicht sagen».

Der mutmassliche Täter wurde festgenommen. In seiner Zelle soll er nach der Festnahme Kopfverletzungen erlitten und danach in ein Krankenhaus gebracht worden sein.

Hartnäckige Polizeiarbeit

Der Spurenlage zufolge gab es nur eine plausible Erklärung: Die kleine Cleo wurde entführt.

«Wir haben nach der Nadel im Heuhaufen gesucht, und wir haben sie gefunden», sagte Blanch dem örtlichen Radiosender 6PR.

«Dies war hartnäckige, methodische Polizeiarbeit», erklärte Polizeikommissar Chris Dawson. Die rund 100 Ermittler hätten Tausende und Abertausende von forensischen Exponaten, Daten und Informationen aus der Gemeinde gesammelt und jeden Hinweis genau geprüft. «Dann tauchte dieser hier auf und sie informierten mich und sagten: ‹Schauen Sie, wir glauben, wir sind hier auf etwas gestossen›», sagte Dawson. Kurz darauf habe er die Nachricht von der Rettung des Kindes erhalten.

Die Regierung des Bundesstaates Westaustralien hatte eine Belohnung von einer Million australischer Dollar (rund 680'000 CHF) für Hinweise ausgesetzt, die zum Auffinden des Mädchens führen.

Australiens Premier Scott Morrison bedankte sich via Twitter bei der Polizei. «Was für eine wunderbare, erleichternde Nachricht. Cleo Smith wurde gefunden und ist gesund und munter zu Hause», schrieb er. Die Parlamentarierin Tanya Plibersek meinte via Twitter: «Was diese Familie durchgemacht hat, ist der schlimmste Alptraum aller Eltern.»

Riesige Anteilnahme

Die Anteilnahme war nach dem Verschwinden des Mädchens riesig – nicht nur in Australien. Auf Instagram versuchten Menschen unter anderem aus Schottland, den USA und Deutschland, der Familie Mut zu machen. «Bitte gebt nicht auf! Unsere Daumen sind gedrückt, dass sie gesund gefunden wird. Alles Liebe aus Deutschland!», schrieb eine Nutzerin.

Die verzweifelten Eltern hatten sich immer wieder mit dramatischen Aufrufen an die Öffentlichkeit gewendet – in der Hoffnung, den oder die Täter zu überzeugen, das Mädchen freizulassen.

Weder die Mutter, der Lebensgefährte noch der leibliche Vater des Mädchens, der bei Perth lebe, würden als Verdächtige betrachtet. Die Polizei hatte vermutet, dass sie von einem «opportunistischen» Täter entführt worden sei, wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete.

Düstere Erinnerungen

Das Verschwinden Cleos hatte düstere Erinnerungen an den Fall der damals dreijährigen Britin Maddie McCann geweckt, die am 3. Mai 2007 in Portugal aus einer Apartment-Anlage spurlos verschollen war. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens sorgt bis heute für Schlagzeilen. Als Ermittler im vergangenen Jahr überraschend bekanntgaben, dass ein Deutscher unter Mordverdacht steht, keimte zumindest Hoffnung auf späte Gewissheit. Bisher gibt es aber keinen Durchbruch bei den Ermittlungen. (saw/sda/dpa)

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