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Verteidiger von «El Chapo» verhören einen einzigen Zeugen – einen FBI-Agenten



«El Chapo»: Vom Drogenhändler zum depressiven Häftling

Fast drei Monate lang hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán mehr als 50 Zeugen befragt. Am Dienstag begannen nun dessen Anwälte im New Yorker Gerichtssaal mit ihren Zeugenbefragungen - und waren nach einer halben Stunde bereits fertig.

Als einzigen Zeugen rief die Verteidigung den FBI-Beamten Paul Roberts auf, der im Februar 2017 einen von Guzmáns Kokainlieferanten verhört hatte. Der in den USA inhaftierte Kolumbianer Jorge Cifuentes sagte damals gegen seinen früheren Boss aus.

Guzmáns Verteidiger versuchten am Dienstag die Glaubwürdigkeit des Drogenhändlers in Zweifel zu ziehen - mithilfe von Roberts, der sich während des Verhörs Notizen gemacht hatte.

FILE - In Nov. 13, 2018 file courtroom drawing, Joaquin

El Chapo vor Gericht. Bild: AP/FR142054 AP

Die Anwälte argumentierten, Teile von Cifuentes' Aussage basierten nicht auf dessen eigenen Erinnerungen, sondern auf Ermittlungsakten der US-Regierung, die ihm von einem korrupten US-Marineoffizier zugespielt worden seien.

In ihrem Kreuzverhör widersprachen die Staatsanwälte. Roberts, dem Übersetzer oder Cifuentes selbst sei ein Fehler unterlaufen, bei dem angeblichen US-Marineoffizier habe es sich in Wirklichkeit um einen Kolumbianer gehandelt.

Der FBI-Beamte wirkte nervös, als Zeuge für «El Chapo» auszusagen, seine Stimme zitterte leicht. Guzmáns Anwalt Jeffrey Lichtman ging seinen eigenen Zeugen hart an - fast wie in einem Kreuzverhör. Richter Brian Cogan sah sich gezwungen, Lichtman daran zu erinnern, dass Roberts Zeuge der Verteidigung sei..

Guzmán muss sich in New York unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten. Er soll tonnenweise Kokain und Heroin in die USA geschmuggelt und damit Milliarden verdient haben. Zudem soll er für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein. Bei einer Verurteilung droht Guzmán eine lebenslange Haftstrafe. Die Todesstrafe ist gemäss einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Auf Anraten seiner Anwälte wird der einstige Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells selbst nicht aussagen. Die Schlussplädoyers sollten am Mittwoch beginnen. Die Geschworenen könnten dann gegen Ende der Woche mit ihren Beratungen beginnen. (aeg/sda/afp)

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