International
Migration

Zahl der Migranten im Mittelmeer aus Libyen «fast verdreifacht»

Zahl der Migranten im Mittelmeer aus Libyen «fast verdreifacht»

19.01.2022, 04:3419.01.2022, 04:34

Die Zahl der Migranten aus Libyen, die über das Mittelmeer Europa erreichen wollten, hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr stark erhöht.

«Bis zum 14. Dezember hatte die libysche Küstenwache 30 990 Migranten und Flüchtlinge abgefangen und nach Libyen zurückgebracht, fast dreimal so viele wie im Jahr 2020 (12'000 Menschen)», geht aus einem internen Bericht von UN-Generalsekretär António Guterres an den Sicherheitsrat hervor. Mehr als 1300 Menschen seien bei der gefährlichen Überfahrt mit oft schrottreifen Booten getötet worden.

In this photo released by Doctors Without Borders, an overcrowded wooden boat packed with 99 migrants is approached by a tender of the humanitarian organization off the Libya coast on Tuesday, Nov. 16 ...
Ein überfülltes Boot mit Migranten vor der Küste Libyens. Bild: keystone

Auch hier stieg die Zahl nach Daten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Die IOM listet für 2021 über 1500 Tote oder Vermisste auf der sogenannten zentralen Mittelmeer-Route, die allerdings auch Überfahrten aus Tunesien mit einbezieht. Im Jahr 2020 waren es weniger als 1000, zu Hochzeiten 2016 mehr als 4500. Das Bürgerkriegsland Libyen hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Transitland für Migrantinnen und Migranten entwickelt, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen.

Nach dem Bericht von UN-Chef Guterres wurden diejenigen, die auf dem Meer von der libyschen Küstenwache abgefangen und zurück nach Libyen gebracht wurden, teilweise Opfer willkürlicher Inhaftierungen. Insgesamt sässen in dem nordafrikanischen Land Tausende Menschen - nicht nur Migranten - in Gefängnissen, die nicht in offiziellen Listen zu Insassen auftauchten.

Sie würden unter «illegalen und oft unmenschlichen Bedingungen» in von Milizen kontrollierten Gebäuden gehalten oder seien in «geheimen Einrichtungen» untergebracht. «Ich bin nach wie vor zutiefst besorgt über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen von Migranten, Flüchtlingen und Asylsuchenden in Libyen», schrieb Guterres an die Mitglieder des Sicherheitsrats.

Migranten sind nach Angaben von Menschenrechtlern in Libyen immer wieder Gewalt, Erpressung und Zwangsarbeit ausgesetzt. Laut UN gibt es glaubwürdige Informationen, dass etwa 30 nigerianische Frauen und Kinder in vergangenen Jahr sexuell missbraucht und verkauft wurden. Zudem seien libysche Behörden im Oktober angeblich aus Sicherheitsgründen gegen mehr als 5000 Migrantinnen und Migranten vorgegangen, darunter mindestens 1000 Frauen und Kinder. Dabei seien Familien getrennt, ein Migrant getötet und andere verletzt worden. (saw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
115 Migranten nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8
«Die Schweiz hat dem iranischen Regime Legitimität verliehen»
Die Bevölkerung im Iran steht seit Ende Februar unter Beschuss von den USA und Israel. Die Menschenrechtsaktivistin Neda Amani erzählt, wie der Krieg die Widerstandsbewegung im Land verändert hat – und was die Schweiz jetzt tun sollte.
Frau Amani, Ihre Eltern sind in den 80er-Jahren aus politischen Gründen aus dem Iran geflüchtet. Der Rest Ihrer Familie lebt noch dort. Wann haben Sie zuletzt von ihnen gehört?
Neda Amani: Das letzte Mal habe ich kurz vor Ausbruch des Krieges mit ihnen gesprochen. Seither haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Wir sind unheimlich besorgt. Seit zehn Tagen besteht eine Internetblockade. Ich stehe aber durch meine Arbeit mit Menschenrechtsorganisationen mit Menschen im Iran in Kontakt.
Zur Story