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Naher Osten

Iran, Israel und ihre Verbündeten: Wer steht wo im Nahost-Konflikt?

Iran, Israel und ihre Verbündeten: Wer steht wo im Nahost-Konflikt? Ein Überblick

Wer auf Seiten der Islamisten steht, wer sich heraushält und was die USA tun.
01.10.2024, 20:0002.10.2024, 07:39
Thomas Seibert, Istanbul / ch media
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Alle Konfliktparteien im Nahen Osten haben Partner, die ihnen bei der eskalierenden Konfrontation in der Region vom Jemen im Süden bis zum Libanon im Norden helfen sollen. Einige Länder wollen sich heraushalten, in anderen sind die Regierungen zu schwach, um bewaffnete Gruppen auf ihrem Territorium zu zügeln. Das sind die Positionen und Allianzen.

Komplizierte Beziehung: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (rechts) mit seinem wichtigsten Verbündeten, US-Präsident Joe Biden.
Komplizierte Beziehung: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (rechts) mit seinem wichtigsten Verbündeten, US-Präsident Joe Biden.Bild: mago/Avi Ohayon/Israel Gpo / www.imago-images.de

USA

Die Supermacht ist als wichtigster Partner Israels mit starken Marine- und Luftwaffenverbänden im Nahen Osten präsent. Rund 10'000 US-Soldaten sind allein auf dem Stützpunkt Al Udeid in Katar stationiert, der grössten US-Basis in der Region. Von dort aus können die Amerikaner iranische Raketen und Drohnen abfangen. Auch Flugzeuge auf einem US-Stützpunkt in der Türkei könnten eingreifen. Dagegen haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Amerikanern die Nutzung des Stützpunkts Al Dhafra für Einsätze gegen den Iran und dessen Verbündete untersagt.

Washington hat zusätzliche Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge in die Region beordert. Der politische Einfluss der USA auf Israel hat allerdings stark abgenommen. So fordert Amerika seit Ende Mai eine Feuerpause in Gaza, wird vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu aber ignoriert.

Schwerbewaffnete Huthi-Milizionäre auf einem Pick-up.
Schwerbewaffnete Huthi-Milizionäre auf einem Pick-up.Bild: Yahya Arhab / EPA

Hisbollah, Hamas, Huthis und schiitische Milizen in Irak und Syrien

Der Iran hat viel Zeit und Geld in den Aufbau seiner «Achse des Widerstands» gegen Israel und die USA investiert. Bis zum 7. Oktober konnte die Islamische Republik auf Tausende proiranische Kämpfer im Irak und in Syrien, die hochgerüstete Hisbollah-Miliz im Libanon, die Hamas im Gaza-Streifen und die Huthi-Rebellen im Jemen zählen. Allein die Hisbollah hatte rund 200'000 Raketen in ihren Arsenalen.

Die israelischen Feldzüge in Gaza und im Libanon haben die «Achse» erheblich geschwächt. Die Hamas ist in Gaza eingeschlossen, die Hisbollah hat ihren Anführer Hassan Nasrallah sowie viele Kommandeure und Waffen verloren. Die Verluste seiner Partner machen den Iran mit seiner schlechten Flugabwehr und seiner veralteten Luftwaffe angreifbarer für Militärschläge von Israelis und Amerikanern.

Syrische Arbeiter im Libanon feiern Putin und Assad.
Syrische Arbeiter im Libanon feiern Putin und Assad.Bild: Wael Hamzeh / EPA

Russland und China

Die beiden wichtigsten internationalen Partner des Iran und geopolitischen Gegenspieler der USA kritisieren Israel, sind aber nicht bereit, den Iran militärisch zu unterstützen. Russland verweigert die Lieferung moderner Kampfjets und Flugabwehrsysteme und ruft die Führung in Teheran zur Zurückhaltung in der Auseinandersetzung mit Israel auf. Moskau will seine Beziehungen zu Israel nicht für Teheran opfern. Auch ist ein grosser Krieg in Nahost nicht im russischen Interesse. Dasselbe gilt für China, das viel Öl aus der Region bezieht.

Der saudische Aussenminister Prinz Faisal bin Farhan Al-Saud vor der UNO.
Der saudische Aussenminister Prinz Faisal bin Farhan Al-Saud vor der UNO.Bild: Pamela Smith / AP

Die arabischen Staaten

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), ein Zusammenschluss aus 57 islamischen Staaten, wirft Israel Aggression vor – mehr ist wegen der unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten nicht drin. Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Ägypten wollen nicht in die iranisch-israelische Konfrontation hineingezogen werden. Sie verbitten sich die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf Israel. Anders als beim iranischen Raketenbeschuss auf den jüdischen Staat im April dürften sich die Araber aber bei künftigen iranischen Angriffen nicht an der Abwehr iranischer Geschosse beteiligen.

Antisemitische Demonstrationen vor dem israelischen Konsulat in Istanbul.
Antisemitische Demonstrationen vor dem israelischen Konsulat in Istanbul.Bild: Erdem Sahin / EPA

Türkei, Irak und Syrien

Das muslimische Nato-Mitglied Türkei hat seinen Handel mit Israel aus Protest gegen den Gaza-Krieg gestoppt, droht mit militärischer Unterstützung für die Hamas und lud Palästinenser-Präsident Mahmut Abbas ins Parlament von Ankara ein. Die Türkei verzichtet aber auf einen Abbruch ihrer diplomatischen Beziehungen mit Israel und duldet, dass die USA den Luftwaffenstützpunkt Incirlik für Einsätze in Nahost nutzt.

Für die irakische Regierung ist es selbst ohne Krieg schwierig, zwischen dem Einfluss des Iran und der Notwendigkeit guter Beziehungen zum Westen zu balancieren. US-Truppen im Irak helfen beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, werden aber von proiranischen Milizionären angegriffen.

Syrische und libanesische Familien, die vor den Kämpfen im Libanon nach Syrien geflohen sind.
Syrische und libanesische Familien, die vor den Kämpfen im Libanon nach Syrien geflohen sind.Bild: Youssef Badawi / EPA

In Syrien erlaubt Machthaber Baschar al-Assad den Einsatz iranischer Truppen und proiranischer Milizen in seinem Land. Eingeschränkt wird Assads Unterstützung für den Iran durch Russland, das die Lufthoheit über dem Westen Syriens besitzt. Moskau erlaubt Israel regelmässig Luftangriffe auf iranische Stützpunkte in Syrien. Assad hält sich auch aus dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah heraus, obwohl die Hisbollah seiner Regierung im syrischen Bürgerkrieg geholfen hatte. (aargauerzeitung.ch)

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18 Kommentare
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Verbesserer
01.10.2024 21:11registriert Mai 2020
Ich verstehe ja wenn sich eine Nation vor einem Aggressor verteidigen will, jedoch bin ich überzeugt, dass ein kleines Land wie die Schweiz ihre Ressourcen für eine friedlichere Welt einsetzen sollte, und nicht um vom Elend anderer zu profitieren sondern um die Zukunft aller Menschen für ein besseres Leben in dieser Welt als Zielvorgabe anzusehen und zu handeln.
Aus der Geschichte kann man lernen, dass Aggression und Krieg sich nie für ein Mittel für ein friedliches Zusammenleben eignen.
Wer Macht hat trägt auch eine grosse Verantwortung.
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