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This May 8, 2018 photo released by the Brazilian Environmental and Renewable Natural Resources Institute (Ibama) shows an illegally deforested area on Pirititi indigenous lands as Ibama agents inspect Roraima state in Brazil's Amazon basin. Scientists warn that Brazil's President-elect Jair Bolsonaro could push the Amazon rainforest past its tipping point by  loosening environmental protections, with severe consequences for global climate and rainfall. (Felipe Werneck/Ibama via AP)

Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien ist eine Gefahr für den ganzen Planeten. Bild: AP/Ibama

600 Forscher mahnen EU und Schweizer Banken: Mehr Druck auf Brasilien bei Umweltschutz



Der landwirtschaftliche Boom in Brasilien geht häufig auf Kosten der Umwelt. Präsident Bolsonaro will den Regenwald im Amazonasgebiet noch stärker wirtschaftlich nutzen. Europa soll seine Kaufkraft in die Waagschale werfen, fordern Hunderte Wissenschaftler und Indigene.

Keine Geschäfte um jeden Preis: Hunderte Wissenschaftler und Ureinwohner haben die EU dazu aufgerufen, bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Brasilien auf den Schutz der Umwelt und die Einhaltung der Menschenrechte zu bestehen. «Brasiliens Wälder, Feuchtgebiete und Savannen sind entscheidend für die grosse Vielfalt der indigenen Völker, die Stabilität des globalen Klimas und die Erhaltung der Biodiversität», heisst es in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift «Science». «Wir rufen die EU dazu auf, ihre Chance zu nutzen, um die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.»

Unterzeichnet wurde das Schreiben von über 600 Wissenschaftlern aus EU-Staaten und den Vertretern von zwei Dachorganisationen der brasilianischen Ureinwohner, die rund 300 indigene Völker vertreten. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro will den Schutz des Amazonasgebiets zurückfahren und den Regenwald stärker wirtschaftlich nutzen. Die EU verhandelt seit Jahren mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur über ein Freihandelsabkommen. Die Gespräche gelten allerdings als festgefahren. Uneinigkeit herrscht vor allem im Bereich der Landwirtschaft.

epa07475382 Brazilian President Jair Bolsonaro attends a welcoming ceremony at Ben Gurion International Airport near Tel Aviv, Israel, 31 March 2019. Jair Bolsonaro arrived for a four-day official visit to Israel.  EPA/ABIR SULTAN

Jair Bolsonaro: Der neue Präsident Brasiliens will den Umweltschutz zurückfahren. Bild: EPA/EPA

Durch Handel mitverantwortlich

Durch den Import landwirtschaftlicher Produkte sei die EU mitverantwortlich für die grossflächige Abholzung in Brasilien, hiess es in einer Erklärung der Unterzeichner des offenen Briefs. «Wir wollen, dass die EU aufhört, Abholzung zu importieren und stattdessen ein Vorbild für nachhaltigen Handel wird», sagte Laura Kehoe von der Universität in Oxford laut einer Mitteilung.

Der brasilianische Wissenschaftler Tiago Reis sagte: «Das Zeitfenster, um desaströse Folgen des Klimawandels zu vermeiden, schliesst sich. Die Schulstreiks und Klima-Proteste in Europa haben gezeigt, dass wir nicht länger bereit sind, Produktionsweisen hinzunehmen, die Klimawandel verursachen.»

Die Entwaldung bedrohe viele Arten, setze grosse Mengen an Kohlendioxid frei, und sie gefährde die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung, sagte Tobias Kümmerle von der Humboldt-Universität in Berlin. «Wir sollten auch beim Import von Agrarprodukten höhere Standards in Bezug auf Umwelt und Menschenrechte anlegen, da diese Produktion erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaften in den Herkunftsländern hat.»

Die Nichtregierungsorganisation Amazon Watch warf ihrerseits Unternehmen aus Europa und den USA vor, durch ihre Geschäftsbeziehungen nach Brasilien die Abholzung des Regenwaldes zu befeuern. «Unsere Untersuchung zeigt, wie die globalen Märkte die schlimmsten Akteure der brasilianischen Landwirtschaft stützen», sagte Christian Poirier von Amazon Watch. «Sie unterstützen brasilianische Firmen, die für die zunehmende Abholzung und den Anstieg von Menschenrechtsverletzungen gegen die indigenen Gemeinschaften und die Landbevölkerung verantwortlich sind.»

Kredite von Schweizer Banken

Die niederländische Nichtregierungsorganisation Profundo hat die Geschäftsbeziehungen von 56 wegen Umweltvergehen in Brasilien verurteilte Firmen analysiert. Zu den Kunden der Umweltsünder gehören demnach Unternehmen in den USA, Kanada und Europa. Zudem sollen laut dem Bericht Banken aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA die brasilianischen Firmen mit Krediten versorgen.

«Wir benötigen Hilfe, damit die Dinge sich ändern», sagte die Koordinatorin der indigenen Dachorganisation APIB, Sônia Guajajara. «Wir rufen die internationalen Konsumenten dazu auf, landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien zu boykottieren, bis sich die brasilianische Regierung des Schutzes des indigenen Landes annimmt, und etwas gegen die Gewalt gegen Ureinwohner tut. Wir wollen Frieden, damit unsere Leute ein gutes und würdiges Leben führen können.» (sda/dpa)

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Schläpfer 26.04.2019 02:51
    Highlight Highlight Danke für diesen Artikel!
  • Posersalami 25.04.2019 23:14
    Highlight Highlight Die Forderungen an Brasilien sind für sich genommen richtig.

    Aus dem entwickelten Europa heraus sagt sich das sehr einfach. Auch wir haben weite Teile unserer Umwelt irgendwie transformiert und bewirtschaften jeden m2, der bewirtschaftet werden kann. Wir müssen Brasilien dafür bezahlen, dass sie den Wald stehen lassen! Dort kommt man eben sehr einfach an Ressourcen, die man zu Geld machen kann. Da gibts halt oft nichts anderes.

    Der Vorschlag klingt erstmal komisch, ist mir klar. Aber denkt mal drüber nach.
  • Walser 25.04.2019 21:54
    Highlight Highlight Schuldig ist als letztes die Brasilianische Bevölkerung. Sondern die korrupte Regierung, die skrupellosen Unternehmungen, die helfenden westlichen Banken und die ignoranten Konsumenten. Vorab im Westen.
    • Posersalami 25.04.2019 23:17
      Highlight Highlight Brasilien will sich entwickeln, der Regenwald würde unter jeder anderen Regierung auch abgeholzt werden. Halt vielleicht etwas langsamer, aber darauf kommt eigentlich nicht an.

      Wir sollten Brasilien dafür entschädigen, wenn sie ihre Ressourcen dort nicht verwerten, sondern dort belassen, wo sie sind. Schau dir doch Deutschland oder die Schweiz mal an. Wie viel "Amazonas" haben wir denn stehen lassen? Wir geben ja jetzt sogar Geld aus, den "Amazonas" teilweise zurück zu holen..
  • PrivatePyle 25.04.2019 21:09
    Highlight Highlight Die Brasilianer machen nichts anderes als wir Europäer in Europa und Nordamerika (viel radikaler) gemacht haben. Also shut up EU!
    • rundumeli 25.04.2019 21:19
      Highlight Highlight wohl wahr , dass europäer vor hunderten jahren unschuldige gesteinigt haben ... aber überhaupt kein grund, nun den gleichen scheiss nachzumachen ... kapiert ?!
    • PrivatePyle 25.04.2019 21:52
      Highlight Highlight rundumeli
      Das ist etwas völlig anderes.
      DU hast nicht kapiert, dass es in unseren Breitengraden keinerlei natürlichen Lebensräume wie Urwälder mehr gibt. Und wenn es sie gäbe, würden wir (heute noch) dasselbe machen wie die Brasilianer. Siehe Polen.
      Brasilien muss sich ausserdem noch weiterentwickeln, da ist es schon unerträglich arrogant vom hochentwickelten Westen (der tonnenweise Soja und Rindfleisch importiert) Schutz für den Amazonas einzufordern.
      Darum nochmals. Wir sind keineswegs in der Position unsere Klappe aufzumachen. Ob es dir nun passt oder nicht!
    • Johnny Marroni 25.04.2019 22:39
      Highlight Highlight @amorosa:
      Doch, sind wir sehr wohl. Es ist eine höchst schwache Einstellung, zu behaupten es sei nötig, dass Brasilien die selben Fehler macht wie wir. Wir sollten als menschliche Rasse zusammen stehen und alles tun, um unseren Planeten zu erhalten - das heisst auch, dass wir die Welt als Ganzes betrachten müssen, anstatt zwischen Ländern zu vergleichen und nach vermeintlicher Gerechtigkeit zu suchen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thurgauo 25.04.2019 20:56
    Highlight Highlight Wir als Hauptverursacher sollten uns auch selbst an der Nase nehmen. Vielleicht sollte Brasilien von uns verlangen weniger CO2 zu produzieren!
  • Borki 25.04.2019 20:37
    Highlight Highlight Es ist schon sehr einfach, aus dem reichen und entwickelten Europa heraus die Brasilianer aufzufordern, ihr halbes Land unter Naturschutz zu stellen. Und selber kommen wir nur sehr langsam voran, mindestens 10% der Waldfläche unter Schutz zu stellen.

    Natürlich befürworte ich alles, was das Amazonasgebiet zu erhalten hilft. Aber neben dem geforderten Druck des wirtschaftlich Stärkeren gegenüber dem Schwächeren wäre auch einmal konkrete Hilfe angebracht. Eine Art globale Subventionierung für den Erhalt von Regenwald.
    Jaja, völlig unrealistisch. Ich weiss. Aber träumen muss man ja!
    • paco95 25.04.2019 21:13
      Highlight Highlight Der schweizer Wald wächst schneller als wir ihn abholzen. Auch leben darin keine Ureinwohner. Brasilien hat nun mal eine gewisse Verantwortung bekommen indem sie den Grossteil des Amazonas beheimatet.
      Leute wie Bolsonaro schei***en Quasi auf alle nachfolgenden Generationen, nur um irgend einen Prozentsatz zu erhöhen
    • Borki 25.04.2019 21:51
      Highlight Highlight Ja klar, dem Schweizer Wald geht es +/- gut. Schliesslich kümmern sich ja ausgewiesene Profis darum ;-) .

      Fakt ist aber, unsere Vorfahren haben weit mehr als 2/3 des Waldes gerodet und damit den Grundstein für unser Land gelegt. (Inzwischen wurde zum Glück wieder ein Teil aufgeforstet).
      Und wenn jetzt knapp 120 Jahre später die Brasilianer etwas ähnliches machen, zeigen wir mit dem Finger auf sie und wollen drohen.

      Ich finde das extrem arrogant.

      PS: Ich glaube unsere Meinungen über Bolsonaro sind dafür ziemlich ähnlich...
    • paco95 25.04.2019 22:18
      Highlight Highlight Ich hoffe du siehst aber auch ein, dass uns vor 120 Jahren noch nicht bewusst war welche Folgen das Abholzen des Waldes auf das Klima und die Luftqualität hat.
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