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Österreich

Grossglockner-Prozess: Mann liess Freundin an Berg zurück – schuldig

Prozess um Grossglockner-Tod – Freund schuldig gesprochen

19.02.2026, 15:2319.02.2026, 22:50

Nach dem Erfrierungstod einer jungen Frau auf dem Grossglockner in Österreich ist ihr Freund und Kletterpartner wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Der Richter am Landesgericht Innsbruck verhängte eine fünfmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe.

Kals am Grossglockner THEMENBILD - Grossglockner Glockner, h
Das Paar war im Januar 2025 aufgebrochen um den Grossglockner zu besteigen.Bild: www.imago-images.de

Die 33-jährige Frau und ihr heute 37 Jahre alter Freund waren im Januar 2025 auf den höchsten Berg Österreichs gestiegen. Die völlig entkräftete Frau starb in der Nacht bei eisigem Wind knapp unterhalb des 3.798 Meter hohen Gipfels, während der Mann versuchte, Hilfe zu holen.

Zu Beginn des Prozesses hatte sich der Angeklagte mit einem emotionalen Statement an den Richter gewandt. Er wolle sagen, «dass es mir unendlich leid tut, was passiert ist, und wie es passiert ist». Er bekannte sich vor dem Landesgericht Innsbruck aber nicht schuldig.

Freundin blieb knapp unter dem Gipfel zurück

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, er habe seine Partnerin in der Nacht «schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert» knapp unterhalb des 3.798 Meter hohen Gipfels zurückgelassen. Aus Sicht des Anklägers beging der Alpinist eine Reihe schwerer Fehler.

Der Staatsanwalt sprach von mangelhafter Planung und Ausrüstung, von einer versäumten Umkehr trotz eisigen Windes, und von einer viel zu späten Alarmierung der Rettungskräfte in der Nacht.

Ex-Freundin: Wurde auch am Grossglockner alleine gelassen

Eine Ex-Freundin des Angeklagten sagte aus, dass er sie einmal auf einer anderen Route auf dem Grossglockner alleingelassen habe, weil sie zu langsam vorangekommen sei und weil sich die beiden über die Route gestritten hätten. «Dann war er auf einmal weg», sagte sie. «Es war mitten in der Nacht, meine Stirnlampe ist ausgegangen, ich war am Ende meiner Kräfte», schilderte die Zeugin.

Scenic view of snow-covered mountain and winding road Breathtaking view of the snow-covered Grossglockner High Alpine Road winding through majestic mountains, showcasing a stunning national landmark i ...
Am Grossglockner herrschten an dem Tag gefühlte minus 20 Grad.Bild: www.imago-images.de

Der Angeklagte betonte im Prozess, dass seine Anfang 2025 am Grossglockner gestorbene Freundin ebenfalls begeisterte Bergsteigerin und sehr sportlich gewesen sei. «Wir haben die Tour immer gemeinsam geplant und die Entscheidungen gemeinsam getroffen», sagte der 37-Jährige.

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In den Bergen Österreichs passieren pro Jahr durchschnittlich rund 8'400 Unfälle. (Symbolbild)Bild: MAMMUT

Angeklagter brachte sich Bergsteigen selbst bei

Der 37-Jährige verfügte über grosse Erfahrung mit anspruchsvollen alpinen Bergtouren. Sein Wissen hat er sich allerdings nicht in Kursen angeeignet, sondern direkt am Berg und durch Online-Videos. Seine Freundin war ebenfalls viel in den Bergen unterwegs, doch sie hatte kaum Erfahrung mit hochalpinen Touren im Winter, wie der Richter betonte. (sda/dpa)

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sor diac
19.02.2026 15:51registriert März 2014
Ich war auch schon dort oben, würde mich jetzt aber nicht als sehr erfahren bezeichnen. Trotzdem denke ich, dass hier viele Fehler gemacht wurden, die selbst ich haarsträubend finde. Von Vorbereitung über Aufstieg, über Ausrüstung bis zum Verhalten am Limit. Im Spiegel hatte es einen tollen Artikel mit den Fakten. Als erfahrenerer und leistungsfähigerer Alpinist hätte der Mann alles seiner Freundin anpassen müssen. Er kann schon sagen, sie trafen alle Entscheidungen gemeinsam. Aber er musste wissen, dass diese Entscheidungen falsch waren, sie nicht zwingend.
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Neruda
19.02.2026 16:39registriert September 2016
Meine Freundin ist total erschöpft, die Besteigung geht schon viel zu lange und es ist bereits dunkel, aber nein, ich brauche sicher keine Hilfe des Rettungshelikopters, der über mir schwebt 🤦

Allerdings hätte die Bergwacht, wenn das möglich ist, jemand runterlassen können. Oder wieviel Bergsteiger machen am Abend im Dunkeln noch Touren?
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