International
Reisen

Vulkan-Ausbruch in Island: 7 Fragen und Antworten

epa11037005 Onlookers gather to watch the lava flow after a volcanic eruption near the town of Grindavik, Reykjanes peninsula, Iceland, 19 December 2023. The start of a volcanic eruption was announced ...
Schaulustige, die dem behördlichen Rat nicht folgen.Bild: keystone

Was du nach dem Vulkanausbruch wissen willst

Am Montag kam es zum lange erwarteten Vulkanausbruch auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
19.12.2023, 16:5619.12.2023, 17:01
Mehr «International»

Ist der Flugverkehr beeinträchtigt?

Nein. Der Flughafen Zürich sagte auf Anfrage von watson:

«Heute sind gemäss regulärem Flugplan keine Flüge nach Island geplant. Morgen fliegen Icelandair und Edelweiss beide nach Keflavik. Aktuell sind diese Flüge regulär geplant.»

Fachleute beruhigen: Die aktuellen Eruptionen haben im Gegensatz zum Ausbruch des Eyjafjallajökull eine «nur geringe Ascheproduktion», sagt Dave McGarvie, Vulkanologe an der University of Lancaster, gegenüber dem Merkur. Generell seien die Vulkane auf der Reykjanes-Halbinsel «nicht in der Lage, die gewaltigen Aschewolken zu erzeugen, die den Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 kennzeichneten.»

Auch die isländische Regierung teilte mit, dass der Flugverkehr von und nach Island nicht beeinträchtigt sei. Der Flughafen Keflavik sei weiterhin gut zu erreichen.

Ist die Ortschaft Grindavik gefährdet?

Bereits im November wurde die Stadt für einige Zeit evakuiert, da die Erde immer wieder gebebt hatte. Ein unterirdischer Spalt hatte sich mit Magma gefüllt, es stieg vorübergehend bis auf 500 Meter unter die Erdoberfläche, riss ganze Strassenzüge auf und zerstörte Häuserwände in Grindavik.

People watch as the night sky is illuminated caused by the eruption of a volcano in Grindavik on Iceland's Reykjanes Peninsula, Monday, Dec. 18, 2023. (AP Photo/Marco Di Marco)
Menschen beobachten das aus dem Boden strömende Lava.Bild: keystone

Wie es scheint, ist die Lage für die Bevölkerung bisher relativ sicher: Die Lava fliesst derzeit nicht in Richtung der Häuser, sondern in östlicher und nördlicher Gegenrichtung. Problematisch könnte es jedoch werden, wenn sich der Erdspalt noch weiter in Richtung Süden öffnen würde. Denn nicht weit vom Vulkan entfernt liegt ein Kraftwerk, das die gesamte Halbinsel Reykjanesskagi mit Strom und Wasser versorgt.

Der Bürgermeister von Grindavik, Fannar Jonasson, sagte dem Rundfunksender RUV, dass es den evakuierten Einwohnern des Ortes den Umständen entsprechend gut gehe. Glücklicherweise seien die Krater, die Grindavik am nächsten gelegen sind, erloschen. Es bestehe im Moment also keine grosse Gefahr für den Ort, meinte Jonasson. Dennoch seien viele Einwohner enttäuscht, dass sie Weihnachten nicht zu Hause feiern könnten.

Was ist am Ausbruch speziell?

Der gängigen Vorstellung von einem Vulkanausbruch – ein riesiger Krater, aus dem Lava quillt – entspricht die Eruption bei Grindavik nicht gerade. Vielmehr zieht sich nördlich des kleinen isländischen Fischerortes eine kilometerlange Vulkanspalte, aus der stellenweise hohe Lava-Fontänen sprudeln. An anderen Stellen ähnelt das Schauspiel – aus der Luft betrachtet – einem glutroten Flussdelta.

Mittlerweile hat der Vulkanausbruch bei Grindavik etwas an Stärke abgenommen, wie Geowissenschaftler Magnus Tumi Gudmundsson am Dienstagmorgen dem Sender RUV sagte. Es fliesse aber weiterhin eine beträchtliche Menge an Lava. Gudmundsson erklärte im Fernsehen, dass schon wenige Stunden nach Beginn der Eruption nördlich von Grindavik ungefähr doppelt so viel Lava ausgetreten sei wie beim jüngsten Vulkanausbruch im Sommer dieses Jahres.

Kann ich den Vulkanausbruch beobachten?

Nein, das solltest du eher nicht. Hjördis Gudmundsdottir von der isländischen Zivilschutzbehörde rief Isländer und Touristen dazu auf, sich bei der aktuellen Eruption vom Vulkangebiet fernzuhalten. Im isländischen Fernsehen sagte sie, sie könne gut verstehen, dass die Leute das Naturspektakel sehen wollten. Der Vulkan sei aber gross und im Vergleich zum letzten Ausbruch sehr aktiv. Die Polizei warnte auf Facebook vor giftigen Gasen, die im Vulkangebiet austreten könnten.

Wie steht es um die Blaue Lagune?

Wegen des drohenden Vulkanausbruchs war die Touristenattraktion wochenlang geschlossen. Am vergangenen Wochenende wurde sie wieder geöffnet ... nur, um jetzt wegen des Ausbruchs abermals geschlossen zu werden.

blue lagoon
Die Blaue Lagune ist ein beliebtes Touristenziel.Bild: Shutterstock

Wie lange wird der Ausbruch noch andauern?

Er könnte etwa eine Woche oder gar bis zu zehn Tage andauern. Doch die Intensität nahm bereits nach wenigen Stunden ab.

In der Vergangenheit dauerten sie aber auch schon mal länger. 2021 etwa gab es in der Region während eines halben Jahres vulkanische Aktivität, wenn auch nicht im jetzigen Ausmass. Auch 2022 gab es eine drei Wochen anhaltende Eruption.

Gibt es Auswirkungen auf die Umwelt?

Laut Forschenden der Universität Islands werde der Ausbruch für folgenreiche Luftverschmutzung sorgen, sollte die jetzige Intensität anhalten. Doch laut Wetterbericht treibt der für die nächsten Tage angekündigte Nord- bzw. Nordwestwind die Aschewolke von bewohnten Gebieten weg.

(rbu/sda/dpa/watson.de)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Island ist einfach anders als andere Länder – und schöner!
1 / 95
Island ist einfach anders als andere Länder – und schöner!
Hier eine etwas andere Kirche:
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Drohne filmt Vulkanausbruch und schmilzt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
«Keine Hoffnung auf Heilung»: Tschetschenen-Chef Kadyrow gemäss Bericht schwer krank

Infolge eines Medienberichts sind in Russland Gerüchte um den Gesundheitszustand des Machthabers der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, wieder aufgeflammt.

Zur Story