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Russland

Moldau: Russlands Einflussnahme und die Rolle der Region Gagausien

Putin versucht Moldau zu unterwandern – diese Frau hilft ihm dabei

Gagausien ist eine kleine, autonome Region in Moldau. Doch sie spielt eine Rolle bei Versuchen des Kreml, das Land zu destabilisieren.
21.04.2024, 05:29
Thomas Wanhoff / t-online
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t-online

Eine autonome Region in Moldau ist Schauplatz neuer Nadelstiche des Kreml gegen die Regierung in der Hauptstadt Chișinău. Das prorussische Gagausien hat sich an das Parlament von Moldau gewandt und verlangt, der russische Sprache den besonderen Status einer «interethnischen Sprache» zu verleihen.

Russian President Vladimir Putin and Yevgenia Gutsul, the head of Moldova's autonomous region of Gagauzia, pose for a photo during the World Youth Festival at the Sirius Park of Science and Art o ...
Jevgenia Gutsul, Gouverneurin von Gagausien, bei einem Treffen mit Wladimir Putin.Bild: keystone

Dahinter steckt, so schätzen unter anderem die Experten des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien ein, eine auch gegenüber der Ukraine angewandte Taktik. Der Krems hatte gegenüber Kiew immer wieder behauptet, die russischsprachige Bevölkerung werde diskriminiert.

Da eine Ablehnung des Antrags im Moldauer Parlament wahrscheinlich ist, wird die Regierung schon jetzt als russenfeindlich dargestellt. Entsprechend äusserte sich die kremlnahe Gouverneurin von Gagausien, Jevgenia Gutsul, laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Sie bezeichnete das moldauische Parlament als «russophob».

Neben der abtrünnigen prorussischen Region Transnistrien ist auch Gagausien weitgehend von russischer Kultur und Politik beeinflusst, die meisten Menschen lesen russische Medien, die Amtssprache Rumänisch wird immer weniger gesprochen. Etwa 160'000 Menschen leben dort. Nationalistische Kräfte der Gagausen befürchten, dass Moldau an Rumänien angegliedert wird. Bei einem Referendum stimmten 2014 98 Prozent für engere Bindung an Russland. Die Region ist laut der moldauischen Verfassung autonom und hat eine eigene Verwaltung, ist aber Teil des moldauischen Staates.

Lawrow beschuldigt Westen

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den Angriffskrieg gegen die Ukraine unter anderem auch damit begründet, dass diese teilweise eigentlich russisch sei. Sein Aussenminister Sergej Lawrow beschuldigte in einem Radiointerview mit russischen Staatsmedien am Freitag den Westen, die moldauische Präsidentin Maia Sandu dazu gebracht zu haben, «Moldawien offen in die Nato zu ziehen, entweder direkt oder durch eine Vereinigung mit Rumänien».

Lawrow beklagte auch, dass der Westen dasselbe mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getan habe. Der Vergleich mit der Ukraine dürfte dabei auch als Warnung gemeint sein. Ähnliche Anschuldigungen hatte es kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gegeben.

Und dann kam die – wenn auch verhohlene – Drohung Lawrows: Er kritisierte die «Annäherung der Republik Moldau an den Westen und forderte auf, diese Entscheidungen zu überdenken. Der Westen würde die Bürger zwingen, in einem möglichen künftigen Krieg gegen Russland zu kämpfen». Damit bedient Lawrow ein immer wieder benutztes Narrativ der russischen Propaganda: Der Westen wolle Russland angreifen.

Dabei ist es Russland, das in der Provinz Transnistrien, deren Machthaber sich von Moldau losgesagt haben, dauerhaft etwa 1'500 Soldaten stationiert hat. Ende Februar bat das Parlament der international nicht anerkannten Region um «Schutz aus Russland». Der Westen hat das Spiel durchschaut. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock hat Anfang April der Republik Moldau die weitere Unterstützung Deutschlands zugesichert. «Wir stehen seit zwei Jahren fest an eurer Seite», sagte Baerbock am Dienstag anlässlich des Besuchs ihres moldauischen Amtskollegen Mihai Popsoi in Berlin. «Kein Land ist der Hinterhof von irgendjemandem. Ihr gehört zu Europa.»

Das amerikanische ISW sieht in den russischen Äusserungen und dem Antrag in Gagausien eine taktische Drohung. Sie sei ein Mittel Russlands, die Gesellschaft in Moldau zu destabilisieren, die demokratische Regierung zu attackieren und eine Mitgliedschaft in der EU zu verhindern.

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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StereoFM
21.04.2024 08:47registriert April 2018
Fragt euch, wie sehr Putins Schergen, die Schweiz unterwandert haben. Die Oligarchen Prinzessinen und Prinzen (inkl. Putins Kinder und Ballerina mit CH Pässen versorgt) dürfen sich hier frei bewegen,Ferien in St. Moritz machen auch wenn sie auf Sanktionslisten stehen. Russische Oligarchen Gelder ca. 300 MRD hier, werden nur 20Mrd. zum Schein eingefroren. Lassen nicht mal unsere Verbündeten in der CH gekauft Fzg., Granaten oder Ähnliches an die 🇺🇦 liefern. Einziger Vorteil der CH, dass es uns Wirtschaftlich gut geht und weder die franz. Schweiz noch das Tessin sich abspalten will.
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postwardesert
21.04.2024 08:53registriert Juni 2018
Was mich an den Russen so aufregt, ist dass sie immer noch in Einflusssphären denken. Damit gewähren sie nur den grossen Ländern eine gewisse Autonomie, die kleineren Länder haben per Definition nichts zu sagen und werden unter den Grossmächten aufgeteilt, und das halten sie für völlig normal. Deswegen verstehen sie auch nicht, dass die Ukraine und auch Moldawien auf eigenen Wunsch in die NATO eintreten möchten. In Russland ist das individuelle Wohlergehen irrelevant, was zählt, ist die Grösse und Macht des Landes.
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YvesM
21.04.2024 10:18registriert Januar 2016
Das gleiche Muster, wie in der Ukraine und Georgien. Und es gibt immer noch Leute, die der Meinung sind, dass Putin nur einen „kleinen“ Teil der Ukraine will.
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