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Warum das Ferienhaus eines russischen Oligarchen Schwedens Militär beunruhigt

Warum das Ferienhaus eines russischen Oligarchen Schwedens Militär beunruhigt

Ein russischer Geschäftsmann mit Verbindungen zum Kreml besitzt ein heikles Ferienhaus südlich von Stockholm. Die Lage ist ideal, um die schwedische Marine zu beobachten.
08.01.2023, 15:0708.01.2023, 15:13
Niels Anner, Kopenhagen / ch media
Schwedens Inseln sind ein Ferienparadies. Auf einer strategisch heiklen steht ein umstrittenes Ferienhaus eines reichen Russen.
Schwedens Inseln sind ein Ferienparadies. Auf einer strategisch heiklen steht ein umstrittenes Ferienhaus eines reichen Russen.Bild: Shutterstock

Stanislav Aleshchenko ist kein Oligarch, der mit Reichtum protzt. Der 50-Jährige lebt lieber unauffällig. Ihm gehören laut der schwedischen Zeitung «Expressen» diverse Firmen, die mit dem Kreml gute Geschäfte machen – von Spezialkleidung bis zu Technologie für Kernwaffen.

Doch der Russe, der auch die bulgarische und zypriotische Staatsbürgerschaft besitzt, hat auch eine Vorliebe für Schweden: Er besitzt teure Wohnungen in Stockholm sowie ein Ferienhaus auf den Schäreninseln südlich der Hauptstadt. Dieses liegt idyllisch auf der Insel Muskö – in unmittelbarer Nähe zu einem der Hauptquartiere der schwedischen Marine.

Stanislav Aleshchenko.
Stanislav Aleshchenko.bild: zvg

Mit der ungestörten Aussicht hat man von dem Grundstück sehr guten Überblick über die Wasserwege von und zur Marinebasis Muskö, in der sich in den Fels gesprengte U-Boot-Docks und Hafenanlagen befinden. «Hier will man keinen Russen mit Verbindungen zum Kreml haben», sagte ein nicht namentlich genannter Militär-Experte gegenüber «Expressen». Gemäss der Zeitung wird auf dem Grundstück im Moment eine moderne Villa errichtet.

Spionage, Cyberangriffe und Drohnen über Atomkraftwerken

Die Bedrohung in der Ostsee durch Russland und der angestrebte Nato-Beitritt haben Schwedens militärische Abwehr seit längerem in Alarmbereitschaft versetzt. Vom Kreml gesteuerte Spionage und Cyberangriffe beschäftigen die Geheimdienste. Letztes Jahr erregten Drohnenflüge über mehrere Atomkraftwerken Aufsehen, und Spezialeinheiten verhafteten mehrere mutmassliche russische Spione.

Solchen konkreten Verdacht gibt es gegen Aleshchenko bisher nicht. Doch die schwedische Militärführung erklärte, man sehe russischen Immobilienbesitz in der Nähe von Militär-Anlagen als problematisch an. Geheimdienst-Quellen deuteten laut «Expressen» zudem an, dass man Aleshchenko auf dem Radar habe.

Steuerrechnung über 19 Millionen Franken

Bekannt geworden ist der Russe jetzt aufgrund einer spektakulären Untersuchung der Steuerbehörden, in die die Zeitung Einblick erhielt. Aleshchenko hat kurz vor Weihnachten eine Steuerrechnung über nicht weniger als umgerechnet 19 Millionen Franken erhalten – zahlbar innert vier Wochen. Die Behörden werfen dem 50-Jährigen vor, während Jahren Steuern hinterzogen zu haben, weil er nicht in Schweden gemeldet war, sich aber zu grossen Teilen der Zeit hier aufhielt.

Der Fall erinnert an den russischen Millionär Pavel Melnikov, der in Finnland eine Reihe Immobilien an der Küste und auf Inseln erwarb. Diese liegen an strategisch wichtigen Orten, in der Nähe von Militär-Anlagen oder Datenkabeln. 2018 stürmten Hunderte Polizisten, unterstützt vom Militär, 17 Häuser. Melnikov ist nun der Steuerhinterziehung angeklagt, doch der Fall führte zu einer Debatte über die Risiken, die von russischen Grundstückbesitzern ausgehen.

Seit 2020 müssen Ausländer von ausserhalb der EU beim finnischen Verteidigungsministerium eine Erlaubnis beantragen, bevor sie Immobilien erwerben. Norwegen hat ebenfalls ein solches Gesetz, Schweden jedoch nicht. Kreml-Freund Stanislav Aleshchenko dürfte vorerst die Aussicht von seinem Ferienhaus weiter geniessen können – vorausgesetzt er bezahlt seine Nachsteuern. (bzbasel.ch)

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