International
Russland

Assad, Janukowitsch, Honecker: Wer schon in Moskau Asyl erhielt

Die WG des Schreckens: Assad ist nicht der Erste, der in Moskau Asyl erhält

Assads Diktatur wurde zerschmettert, Unterschlupf findet er in Russland in einem Nobelquartier bei Moskau. So wie andere Despoten, Diktatoren und Putin-Versteher sich Russland zur neuen Heimat machen.
11.12.2024, 21:21
Bruno Knellwolf / ch media
Mehr «International»

Innert weniger Tage zerbrach das Reich des Diktators Baschar al-Assad. 24 Jahre lang hatte er Syrien im Würgegriff. Den ersten Putschversuch vor zwölf Jahren konnte er dank der russischen Raketen und Bomben noch abwehren, nun ist die 56-jährige Herrschaft der alevitischen Familie Assad vorbei.

FILE - Syrian President Bashar Assad, left, and Russian President Vladimir Putin shake hands during their meeting in Moscow, July 24, 2024. (Valery Sharifulin, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP, File ...
Befreundete Diktatoren und Kriegsverbrecher lässt man nicht hängen: Assad findet bei Putin Unterschlupf.Bild: keystone

«Aus humanitären Gründen» hat Wladimir Putin dem 59-Jährigen Asyl gewährt. Damit gibt der russische Präsident seinen verbündeten Despoten immerhin das Zeichen, dass sie am Ende ihrer Schreckensherrschaft noch ein sicheres Plätzchen in Russland finden. Assad und seine Familie befinden sich damit in «guter» Gesellschaft, er ist nicht der erste Despot, der an nobler Adresse nahe bei Moskau im Dorf Barwija Unterschlupf erhalten hat. Eine Übersicht:

Viktor Janukowitsch

Seine Moskau-hörige, von kriminellen Geschäftsinteressen geleitete Politik löste die ukrainische Revolution aus. Nachdem der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch im November 2013 die Unterzeichnung eines Abkommens mit der EU verweigert hatte, demonstrierten in der Ukraine Hunderttausende für einen proeuropäischen Kurs des Landes. Im Februar 2014 spitzten sich die gewaltsamen, tödlichen Auseinandersetzungen zu.

Am 22. Februar 2014 floh Janukowitsch unter dem Druck der Maidan-Proteste aus Kiew nach Moskau ins Nobelquartier Barwija. Vermutlich mithilfe der auf der Krim stationierten russischen Schwarzmeerflotte. In der Ukraine wurde der 73-Jährige in Abwesenheit wegen Landesverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt. Anscheinend wollte Putin Janukowitsch nach einer schnellen Invasion Kiews wieder als Präsident der Ukraine einsetzen. Allerdings nur als zweite Wahl hinter dem Oligarchen Viktor Medwedtschuk, der aber im Gefängnis sass. Doch aus dem schnellen Sieg der Russen wurde nichts, und der aus Donezk stammende fortgejagte Präsident ist immer noch in Moskau.

FILE - In this March 2, 2018 file photo, former Ukraine President Viktor Yanukovych gestures as he speaks at a news conference in Moscow. A court in the Ukrainian capital Kiev on Thursday Jan. 24, 201 ...
Der ehemalige Präsident der Ukraine: Viktor Janukowitsch.Bild: AP/AP

Mykola Asarow

Mit Janukowitsch flüchtete 2014 auch dessen Ministerpräsident Mykola Asarow. Zuerst nach Wien, wo ein Teil seiner Familie immer noch «in Saus und Braus» lebt, wie im österreichischen «Standard» Anfang dieses Jahres zu lesen war. Asarow selbst lebt seither in Moskau. Im Januar 2024 hat die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft gegen den geflüchteten Ex-Regierungschef Mykola Asarow Anklage wegen Kollaboration mit Moskau und Diskreditierung des Landes erhoben. Er habe zur «Entnazifizierung» der Ukraine aufgerufen und das Massaker von Butscha geleugnet.

Bildnummer: 54532676 Datum: 13.10.2010 Copyright: imago/Xinhua
((101013) -- BRUSSELS, Oct. 13, 2010 (Xinhua) -- Ukrainian Prime Minister Mykola Azarov presents a media conference after his meeting wit ...
Mykola Asarow.Bild: IMAGO / Xinhua

Slobodan Milosevic

Janukowitsch wurde in Barwija zum Nachbarn der Familie des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Auch der «Schlächter des Balkans» genannt, weil er wesentlich den Bürgerkrieg und 1995 den Massenmord in Srebrenica verantwortete. Im April 2001 wurde er in Belgrad verhaftet und in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, wo er 2006 im Gefängnis starb. Sofort nach der Verhaftung hatten sich seine Frau Mira Markovic, sein Sohn Marko sowie sein Bruder Borislav Milosevic in Moskaus Nobelquartier niedergelassen. Markovic starb 2019 in Sotschi.

FILE - In this Thursday, Feb. 14, 2002 file image taken from TV, former Yugoslav President Slobodan Milosevic gestures during the U.N. war crimes tribunal at The Hague, The Netherlands. After nearly a ...
Slobodan Milosevic.Bild: AP/ICTY

Askar Akayev

Asyl in der vornehmen Siedlung westlich von Moskau fand auch der Präsident Kirgistans, Askar Akayev. Er ist nicht nur der erste unabhängige Präsident Kirgisistans, sondern auch der erste Präsident, der durch eine Volksrevolution abgesetzt wurde. Das geschah 2005 in der Tulpenrevolution, der ersten von drei Revolutionen der letzten Jahrzehnte in der ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepublik. Der ausgebildete Mathematiker und Physiker Akajew huldigte in der russischen Hauptstadt der Wissenschaft. 2021 durfte er aus dem Exil zurückkehren.

Bildnummer: 54947830 Datum: 26.05.1997 Copyright: imago/sepp spiegl
Präsident Askar Akajew (Kirgisistan) in Bischkek 1997 people politik KG quer Porträt

Bildnummer 54947830 Date 26 05 1997 Copyright  ...
Askar Akayev, erster Präsident Kirgistans.Bild: IMAGO / sepp spiegl

Aslan Abaschidse

Ebenfalls bei Putin Asyl erhalten hat Aslan Abaschidse, der Führer der Region Ajaria in Georgien. Dort hatte Michail Saakaschwili 2003 die Rosenrevolution angeführt und Abaschidse bekämpfte darauf 2004 die georgische Regierung in Tiflis. Nach Beilegung des Machtkampfes holte ihn der damalige Bürgermeister von Moskau, Juri Luschkow, am 6. Mai 2004 mit seinem Privatflugzeug ab.

Adzharian leader Aslan Abashidze speaks to the media Wednesday night, May 5, 2004 in the regional capital of Batumi. Abashidze resigned and left for Russia on Thursday, May 6, 2004, after a monthslong ...
Aslan Abaschidse floh 2004 nach Moskau.Bild: AP

Erich Honecker

Erich Honecker, Diktator der DDR, flüchtete 1991 mit seiner Frau Margot nach der Wiedervereinigung Deutschlands in die damalige Sowjetunion. Damit wollte er der Strafverfolgung entgehen. Von einem sowjetischen Stützpunkt aus flogen sie nach Moskau, um politisches Asyl zu erhalten. Doch die Sowjetunion war im Umbruch, Michail Gorbatschow und Boris Jelzin rangen um die Macht, bevor die UdSSR im Dezember endgültig zerfiel. Da hatte es keinen Platz für den ehemaligen deutschen Kommunistenführer. Jelzin lieferte das Paar 1992 wieder an Deutschland aus. Erst Anfang 1993 konnte er nach Chile ausreisen, wo er 1994 starb.

Erich Honecker Portrait des DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Generalsekretärs Erich Honecker beim SED-Parteitag in Ost-Berlin, April 1986., Copyright: UnitedxArchivesxSvenxSimon Nur redaktionelle Nu ...
DDR-Partei- und Staatschef Erich Honecker.Bild: www.imago-images.de

Weitere «Asylanten»

Ebenfalls in Russland gelandet sind Edward Snowden und Karin Kneissl. Er, Snowden, wurde zu einem der prominentesten Whistleblower der Welt, weil er im Jahr 2013 geheime Dokumente des US-Nachrichtendienstes NSA enthüllt hatte. Als Mitarbeiter des US-Geheimdienstes hat er die illegale Massenüberwachung öffentlich gemacht, weshalb er in den USA strafrechtlich verfolgt wird. Um der Justiz zu entgehen, flüchtete der 41-Jährige nach Moskau, wo er 2022 die russische Staatsbürgerschaft erhalten hat.

epa07841832 (FILE) - A video grab courtesy of The Guardian newspaper showing former CIA employee Edward Snowden during an exclusive interview with the newspaper's Glenn Greenwald and Laura Poitra ...
Der ehemalige US-Geheimdienstler Edward Snowden.Bild: EPA

Aufgefallen ist die damalige österreichische Aussenministerin Karin Kneissl von der FPÖ mit dem Kniefall vor Putin. Den Knicks machte sie anlässlich ihrer Hochzeit im August 2018 in Gamlitz. Die 59-Jährige ist von einer Wissenschafterin zu einer Russland-Propagandistin und Putin-Apologetin geworden. Nun ist sie Präsidentin eines staatsnahen russischen Thinktanks mit dem Namen «Gorki», das die geopolitischen Interessen Russlands untersucht. So ist sie nach Russland gezogen mitsamt ihren Ponys, welche die russische Luftwache nach St.Petersburg ausgeflogen hat. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
26 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Majoras Maske
11.12.2024 21:52registriert Dezember 2016
In einigen Jahren kann die WG mit Putin und Lukaschenko als neue Einwohner nach Peking ziehen. Oder Sibirien ;)
431
Melden
Zum Kommentar
avatar
honesty_is_the_key
11.12.2024 22:44registriert Juli 2017
Eine ehrlich gemeinte und wohl sehr naive Frage: warum akzpiert der Westen immer noch, was Putin sein Jahren macht ? Wie er gegen sämtliche Menschenrechte verstösst. Gegner umbringen lässt, jegliche Demokratie brutalst unterdrückt. Diktatoren wie Assad unterstützt und nun sogar beherbergt. Die Ukraine bekriegt, um sein riesiges Ego zu stärken. Russische Soldaten als Kanonenfutter dort sterben lässt.

Er kann das alles machen, und muss null Konsequenzen fürchten durch die internationale Gemeinschaft. Wie krank ist das ? Ich kann es wirklich nicht verstehen.
374
Melden
Zum Kommentar
avatar
Yolanda Hecht
11.12.2024 22:36registriert Juni 2022
Die Assads sind Alawiten keine Aleviten.
Aleviten gibt es v.a. in der Türkei bei den Kurden und Zaza. In der Schweiz leben etwa 40'000 Aleviten. Die Nationalrätin Sibel Arslan ist eine von ihnen.
In dieser Situation sollte man vorsichtig sein mit solchen Verwechslungen.
353
Melden
Zum Kommentar
26
    Deutschen Forschern gelingt ein grosser Schritt im Kampf gegen Krebs

    Forschern der Universität Magdeburg ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Krebs gelungen. Das Chemiker-Team der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat einen Wirkstoff nachgebaut, der so in der Natur vorkommt.

    Zur Story