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Russlands schwärzester Tag: Über 1000 tote Soldaten an einem Tag

Russlands schwärzester Tag: Über 1000 tote Soldaten in 24 Stunden

08.02.2023, 17:2910.02.2023, 07:18
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Seit 350 Tagen tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Tag 348, der letzte Montag, war der bisher verlustreichste für die Invasoren. 1030 russische Soldaten sollen ums Leben gekommen sein. Zusätzlich wurden 14 Kampfpanzer, 28 Schützenpanzer und eine Artilleriekanone ausser Gefecht gesetzt. Seit Kriegsbeginn wurden in der Ukraine über 134’000 Russen getötet.

January 15, 2023, Donbas, Ukraine: A soldier leaves the trench on the northern front of Donbas The military movement in the northern part of the Donbas is constant. At the moment the defensive line is ...
Ukrainischer Soldat im Donbas.Bild: www.imago-images.de

Diese offiziellen Zahlen des Verteidigungsministeriums der Ukraine kommen aufgrund von Frontberichten und Aufklärungsbildern von Drohnen und Satelliten zustande. Wie gut sie die Realität abbilden, ist umstritten. Mehr als Schätzungen sind sie nicht. Zum Beispiel sind bei HIMARS-Angriffen auf Munitionslager oder Kommando-Unterstände weit hinter den Frontlinien Opferzahlen nur schwer zu ermitteln. Der preussische Generalmajor Carl von Clausewitz sagte einst: «Opferstatistik ist, auf beiden Seiten, nie genau, selten wahr, dafür aber in den meisten Fällen bewusst manipuliert.»

Das norwegische Militär ging vor zwei Wochen von bisher 180’000 getöteten und verletzten Russen aus. Bei Kriegen beträgt das Verhältnis von Toten zu Verwundeten in der Regel etwa 1:3 (45’000 zu 135’000).

Chuck Pfarrer, ein ehemaliger Navy Seal, Bestseller-Buchautor und Beobachter des Krieges in der Ukraine, glaubt, die Opferzahlen auf russischer Seite könnten gar noch höher sein: «Meine militärischen Quellen in der Ukraine und der NATO sagen mir, dass die tatsächliche Zahl der russischen Gefallenen höher liegt, als von der Ukraine angegeben.»

An undertaker walks by the Alley of Heroes at the Irpin Cemetery in Ukraine, Monday, Feb. 6, 2023. (AP Photo/Daniel Cole)
Ukrainischer Soldatenfriedhof in Irpin.Bild: keystone

Die eigenen Verlustzahlen kommuniziert die Ukraine nicht. Frühere Schätzungen von 100 Toten und Verwundeten pro Tag dürften überholt und zu tief sein. Dies aufgrund der intensiven Kampfhandlungen im Osten. Vor allem der Kampf um die Region der zerstörten Stadt Bachmut und Soledar ist zu einer brutalen Abnützungsschlacht verkommen. Präsident Selenskyj gibt zu, die Situation im Osten werde immer schwieriger. Die russischen Verbände sind in den vergangenen Wochen dort zu einigen Territorialgewinnen gekommen.

Unverifizierte Berichte in russischen Telegram-Gruppen zeichnen ein fürchterliches Bild der Aktivitäten an der Ostfront. In Teams von acht Mann, bestehend aus vorwiegend ehemaligen Häftlingen, müssen Wagner-Einheiten vorrücken – und zwar so lange, bis sie unter Beschuss geraten. Wer sich weigert, wird erschossen.

Im Kugelhagel muss die Einheit Deckung suchen, im gefrorenen Boden frische Gräben ausheben, die Stellung sichern, markieren und Daten an die Artillerie liefern. Den Wenigsten gelingt dieses Vorhaben. Bei Soledar habe es zur Eroberung eines Gebiets 14 solcher Teams benötigt. Die Artillerie, die eigentlich zur Unterstützung bereitsteht, funktioniere immer seltener. Es mangle an Munition. Aber auch der Nachschub an frischen Kräften sei versiegt.

watson ist es nicht möglich, solche Aussagen unabhängig zu verifizieren. Gestützt wird der Bericht aber durch Aussagen eines nicht namentlich erwähnten Mitarbeiters des US-Verteidigungsministeriums in einem Interview mit der New York Times. Er beschreibt dieselbe Vorgehensweise und dieselben Probleme. Längst hat sich der Ausdruck «Fleischwolf» etabliert.

Propagandist droht Deutschland im russischen Staatsfernsehen

Video: watson/lucas zollinger
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102 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Liebu
08.02.2023 18:15registriert Oktober 2020
In Teams von acht Mann, bestehend aus vorwiegend ehemaligen Häftlingen, müssen Wagner-Einheiten vorrücken – und zwar so lange, bis sie unter Beschuss geraten. Wer sich weigert, wird erschossen.

Du kannst einzig wählen wer dich erschiesst.
Man wird ja nie erfahren, wie Soldaten so getötet wurden, aber ich denke, es werden nicht wenige sein.
Der russische Soldat als Wegwerfartikel, schon abgeschrieben, bevor er an der Front ist.
Ich verstehe die Ukrainer, wollen sie das nie wieder erleben und kämpfen für ihre Freiheit, Familien und ihr Vaterland.
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Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
08.02.2023 17:40registriert Juni 2016
Leider war Russland bisher immer Erfolgreich mit der Fleischwolf Taktik in Konventionellen kriegen, ansonsten würden längst andere Taktiken verwendet
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Martin Baumgartner
08.02.2023 18:03registriert Juni 2022
Kein Wunder ein Generalstab aus der Sowjetzeit
und ein Präsident vom KGB.
Und das Sterben geht weiter!

Слава Україні / Бедная матушка Россия
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