International
Russland

Schoigu nach dem Wagner-Putsch: Sein Nachfolger soll schon bereitstehen

War's das für Schoigu? Sein Nachfolger soll schon bereitstehen

Wird Verteidigungsminister Schoigu abgesägt? Die Spekulationen in russischen Medien mehren sich.
26.06.2023, 14:5926.06.2023, 14:59
Ein Artikel von
t-online
In this photo taken from video released on Monday, June 26, 2023 by Russian Defense Ministry Press Service, Russian Defense Minister Sergei Shoigu is on board of a military helicopter on his way to in ...
Wo ist Sergej Schoigu?Bild: keystone

Um seine Personalie ranken sich seit dem bewaffneten Aufstand der Wagner-Söldner in Russland viele Gerüchte: Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Ihn machte der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin vor allem verantwortlich für die vielen russischen Rückschläge und Verluste im Ukraine-Krieg – zu Beginn seines Aufstands in der Nacht von Freitag auf Samstag ging er sogar noch einen Schritt weiter.

Er warf Schoigu vor, die Öffentlichkeit über die wahren Gründe des Krieges zu täuschen. Dass von der Ukraine eine Aggression ausgehe und diese gemeinsam mit der Nato Russland angreifen wolle, sei eine Lügengeschichte. Stattdessen sei es Schoigu nur darum gegangen, Marschall zu werden und eine zweite Heldenmedaille zu bekommen.

Viele Spekulationen in Medien

Als dann am Samstagnachmittag Prigoschin den Aufstand abbrach und ein Abkommen schloss, kamen schnell Fragen auf, was ihm dafür – neben Straflosigkeit – noch versprochen worden sein könnte. Eine Vermutung: Schoigu könnte als Verteidigungsminister abgesetzt werden.

Der Kreml dementierte das zwar schnell: Eine Veränderung an der Spitze des Ministeriums sei kein Bestandteil des Abkommens. Zudem könne nur der russische Präsident Wladimir Putin eine solche Entscheidung treffen. Doch bereits am Sonntag berichtete das russische Investigativportal «rucriminal.info» mit Bezug auf eine nicht näher genannte Quelle, dass Schoigu festgesetzt worden sei.

Demnach soll sich Schoigu «in Isolation unter der Aufsicht einer persönlichen Wache» befinden. Hintergrund sei eine Ermittlung des Geheimdienstes FSB wegen angeblicher Korruptionsvorwürfe. Diese sollen sich auf «gross angelegte Veruntreuungen» innerhalb des Verteidigungsministeriums beziehen. Andere Medien spekulieren bereits über einen möglichen Nachfolger Schoigus.

Vertrauter von Prigoschin als Verteidigungsminister?

Hoch im Kurs steht dabei Alexei Djumin. Er ist der derzeitige Gouverneur des Gebiets Tula, ehemaliger Sicherheitsoffizier Putins, früherer Chef der russischen Spezialeinheiten – und Vertrauter Prigoschins. Der Militärexperte Marcus Keupp schreibt dazu auf Twitter: «Das ist kein Zufall.» Damit würde Prigoschin «im Prinzip» kontrollieren, «wer zuerst an die Ressourcen des Verteidigungsministeriums kommt».

Die Politologin und Gründerin des Analysezentrums R.Politik, Tatjana Stanowaja, glaubt hingegen nicht, dass Prigoschin in der Lage war, Forderungen zu stellen, wie die Absetzung von Schoigu. «Wenn das geschieht, dann aus einem anderen Grund», schreibt sie auf Twitter.

Bestätigt ist keines dieser Gerüchte – und der Kreml bemüht sich, gegenzusteuern. So veröffentlichte die Regierung nun ein Video von Schoigu. Der 47 Sekunden lange Clip ohne Ton, der Schoigu etwa in Beratungen mit anderen Militärs zeigt, soll bei einem Besuch im Kampfgebiet in der Ukraine aufgenommen worden sein, teilte das russische Verteidigungsministerium auf Telegram mit. Der Minister habe dort einen der vorderen Kommandopunkte besucht. Von wann das Video stammt, ist offen.

Max Seddon, der Chef des Moskauer Büros der «Financial Times», kommentiert: «Die russischen Staatsmedien zeigen Schoigu, wie er herumläuft und auf Dinge zeigt, offenbar um zu zeigen, dass alles normal ist. Aber das ist es ganz sicher nicht.»

Auch russische Militärblogger bezweifeln, dass es sich um aktuelle Aufnahmen handelt. So schreibt etwa der bekannte Blogger Rybar in seinem Telegram-Kanal: «Die Arbeitsreise von Verteidigungsminister Sergej Schoigu zur Truppengruppierung »West« scheint (zumindest berichten Quellen sowohl aus dem Feld als auch aus dem Hauptquartier davon) noch vor Beginn der Unruhen stattgefunden zu haben.»

Von Schoigu hatte am Wochenende in der Öffentlichkeit jede Spur gefehlt. Auch Russlands Generalstabschef Waleri Gerassimow äusserte sich in diesen chaotischen Stunden nicht. An ihm hatte Prigoschin ebenfalls scharfe Kritik geübt. Eine Ablösung der beiden würde als grosser Gewinn für ihn gewertet werden.

(dpa, t-online, cck)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Abdul El-Sayed: Hoffnung oder Risiko für die Demokraten?
Abdul El-Sayed will in Michigan der erste muslimische US-Senator der Geschichte werden. Donald Trump und die Republikaner attackieren ihn mit einer islamophoben Hetzkampagne.
Die Demokraten träumen bei den Midterm-Wahlen am nächsten Dienstag vom grossen Coup. Sie wollen nicht nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern, was als so gut wie sicher gilt, sondern auch im Senat. Ihre Chancen, die nötigen vier Sitze zu erobern, sind intakt. Allerdings zeichnet sich in einigen Bundesstaaten ein knappes Ergebnis ab.
Zur Story