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Russland

Bradley vs. T-90: Der beste russische Panzer wird komplett zerlegt

Ukrainischer Schützenpanzer zerlegt «besten Panzer der Welt». Jetzt spricht die Crew

23.01.2024, 16:1523.01.2024, 17:54
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Laut Zählungen von Analysten fiel Russland 2022 mit knapp 3000 Panzern (2987) in die Ukraine ein. Forbes berichtet, dass davon 2619 entweder zerstört, aufgegeben oder gekapert wurden. Die Rechnung ist einfach: Ohne Nachschub verbleiben den Invasoren 368 Panzer. Forbes mutmasst deshalb: Russland könnten bald die Panzer ausgehen.

Doch die Rechnung ist falsch. Denn Russland repariert alte Kampffahrzeuge – und produziert neue. Wie viele das sind, ist unklar. Laut der russischen Nachrichtenagentur wurden 2023 1500 neue Panzer in die Ukraine geschickt. Der französische Geheimdienst liefert niedrigere Zahlen: Russland könne ca. 390 Panzer pro Jahr herstellen, heisst es in einem Bericht. Doch nicht nur die Zahl der Fahrzeuge ist ausschlaggebend. Ebenfalls wichtig ist die Qualität der Crew. Ein anschauliches Beispiel dafür lieferte unlängst ein Gefecht, das eine ukrainische Überwachungsdrohne vor wenigen Tagen nördlich von Awdijiwka aufzeichnete. Dort trafen zwei ukrainische Schützenpanzer des Typs Bradley auf einen russischen T-90M.

Wladimir Putin lobte den T-90M kürzlich als «zweifelsohne stärksten Panzer der Welt» – und auf dem Papier ist die Panzerung durch das Geschütz eines Bradleys nicht zu knacken. Doch der überlieferte Fall zeigt: im Feld gelten andere Regeln.

Nach einem Dauerbeschuss (mit erstaunlicher Treffsicherheit), kommt es beim T-90M zu mehreren Detonationen. In der Folge verliert die russische Besatzung die Kontrolle über das Fahrzeug, der Geschützturm beginnt zu rotieren, der Panzer fährt gegen einen Baum. Nach einem zusätzlichen Drohneneinschlag flüchten die russischen Soldaten aus ihrem komplett zerstörten Fahrzeug. Sie sind nun das Gespött der russischen Telegram-Kanäle. Auf der anderen Seite feiert die Ukraine die mutige Bradley-Besatzung.

«Ich bin erst seit Dezember vom Training aus Deutschland zurück», kommentiert der Kommandant und Schütze, von dem nur der Name «Serhiy» bekannt ist, die Szene. Zuvor diente er in der Infanterie. Das denkwürdige Zusammentreffen mit dem T-90M war erst sein zweiter Einsatz mit seinem Fahrer Oleksandr: «Im Training dachte ich noch, hoffentlich bekomme ich es nie mit einem solchen Panzer zu tun. Jetzt kam es so weit. Und dann noch auf diese kurze Distanz.»

«Wir feuerten, was wir konnten», erzählt Serhiy weiter gegenüber dem ukrainischen Sender TCH, «dann aber bekamen wir Probleme mit der panzerbrechenden Munition – und wir wechselten auf Explosivgeschosse.» Diese Munition ist für den Einsatz gegen gepanzerte Fahrzeuge nicht geeignet. Weshalb es beim T-90 trotzdem zur Explosion kam, ist unklar. Serhiy hat dafür seine eigene Erklärung: «Ich erinnerte mich daran, wie das damals in den Videospielen war, wo und wie ich ihn treffen muss.»

Den letzten Treffer auf den T-90M setzte jedoch eine Kamikaze-Drohne. Nach der heftigen Explosion verlassen zwei russische Crewmitglieder das Panzerwrack und suchen Deckung.

Losgeschickt wurden Serhiy und Oleksander und der zweite Bradley zum Schutz der Soldaten in den Schützengräben. Über das Schicksal des anderen ukrainischen Fahrzeugs ist derweil nichts bekannt. Analysten gehen davon aus, dass Treffer dieses Bradleys die Optik des T-90 zerstörten – sodass Serhiy und Oleksandr auf einen «blinden» Panzer trafen.

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Das Who is Who der Ukraine – diese Namen solltest du kennen
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Walerij Saluschnij – Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine
quelle: www.imago-images.de / imago images
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91 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Stanley Ipkiss
23.01.2024 16:39registriert November 2017
Die Explosionen sind vermutlich Detonationen der Nebelgranaten, diese sind auf den Turmseiten, also ausserhalb der Panzerung gebracht. Dass die Besatzung das Fahrzeug "unbeschadet" verlassen konnte spricht auch gegen Explosionen im Kampfraum. Dies mindert die Leistung der Bradleybesatzung aber nicht im Geringsten, ihnen gelang trotz der Probleme mit der Munitionszuführung ein sogenannter "Mission Kill", d. h. der Gegner ist nicht mehr in der Lage seinen Auftrag fortzusetzen.
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slnstrm
23.01.2024 16:26registriert August 2023
Also wenn die Crew des T-90M überlebt hat, denke ich, die Panzerung hat ihren Dienst getan. Grundsätzlich wünsche ich allen an der Front, Ukrainern wie Russen gute Heimkehr und ein schnelles Ende des Krieges.
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Touché
23.01.2024 17:13registriert Februar 2019
Warum muss ich ständig lesen, dass RUS gegen UKR angetreten ist?

Ist das gewollt oder doch nur ein zufälliges treffen?

Man sollte unter diesen schwierigen Umständen nicht gegeneinander auftreten.

Ukraine hat meine vollste Unterstützung.

Putin darf "NICHT" eine Menschenverachtende Politik in unsere Welt tragen!
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