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Die Reaktionen zum Tod des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny

ARCHIV - Alexej Nawalny, Oppositionsf
Alexej Nawalny wurde zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt.Bild: sda

«Putin ist verantwortlich» – die Reaktionen auf Nawalnys Tod

16.02.2024, 13:4217.02.2024, 06:52
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Alexej Nawalny ist tot. Wie die Gefängnisverwaltung des nordrussischen Gebietes Jamal am Freitag mitteilte, sei Nawalny nach einem Spaziergang krank geworden und habe anschliessend das Bewusstsein verloren.

Obwohl alle notwendigen Wiederbelebungsmassnahmen durchgeführt wurden, mussten die Notärzte schliesslich den Tod Nawalnys feststellen. Der berühmteste, russische Regierungskritiker wurde 47 Jahre alt.

Die Reaktionen:

Seine Mitarbeitende

«Wir verstehen, dass es höchstwahrscheinlich so passiert ist, dass Alexej Nawalny getötet wurde. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit», sagte der im Exil lebende Direktor von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow, am Abend während einer Liveschalte auf Youtube. An seiner Seite sass Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch.

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Nawalny 2017 mit seinem Team. Ganz links seine Sprecherin Kira Jarmysch.Bild: keystone

«Wir werden euch keine Lügen erzählen darüber, dass es irgendeine Hoffnung gibt, dass sich morgen herausstellt, dass das nicht wahr ist», sagte der bekannte Nawalny-Unterstützer. «Eine solche Chance ist geringfügig.» Schdanow fügte hinzu: «Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich tatsächlich ein Mord ereignet hat – der Mord an Alexej Nawalny im Gefängnis. Und getötet hat ihn (Wladimir) Putin.»

Sprecherin Jarmysch betonte, dass das Team nach wie vor keine eigene Bestätigung für den Tod Nawalnys habe. Ein Anwalt sei gemeinsam mit Verwandten auf dem Weg zum Straflager im hohen Norden Russlands, werde dort aber voraussichtlich erst am Samstagmorgen eintreffen.

«Bis zu diesem Moment können wir keine Bestätigung bekommen. Deshalb können wir die Berichte all der Kreml-Nachrichtenagenturen darüber, dass Nawalny tot ist, offiziell nicht bestätigen oder dementieren.»

Joe Biden

US-Präsident Joe Biden hat Kremlchef Wladimir Putin für den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny verantwortlich gemacht. Man wisse zwar nicht genau, was passiert sei, aber es gebe keinen Zweifel daran, dass der Tod Nawalnys eine Folge von Putins Handeln und dem seiner Verbrecher sei, sagte Biden am Freitag im Weissen Haus.

President Joe Biden delivers remarks on the death of Russian opposition leader Alexei Navalny, in the Roosevelt Room of the White House, Friday, Feb. 16, 2024, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
US-Präsident Joe Biden spricht über Nawalnys Tod, 16. Februar 2024.Bild: AP
«Putin ist verantwortlich.»
Joe Biden

Biden sagte weiter, er sei angesichts der Nachricht von Nawalnys Tod schockiert, aber nicht überrascht.

Putin habe Nawalny vergiftet, ihn verhaften und wegen erfundener Verbrechen anklagen lassen, sagte der US-Präsident. Er habe ihn in Isolationshaft gesteckt. Doch all das habe Nawalny nicht davon abgehalten, Lügen anzuprangern, sogar im Gefängnis.

«Er war eine mächtige Stimme für die Wahrheit.» Biden fügte hinzu: «Er hätte sicher im Exil leben können nach dem Attentat auf ihn 2020, das ihn fast umgebracht hätte.» Doch Nawalny habe «so sehr» an sein Land geglaubt. Biden sagte ausserdem, er habe keinen Grund zu glauben, dass die Berichte der russischen Behörden über Nawalnys Tod nicht zutreffend seien.

Kreml

Kremlsprecher Dmitri Peskow hat die Reaktionen westlicher Politiker auf den Tod des populären Oppositionspolitikers Alexej Nawalny als «überdreht» und «inakzeptabel» bezeichnet. Es gebe noch keine genauen Informationen von Medizinern, Gerichtsmedizinern oder dem Strafvollzug, sagte Peskow am Freitagabend der Agentur Interfax zufolge.

Trotzdem gebe es bereits Reaktionen aus dem Westen. «Es ist offensichtlich, dass das absolut überdrehte und absolut inakzeptable Aussagen sind. Sie sind inakzeptabel», kritisierte Peskow demnach. «Mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen.»

Am Nachmittag hatten russische Staatsmedien unter Berufung auf den Strafvollzug berichtet, dass der berühmte Gegner von Kremlchef Wladimir Putin im Alter von 47 Jahren in einem Straflager im Norden Russlands gestorben sei. Nawalnys im Exil lebende Mitarbeiter sprachen von einem «Mord» an dem Oppositionspolitiker und machten dafür – ebenso wie für einen Giftanschlag, den Nawalny im Jahr 2020 nur knapp überlebte – Putin persönlich verantwortlich.

Kamala Harris

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny als «schreckliche Nachricht» bezeichnet.

Sollte sich der Tod bestätigen, wäre dies ein weiteres Zeichen für die Brutalität von Kremlchef Wladimir Putin, sagte Harris am Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Harris machte wie zuvor schon der nationale Sicherheitsberater im Weissen Haus, Jake Sullivan, deutlich, dass die US-Regierung noch keine eigene Bestätigung für den Tod habe. Sie fügte mit Blick auf Moskau hinzu: «Welche Geschichte sie auch immer erzählen werden, lassen Sie uns klar sagen: Russland ist verantwortlich.»

United States Vice-President Kamala Harris addresses the audience during the Munich Security Conference at the Bayerischer Hof Hotel in Munich, Germany, Friday, Feb. 16, 2024. The 60th Munich Security ...
Bild: keystone

Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht davon aus, dass der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny getötet wurde. Es sei sehr bedauerlich, dass Nawalny in einem russischen Gefängnis gestorben sei.

Das sagte Selenskyj am Freitag laut offizieller Übersetzung bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz in Berlin.

«Es ist für mich offensichtlich: Er wurde getötet. Wie andere Tausende, die zu Tode gequält wurden wegen dieses einen Menschen.»
Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy attends a joint press conference with German Chancellor Olaf Scholz in the chancellory in Berlin, Friday, Feb.16, 2024. (AP Photo/Markus Schreiber)
Bild: keystone

«Putin ist es egal, wer sterben wird. Hauptsache, er bleibt bei seiner Position«, sagte Selenskyj. Und deshalb sollte er auch alles verlieren. Er sollte verlieren, er sollte alles verspielen, und er sollte dann auch zur Verantwortung gezogen werden für die Verbrechen.»

Nawalny ist nach Angaben der Justiz in Haft gestorben. Das teilte die Gefängnisverwaltung mit, wie die staatliche Agentur Tass meldete.

Nawalnys Mutter

Die Mutter des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny hat sich zu den Berichten über den Tod ihres Sohnes in einem russischen Straflager geäussert. «Ich möchte keine Beileidsbekundungen hören», wurde sie am Freitag von der kremlkritischen Zeitung «Nowaja Gaseta» zitiert.

Sie habe ihren Sohn erst am vergangenen Montag im Straflager besucht, fügte sie demnach hinzu. «Er war lebendig, gesund und lebenslustig.» Zuvor hatten Nawalnys Unterstützer erklärt, sie hätten noch immer keine direkte Bestätigung für den Tod des 47-Jährigen erhalten. Bislang gebe es nur die allgemeine Mitteilung des Strafvollzugs.

Nawalnys Frau

Angesichts der Berichte über den Tod von Kremlgegner Alexej Nawalny hat seine Frau Julia Nawalnaja zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Präsident Wladimir Putin aufgerufen.

«Ich möchte die gesamte internationale Gemeinschaft, all diejenigen in der Welt, die jetzt zuhören, dazu aufrufen, zusammenzustehen und dieses Böse zu besiegen, dieses furchtbare Regime, das heute über Russland herrscht», sagte Nawalnaja am Freitag in einer kurzfristig anberaumten Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

«Dieses Regime und Wladimir Putin persönlich sollten zur Verantwortung gezogen werden für all diese Gräueltaten, die sie in den letzten Jahren in meinem Land, in unserem Land Russland verübt haben.»

Zugleich betonte die 47-Jährige, dass auch sie bislang keine direkte Bestätigung für den Tod ihres Mannes erhalten habe. «Ich weiss nicht, ob wir den schrecklichen Nachrichten glauben sollen, die wir ausschliesslich aus staatlichen russischen Quellen erhalten», sagte sie.

Yulia Navalnaya, wife of Russian opposition leader Alexei Navalny, reacts as she speaks during the Munich Security Conference, in Munich, Germany, Friday, Feb. 16, 2024. Navalny, who crusaded against  ...
Bild: keystone
«Schon seit vielen Jahren – und das wissen Sie natürlich auch – können wir Putin und seiner Regierung nicht glauben. Sie lügen unaufhörlich.»

Dann fügte sie sichtlich angespannt hinzu: «Aber wenn es tatsächlich stimmt, dann möchte ich, dass Putin und seine Umgebung, Putins Freunde, seine Regierung wissen, dass sie sich verantworten müssen. Für das, was sie unserem Land angetan haben, meiner Familie und meinem Mann. Und dieser Tag wird bald kommen.»

Rishi Sunak

EDA

Nach dem Tod des Kreml-Gegners Alexej Nawalny hat sich das Schweizer Aussenministerium bestürzt geäussert. Der Russe sei ein Verfechter der Demokratie und der Grundrechte gewesen, schrieb das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Freitag auf dem Nachrichtenportal X.

Das EDA erwarte, dass eine Untersuchung über die Todesursache eingeleitet werde. Das Departement sprach Nawalnys Familie im Weiteren sein Beileid aus.

Jens Stoltenberg

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die Regierung in Moskau eindringlich zu einer Aufklärung des Todes des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny aufgefordert.

«Meine Botschaft ist, dass wir alle Fakten klären müssen und dass Russland all die ernsten Fragen zu den Ursachen seines Todes beantworten muss», sagte der Norweger am Freitag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz in einer ersten Reaktion. «Ich bin zutiefst traurig und sehr besorgt.»

NATO Secretary General Jens Stoltenberg addresses the opening session of the Munich Security Conference at the Bayerischer Hof Hotel in Munich, Germany, Friday, Feb. 16, 2024. The 60th Munich Security ...
Bild: keystone

Zu Nawalny sagte Stoltenberg, dieser sei ein starker Kämpfer für Freiheit und Demokratie gewesen. Die Nato werde weiter all diejenigen unterstützen, die an diese Werte glauben.

Am russischen Präsidenten Waldimir Putin übte Stoltenberg scharfe Kritik. «Was wir gesehen haben, ist, dass Russland zu einer immer autoritäreren Macht geworden ist und seit vielen Jahren die Opposition unterdrückt», erklärte er. Gerade auch deswegen müsse Russland alle Fragen beantworten, die jetzt gestellt würden. Zur Frage, ob der Tod Nawalnys möglicherweise in Zusammenhang mit der bevorstehenden Präsidentenwahl stehen könnte, wollte sich Stoltenberg nicht äussern.

Boris Nadeschdin

Der russische Oppositionspolitiker und abgelehnte Präsidentschaftsbewerber Boris Nadeschdin hat sich bestürzt über die Berichte zum Tod des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny gezeigt.

«Ich bete dafür, dass sich die Information als unwahr herausstellt», schrieb Nadeschdin, der zuletzt mit seiner Anti-Kriegs-Haltung für Aufsehen sorgte, am Freitag auf Telegram. «Alexej ist einer der talentiertesten und mutigsten Menschen in Russland, die ich kennengelernt habe», fügte er hinzu.

Boris Nadezhdin, a liberal Russian politician who is seeking to run in the March 17 presidential election, speaks during a meeting of the Russia's Central Election Commission in Moscow, Russia, T ...
Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin.Bild: keystone

Aus dem Straflager heraus hatte Nawalny den 60 Jahre alten Nadeschdin in den vergangenen Wochen bei dessen Bewerbung für die russische Präsidentenwahl am 17. März unterstützt. Sein Team rief russische Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihre Unterschrift für eine Kandidatur Nadeschdins abzugeben.

Obwohl Nadeschdin letztendlich eigenen Angaben zufolge deutlich mehr Unterschriften gesammelt hatte als benötigt, lehnte Russlands zentrale Wahlkommission seine Registrierung als Kandidat vor einigen Tagen ab. Sie verwies auf angeblich fehlerhafte Unterschriften. Viele kritische Beobachter sahen darin aber nur einen Vorwand des russischen Machtapparats, damit am 17. März kein Kriegsgegner gegen Amtsinhaber Wladimir Putin bei der Wahl antritt.

Olaf Scholz

Bundeskanzler Olaf Scholz hat entsetzt auf Berichte über den Tod des führenden russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in einem russischen Gefängnis reagiert. «Wir wissen aber nun auch ganz genau, spätestens, was das für ein Regime ist», sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin.

Er erinnerte bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj daran, wie er Nawalny in Berlin getroffen habe, als dieser sich in Deutschland von einem Giftanschlag zu erholen versucht habe. Dabei habe er mit Nawalny auch über den grossen Mut geredet, den es erfordere, wieder zurückzugehen in das Land. Scholz: «Und wahrscheinlich hat er diesen Mut jetzt bezahlt mit seinem Leben.»

Scholz sagte, wer in Russland Kritik äussere und sich für die Demokratie einsetze, müsse um Sicherheit und Leben fürchten. «Wir sind bei der Familie, der Frau und dem Kind und all den Angehörigen und Freunden», sagte Scholz. «Und es ist etwas ganz Furchtbares, auch als ein Zeichen, wie sich Russland verändert hat. Nach den nun schon leider lange zurückliegenden hoffnungsvollen Entwicklungen, die in Richtung Demokratie gegangen waren, ist das längst keine Demokratie mehr.»

Angela Merkel

Die ehemalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel lastet den Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny dem russischen Staat an.

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Bild: keystone

«Er wurde Opfer der repressiven Staatsgewalt Russlands. Es ist furchtbar, dass mit ihm eine mutige, unerschrockene und sich für sein Land einsetzende Stimme mit fürchterlichen Methoden zum Verstummen gebracht wurde», erklärte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. «Meine Gedanken sind bei seiner Frau, seinen Kindern, seinen Freunden und seinen Mitarbeitern.»

Donald Tusk

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat sich bestürzt über den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny geäussert. «Alexej, wir werden dich nie vergessen. Und wir werden ihnen nie vergeben», schrieb Tusk am Freitag auf der Plattform X (vormals Twitter).

Das polnische Aussenministerium erklärte, die russische Regierung trage die alleinige Verantwortung für den Tod Nawalnys. «Wir fordern eine unabhängige Untersuchung und eine vollständige Aufklärung aller Umstände des Todesfalls», hiess es weiter.

Pedro Sanchez

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat sich bestürzt über den Tod des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny geäussert. «Ich bin bestürzt über die Nachricht vom Tod von Alexej Nawalny, der von Putins Regime zu Unrecht für seinen Einsatz für Menschenrechte und Demokratie inhaftiert wurde», schrieb der sozialistische Politiker am Freitag auf X, vormals Twitter.

Sánchez sprach sein Beileid an die Familie und die Freunde von Nawalny aus und auch «an all jene in Russland, die für demokratische Werte eintreten und dafür den höchsten Preis zahlen».

Annalena Baerbock

Garry Kasparov

Ursula von der Leyen

Mark Rutte

Der niederländische Premier Mark Rutte machte Russland für den Tod von Putin-Kritiker Alexej Nawalny verantwortlich.

«Es ist bezeichnend für die unglaubliche Brutalität des russischen Regimes», teilte Rutte am Freitag über X mit. Nawalny habe für demokratische Werte und gegen Korruption des russischen Regimes gekämpft. «Seinen Kampf musste er mit dem Leben bezahlen, während er unter schwersten und unmenschlichsten Bedingungen festgehalten wurde.»

Der Kremlkritiker war nach den Worten Ruttes auch ein Symbol für Menschlichkeit, Demokratie und Freiheit. Der Tod Nawalnys unterstreiche, wie wichtig es sei, dass Russland den Krieg in der Ukraine verliere, sagte der Premier in Den Haag.

Christian Lindner

Fabian Molina

Friedrich Merz

Alexander Van der Bellen

Swjatlana Zichanouskaja

Roberta Metsola

Karl Lauterbach

UN-Menschenrechtsbüro

Nach dem Tod des inhaftierten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny hat das UN-Menschenrechtsbüro von Moskau die Freilassung aller staatlich Verfolgten gefordert.

«Wir fordern die russischen Behörden auf, die Verfolgung unter anderem von Politikern, Menschenrechtsverteidigern und Journalisten zu beenden», sagte eine Sprecherin von UN-Menschenrechtshochkommissar Volker Türk am Freitag in Genf.

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen sei «entsetzt» über Nawalnys Tod, sagte die Sprecherin. Aus Sicht des Büros sei bei jedem Todesfall eines Gefangenen davon auszugehen, dass der jeweilige Staat dafür verantwortlich zu machen sei. «Diese Verantwortung kann nur durch eine unparteiische, gründliche und offene Untersuchung durch eine unabhängige Stelle entkräftet werden», sagte die Sprecherin.

Kaja Kallas, Margus Tsahkna und Alar Karis

Für Estlands Regierungschefin Kaja Kallas ist der Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny eine «weitere dunkle Erinnerung an das Schurkenregime, mit dem wir es zu tun haben». Es zeige «warum Russland und alle Verantwortlichen für jedes ihrer Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden müssen», schrieb sie am Freitag auf X (vormals Twitter).

Aussenminister Margus Tsahkna sagte, der Tod des Kremlkritikers demonstriere deutlich die «herzlose, aggressive und zerstörerische Macht Putins». «Nawalny starb im Gefängnis, wohin er von den russischen Behörden zu Unrecht gebracht wurde», teilte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes mit.

Staatspräsident Alar Karis schrieb: «Die traurige Wahrheit ist, dass der Kreml jahrzehntelang Regimegegner zum Schweigen gebracht hat. #Politkowskaja, #Litwinenko, #Nemzow und die Liste setzt sich fort, jetzt #Nawalny». Damit erinnerte er an frühere rätselhafte Todesfälle von russischen Oppositionellen, hinter denen staatliche Stellen vermutet werden.

Nikolaj Denkow

epa10975169 Bulgaria's Prime Minister Nikolaj Denkov (L) is welcomed for a meeting on the future of the European Union, hosted by Denmark, at Christiansborg Castle in Copenhagen, Denmark, 14 Nove ...
Nikolaj Denkow.Bild: keystone

Der bulgarische Regierungschef Nikolaj Denkow hat den in Haft gestorbenen russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny als «Symbol für den Kampf gegen die Diktatur in Russland» gewürdigt. Seit Jahren sei Nawalny ein Symbol auch für den Kampf für freie Meinungsäusserung gewesen, schrieb Denkow auf der Facebook-Seite der prowestlichen bulgarischen Regierung. «Die Nachricht (über Nawalnys Tod) ist traurig und zeigt, warum es wichtig ist, wertzuschätzen, was die Demokratie bedeutet», so Denkow. Die Entsendung Nawalnys in die Strafkolonie habe «wie eine Todesstrafe ausgesehen».

(hah/rst/sda/dpa)

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86 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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pontian
16.02.2024 13:45registriert Januar 2016
Schön, wie sich jetzt alle mit Beileidsbekundungen überbieten. Kostet ja nichts.

Schwieriger aber sinnvoller wäre es, endlich alles daran zu setzen, Putin und Putins Russland Einhalt zu gebieten. Einfacher wird das mit Zögern und Zuwarten nicht.
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Andi7
16.02.2024 14:39registriert November 2019
Auch sehr deutlich der Lettische Präsident:

"Was auch immer Sie über Alexej Nawalny als Politiker denken, er wurde einfach vom Kreml brutal ermordet. Das ist eine Tatsache und etwas, das man über die wahre Natur des gegenwärtigen russischen Regimes wissen sollte."
1145
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Martin Baumgartner
16.02.2024 13:49registriert Juni 2022
Er hatte nicht nur den Mut von einem freien Russland zu träumen, sondern auch die Kraft dafür zu kämpfen.
R.I.P
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