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Julia Nawalny kehrte mit ihrem Ehemann nach Russland zurück – trotz drohender Verhaftung.
Julia Nawalny kehrte mit ihrem Ehemann nach Russland zurück – trotz drohender Verhaftung.Bild: keystone

Tausende nach Nawalny-Protesten in Moskau verhaftet – darunter Ehefrau Julia

23.01.2021, 13:5323.01.2021, 19:46

Mehr als 2100 Menschen sind bei den Protesten in Russland für die Freilassung des Kremlkritikers Alexej Nawalny bis zum frühen Samstagabend festgenommen worden. Das berichtete das Portal Owd-Info, das die Zahl der Festgenommenen landesweit dokumentierte. Demnach gab es die meisten Festnahmen in Moskau mit zunächst rund 800. In St. Petersburg waren es mehr als 300.

Russische Menschenrechtler listeten insgesamt rund 100 Städte auf, in denen Demonstranten in Polizeigewahrsam kamen - in den meisten blieb es bei einzelnen Festnahmen. Beobachter sprachen landesweit von Zehntausenden Teilnehmern bei den Protesten. Die Opposition kündigte für das kommende Wochenende neue Proteste an.

Am Abend wurde mit weiteren Festnahmen gerechnet. Allein in Moskau waren nach Einbruch der Dunkelheit noch Hunderte Menschen im Stadtzentrum unterwegs. Die Polizei rief sie dazu auf, nach Hause zu gehen. Strassen waren gesperrt

Unter den Verhafteten war auch Nawalnys Ehefrau Julia. Am Samstagnachmittag postete sie auf Instagram ein Foto aus einem Gefangenentransporter. «Entschuldigt die schlechte Qualität», lautete die ironische Bildunterschrift. Das Licht im Polizeiwagen sei sehr schlecht. Zuvor hatte Nawalnys Team ein Foto von Nawalnys Mutter veröffentlicht, die ebenfalls zur Demo gekommen war.

Nawalnys Anhänger hatten für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sie fordern die Freilassung des Oppositionellen, der am Montag in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war. Nawalny soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstossen haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Der 44-Jährige und sein Team sehen das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert an.

«Putin ist ein Dieb», riefen die Menschen in Moskau – so wie zuvor auch schon in vielen anderen Städten des Landes, in denen die Protestaktionen aufgrund der Zeitverschiebung mehrere Stunden früher stattfanden als in der Hauptstadt. Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel «Ein Palast für Putin» ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein «Zarenreich» am Schwarzen Meer bauen liess. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe in dem mehr als 67 Millionen Mal angeklickten Film als «Unsinn» und «Lüge».

Nawalny-Proteste in Russland – die Bilder:

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Nawalny-Proteste in Russland
quelle: keystone / dmitri lovetsky
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Landesweit zählte die Bürgerrechtsorganisation OWD bis zum Nachmittag 369 Festnahmen. Es gab aber auch Berichte von Sicherheitskräften, die nicht eingriffen, sondern die Menschen marschieren liessen. Die russischen Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen am Samstag. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden.

Bild: keystone

Nawalny macht Kremlchef Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück. (sar/sda/dpa)

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Der Fall Nawalny

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Der Fall Nawalny
quelle: sda / pavel golovkin
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Nawalny zeigt Video von angeblichem Luxus-Palast von Putin

Video: watson

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Verbesserer
23.01.2021 14:48registriert Mai 2020
Wer immer noch glaubt, dass uns im Westen die Meinungsfreiheit gestohlen wird, kann ja nach Russland oder China auswandern.
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So oder so
23.01.2021 14:19registriert Januar 2020
Putin sagt Navalny sei gar nicht wichtig oder Relevant Politisch oder bei der Bevölkerung und dennoch Dreht der Staatsapparat im Roten wenn Paar wenige für Navalny Demonstrieren. So ist das in einem Totalitären Staat - man Redet das "Problem" klein und dreht am Rad bei der kleinsten Regung.
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