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Russlands Flotte «unfähig», See-Blockade durchzusetzen

Russlands Flotte «unfähig», See-Blockade durchzusetzen

Russland drohte vor Kurzem, den Schiffsverkehr zu ukrainischen Häfen mit militärischer Gewalt zu unterbinden. Doch der Kreml-Marine fehlen dazu die Kräfte.
20.08.2023, 12:3922.08.2023, 14:19
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Ein Artikel von
t-online

Die russische Schwarzmeerflotte steht offenbar vor grösseren Problemen als gedacht: Laut dem Insitute for the Study of War (ISW) sind die Seestreitkräfte der Russen im Schwarzen Meer derzeit «unfähig», den Seeverkehr in dem Gewässer zu kontrollieren. Die US-Denkfabrik beruft sich auf Aussagen des bekannten russischen Kriegsbloggers Rybar.

Der kremlnahe Blogger hatte am 18. August auf Telegram geschrieben, dass mindestens sechs zivile Schiffe ukrainische Häfen verlassen konnten. Die Schiffe hätten eine provisorische Seepassage im Schwarzen Meer genutzt und das Gewässer Richtung Mittelmeer verlassen.

Eigentlich hatte die russische Führung eine De-Facto-Seeblockade im Schwarzen Meer verkündet: Nach dem Ende des Getreideabkommens im Juli würden alle Schiffe, die ukrainische Häfen ansteuern oder diese verlassen, also auch zivile Schiffe, als militärische Ziele betrachtet, drohte das russische Verteidigungsministerium.

Die Ukraine rief daraufhin einen «humanitären Korridor» aus, der es Handelsschiffen weiter ermöglichen soll, ukrainische Häfen anzufahren oder zu verlassen, etwa um Getreide nach Afrika zu bringen. Vor wenigen Tagen nutzte das Schiff «Joseph Schulte» als erstes deutsches Schiff diesen Korridor und konnte – ohne russische Bedrängnis – den ukrainischen Hafen in Odessa verlassen, nachdem es dort anderthalb Jahre festgesteckt war.

epa10805160 The Hong Kong-flagged Joseph Schulte, the first cargo ship to leave Ukraine's Odesa port since the end of the grain deal despite Russian threats, sails on the Bosphorus in Istanbul, T ...
Die «Joseph Schulte» im Bosporus am 18. August. Bild: keystone

Dass die russische Marine Probleme hat, solche Schiffsaktivitäten zu unterbinden, habe laut dem Kriegsblogger gleich mehrere Gründe mehrere: «Schwere Fehler beim Aufbau der Flotte» in der Zeit vor der Invasion, der «irrationale Einsatz von Kräften und Mitteln» sowie «zahlreiche» organisatorische Probleme, die nicht gelöst werden.

Dass die russische Flotte die Kontrolle im Schwarzen Meer verloren hat, deutet sich schon länger an. Immer wieder greift die Ukraine russische Kriegsschiffe mit Seedrohnen an. Anfang August hatte eine Überwasserdrohne das Militärschiff Olenegorsky Gornyak so schwer beschädigt, das es beinahe sank. Sprengstoffbeladene Drohnen trafen auch einen Öltanker und den Hafen der südrussischen Stadt Noworossijsk.

Auch die wiederholten Angriffe auf Brücken zur besetzten Halbinsel Krim zeigen, dass die russische Armee in der Schwarzmeerregion verwundbar. Vor wenigen Tagen hatte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU erstmals Details zu den ukrainischen Anschlägen auf die Brücke von Kertsch enthüllt.

Verwendete Quellen:

  • ISW-Update 19. August 2023
  • Telegram-Account von Rybar
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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Alnothur
20.08.2023 13:47registriert April 2014
"steht offenbar vor grösseren Problemen als gedacht"

Ja, das scheint irgendwie für sämtliche Bereiche Russlands zu gelten. Eigentlich staunt man vor Allem, dass Russland angesichts so eines maroden Militärs so lange fähig war, die Fassade einer Militärmacht aufrecht zu halten.
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Monsterius1
20.08.2023 13:18registriert März 2023
Und wieder einmal viel Drohung, nur Fassade. Aber man lässt sich immer wieder beeindrucken und staunt dann über die geringen Ressourcen und unfähigkeit der Russen.
Sicher hat das auch viel mit der fehlenden Motivation zu tun, um nicht zu sagen passiver und aktiver Sabotage von Russen mit Null Bock. Immerhin haben viele ukrainische Freunde, Bekannte Familie.
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ingmarbergman
20.08.2023 13:13registriert August 2017
Die russische Marine hat nicht nur keine Macht, das Schwarze Meer zu dominieren. Sie ist sogar zu schwach um ihre Schiffe in den eigenen Häfen zu beschützen.

Das liegt an den strategischen Fehlern Putins, für den seine Schiffe nur mobile Anschussrampen für Marschflugkörper sind.
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