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International
Russland

Putins «Koch» bekennt sich zur Gründung der Wagner-Kampfgruppe

Putins «Koch» bekennt sich zur Gründung der Wagner-Kampfgruppe

Jahrelang schwieg er über Gerüchte, wonach er die berüchtigte Wagner Gruppe gegründet haben soll. Jetzt hat Jewgeni Prigoschin aber plötzlich zugegeben, die Kampfgruppe ins Leben gerufen zu haben.
27.09.2022, 07:32

Prigoschin spricht Klartext

Der als Koch von Kremlchef Wladimir Putin bekannt gewordene russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin hat erstmals direkt öffentlich eingeräumt, die berüchtigte Söldnertruppe «Wagner» gegründet zu haben. Seine Erklärung wurde vom seinem Unternehmen Konkord veröffentlicht.

FILE - Russian businessman Yevgeny Prigozhin prior to a meeting of Russian President Vladimir Putin and Chinese President Xi Jinping in the Kremlin in Moscow, Russia, July 4, 2017. Russia has engaged  ...
Hat die Katze aus dem Sack gelassen: Jewgeni Prigoschin.Bild: keystone

Den Anfang genommen habe sein Unterfangen 2014, berichtet das russische Medium «Meduza», sich auf Konkord berufend. Prigoschin habe damals gemäss eigenen Aussagen wie «viele andere Geschäftsleute» Übungsplätze aufgesucht, um eine Gruppe zu rekrutieren, welche die Russen schützen würde. Mit den sich dort aufhaltenden Kämpfern habe er allerdings nur sein Geld verschleudert, so Peroschgin. So beschloss er, selbst eine Gruppe zu gründen.

«Also bin ich zu einem der Schiessstände geflogen und habe es selbst gemacht. Ich reinigte alte Waffen selbst, sortierte Schutzwesten selbst aus und fand Spezialisten, die mir dabei helfen konnten. Von diesem Moment an, am 1. Mai 2014, war eine Gruppe von Patrioten geboren, die später den Namen PMC Wagner erhielt.»

Dann brüstete er sich mit ihrer Leistung: Ihrem Mut und ihrer Tapferkeit sei die «Befreiung» vieler Gebiete in Luhansk und Donezk zu verdanken gewesen.

Langes Versteckspiel geht zu Ende

Zuvor hatte Prigoschin Verbindungen zur «Wagner»-Truppe nie klar benannt. Im Gegenteil: Er habe sogar Gerichtsverfahren gegen russische Medien, die über ihn recherchierten, eingeleitet, berichtet «CNN».

Zuletzt liess er aber indirekt durchblicken, dass es sich um sein Projekt handelte. Auch Insider hatten das bestätigt. Kremlchef Wladimir Putin hatte die Gruppe ebenfalls beim Namen genannt, nachdem jahrelang die Existenz bestritten worden war. Der Machtapparat in Moskau behauptet aber weiter, sich nicht einzumischen.

FILE - In this Monday, Sept. 20, 2010 file photo, businessman Yevgeny Prigozhin, left, shows Russian President Vladimir Putin, around his factory which produces school meals, outside St. Petersburg, R ...
Prigoschin und Präsident Putin kennen sich schon lange. Hier sind sie 2010 in einer von Perogschings Nahrungsmittelfabriken.Bild: AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

CNN sieht in Prigoschins Ankündigung «den Höhepunkt eines allmählichen Hervortretens aus dem Schatten». Es könnte Ausdruck sich verschiebender Machtverhältnisse sein, da Putins Kampagne in der Ukraine in den letzten Wochen ins Stocken geraten ist.

Kürzlich hatte ein Video in Russland für Aufsehen gesorgt, das den Geschäftsmann und Putin-Freund beim Rekrutieren von Gefängnisinsassen als Kämpfer für den Ukraine-Krieg zeigen soll. Wenige Tage darauf veröffentlichte Konkord bizarre Aussagen, welche den Auftritt Prigoschins weder bestätigten noch dementierten. So schrieben sie:

«In der Tat können wir bestätigen, dass die Person in dem Video Jewgeni Wiktorowitsch [Prigoschin] verblüffend ähnlich ist.»

Und weiter:

«Darüber hinaus wurde die Rede von der Person im Video sehr gut vorgetragen – genau wie die von Jewgeni Wiktorowitsch. Und die Person, die wie Jewgeni Wiktorowitsch [Prigoschin] aussieht, erklärt einfache Dinge für normale Menschen auf sehr verständliche Weise.»

Globale Einsätze der Wagner-Gruppe

Russland hatte 2014 völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und mit der Unterstützung der Separatisten in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk begonnen. Prigoschin bestätigte nun auch Einsätze der «Wagner»-Gruppe in Syrien, anderen arabischen Ländern sowie in Afrika und Lateinamerika. Die Männer seien «Helden» und «zu einer Säule unsere Heimat» geworden, schrieb er. «Wagner»-Söldner waren demnach auch im Sudan, in Mali und Libyen.

Lange Zeit habe er die Männer, die das «Rückgrat des russischen Patriotismus» bildeten, nicht «verraten» wollen, erklärte Prigoschin. «Ich bin stolz darauf, dass ich ihr Recht verteidigen konnte, die Interessen ihres Landes zu verteidigen.» Jetzt sei die «Zeit der Offenbarung» gekommen. Insgesamt sollen heute rund 5000 Kämpfer für «Wagner» aktiv sein.

Der Westen hat den 1961 im damaligen Leningrad (heute St. Petersburg) geborenen Prigoschin, der einst als Koch mit Putin Bekanntschaft geschlossen hatte, mit Sanktionen belegt. Die USA haben für seine Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt. (saw/sda/dpa)

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gandalf-der-Blaue
27.09.2022 07:37registriert Januar 2014
Spannende Frage, wie dieses "Outing" zu deuten ist... Versucht Prigoschin sich mit Putin gut zu stellen, oder sind im Hintergrund nun Machtspiele im Hintergrund in denen er seine Macht rechtzeitig ausspielen will? Ungeachtet dessen. Ein Scheusal von einem Menschen, der genauso wie Putin eingesperrt gehört. Für immer.
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YvesM
27.09.2022 07:54registriert Januar 2016
Ein Verbrecher. Danke für das Geständnis.
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A6524
27.09.2022 08:11registriert Mai 2021
Warum outete sich dieser Verbrecher gerade jetzt? Was bedeutet das für das Machgefüge im Kreml, den Ukrainekrieg, die globale Sicherheitslage?
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