
Jacques Tilly wird in Russland der Prozess gemacht.Bild: www.imago-images.de
28.01.2026, 15:5128.01.2026, 16:32
Der deutsche Karnevalwagenbauer (ja, das ist ein Beruf) Jacques Tilly hat Ärger mit der russischen Justiz. Er wurde angeklagt, mit seinen Arbeiten Falschmeldungen über die russische Armee zu verbreiten. Heute beginnt der Prozess. Weiter wird Tilly vorgeworfen, er handle von Hass getrieben aus eigennützigen Motiven heraus. Dies berichtet der Künstler selbst in einem lesenswerten Interview in der Welt.
Die Vorwürfe aus Russland sind starker Tobak. Deshalb erscheint es uns besonders wichtig, die beanstandeten Objekte, die jeweils am Karneval von Düsseldorf gezeigt wurden, hier noch einmal gross zu zeigen.

Tilly-Wagen vom Jahr 2025: US-Präsident Donald Trump und Präsident Wladimir Putin zerquetschen bei einem Händedruck den ukrainischen Präsidenten Selenskyj.Bild: www.imago-images.de

Ebenfalls von 2025: Putin, Trump und Xi. Drei Herren ohne Kleider, dafür mit Hoden so gross wie Schweinebäuche.Bild: www.imago-images.de

Ebenfalls vom Jahr 2025: Trumps Amerika on fire.Bild: www.imago-images.de
Selbstverständlich blieb Tilly dem Prozess in Moskau fern. Dass er angeklagt wurde, erfuhr der Künstler nicht von der russischen Regierung, sondern vom Verein Freies Russland (Nordrhein-Westfalen). Die ihm zugeteilte Pflichtverteidigerin meldete sich nicht bei ihm.

Das war im Jahr 2023: das Mullah-Regime im Iran im Würgegriff kopftuchloser Frauen. Den jüngsten Aufstand hat das Regime in einer Gewaltorgie niedergeschlagen. Bild: www.imago-images.de

Wladimir Putin in einem Sträflingsanzug und mit Blut an den Händen. Der Wagen wurde später vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag platziert.Bild: www.imago-images.de

Karneval 2024: Wir Medien konzentrieren uns auf die Kriege, dabei droht das grösste Ungemach von ganz anderer Seite (könnte man 2026 rezyklieren).Bild: www.imago-images.de
Tilly selbst versteht die Anklage nicht: «Ich kann mir darauf keinen Reim machen. Einer solchen Anklage fehlt jede Verhältnismässigkeit. Sie ist geradezu absurd», sagt er gegenüber der «Welt», erklärt aber auch, dass seine Gefühlslage gespalten sei: «Einerseits ist das natürlich bedrohlich, wenn man von Russland als Staatsfeind ins Visier genommen wird. Man weiss ja nie, was daraus entsteht. Andererseits denke ich: Ist doch eine tolle Bestätigung meiner Arbeit. Satire tut wohl doch weh. Dass das, was wir machen, nicht nur karnevalistische Unterhaltung ist, sondern sogar bei Putin ankommt – das motiviert mich.»

Auch die AfD schafft es immer wieder auf einen Tilly-Wagen. Hier 2025. Wagen wie diese sorgen dafür, dass er immer wieder auch Todesdrohungen erhält.Bild: www.imago-images.de

Tilly-Wagen 2024. Vielleicht stört sich Präsident Putin daran, dass er hier im Tarnanzug gezeigt wird – von wegen Falschaussagen über die Armee.Bild: www.imago-images.de

Karneval 2024 in Düsseldorf. Donald Trump läuft Putin auf den Wagen allmählich den Rang ab.Bild: www.imago-images.de
2009 zierte zum ersten Mal Wladimir Putin einen der Tilly-Wagen. Neben deutschen Politikerinnen und Politikern schaffen es auch Donald Trump oder das Regime im Iran immer wieder auf einen der begehrten Plätze.

2025: Im Interview mit der Welt erklärt Tilly, dass er den Israel-Palästina-Konflikt mittlerweile als zu komplex für einen Karnevalswagen erachte. Bild: www.imago-images.de 
2024: Maske ab bei der AfD.Bild: www.imago-images.de

Erneut Wladimir Putin im Tarnanzug. Das war am 28. Februar 2022 – nur vier Tage nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine.Bild: www.imago-images.de
Die nächsten Tilly-Kreationen werden am nächsten Rosenmontagszug zu sehen sein. Dieser startet laut Homepage am 16. Februar 2026 «voraussichtlich wieder gegen 12.22 Uhr und bewegt sich mit ca. 2,5 km/h vorwärts. Es werden ca. 8.000 Teilnehmer, 85 Fussgruppen, 110 Mottowagen und 30 Blaskapellen erwartet».

2024: Trump fällt einem ukrainischen Soldaten in den Rücken.Bild: www.imago-images.de

2023: Wladimir Putin schafft es erneut auf einen Tilly-Wagen.Bild: www.imago-images.de

2017: Hungrige Raupen laben sich am zarten Pflänzchen der Demokratie. Bild: www.imago-images.de

Auch die Linke kriegt bei Tilly ihr Fett weg.Bild: www.imago-images.de
Gegenüber der «Welt» sagt der Wagenbauerprofi: «Natürlich sind viele Exzesse und Übertreibungen von Wokeness und linksidentitärem Übereifer lächerlich – und sie verengen den Blick. Und natürlich macht man sich als Karikaturist darüber lustig, wenn man die Begriffe Frau oder Mutter nicht mehr verwenden soll. Das ist genauso absurd wie die Tatsache, dass man in den 70er-Jahren in den WGs die Klotüren ausgehängt hat, damit es bloss keine Privatsphäre mehr gibt.»

2021: Auch die Kirche ist immer wieder ein beliebtes Motiv von Tilly und seiner Crew.Bild: www.imago-images.de

2023: Wladimir Putin badet im ukrainischen Blut. Bild: www.imago-images.de

Putin und Trump vereint im März 2019.Bild: www.imago-images.de

2021: Der Eichelbischof. Bild: www.imago-images.de

2021: Der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny trifft Putin da, wo es weh tut. Nawalny starb 2024 in einem russischen Gefangenenlager.Bild: www.imago-images.de

2017: Schon während seiner ersten Amtszeit vergriff sich Trump an der amerikanischen Freiheit.Bild: www.imago-images.de

2023: Noch ein Seitenhieb gegen Links: Verarbeitung der Diskussion um die kulturelle Aneignung.Bild: www.imago-images.de

Ein AfD-Mitglied beklagt sich über den Verfassungsschutz, der ihn beim Baden in einer braunen Suppe filmt.Bild: www.imago-images.de

Für einmal ein Tilly-Werk in London: Theresa Mays lange Lügennase erlegt die britische Wirtschaft.Bild: www.imago-images.de

Neben Russland und den USA dürfte Tilly auch in Saudi-Arabien wohl nicht mehr willkommen sein.Bild: www.imago-images.de