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Khashoggis Söhne vergeben Mord an ihrem Vater – entgehen die Täter so der Todesstrafe?



In this photo released by Saudi Press Agency, SPA, Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman, right, shakes hands with Salah Khashoggi, a son, of Jamal Khashoggi, in Riyadh, Saudi Arabia, Tuesday, Oct. 23, 2018. Saudi Arabia, which for weeks maintained that Jamal Khashoggi had left the Istanbul consulate, on Saturday acknowledged he was killed there in a

Salah Khashoggi schüttelt Kronprinz Mohammed bin Salman die Hand. Bild: AP/Saudi Press Agency

Die Familie des ermordeten regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat den Tätern nach eigenen Angaben vergeben. «Wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Khashoggi, erklären, dass wir denjenigen verzeihen, die unseren Vater getötet haben», schrieb Khashoggis ältester Sohn Salah am Freitag auf Twitter.

Dieser Schritt kann bedeuten, dass die Täter der Todesstrafe entgehen. Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz und Menschenrechtler reagierten mit scharfer Kritik, weil sie befürchten, dass die wahren Schuldigen straffrei ausgehen.

Die Erklärung kommt kurz vor dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan an diesem Wochenende. Traditionell werden zu diesem Anlass in vielen muslimischen Ländern Amnestien verkündet. Salah Khashoggi zitierte aus dem Koran, wonach diejenigen auf Gottes Lohn hoffen dürften, die vergäben und für Ausgleich sorgten.

Ein saudisches Strafgericht hatte im Dezember im Fall Khashoggi fünf Männer in einem international kritisierten Verfahren zum Tode verurteilt, drei Angeklagte erhielten hohe Haftstrafen.

Insgesamt standen elf Personen vor Gericht. Die Namen der Angeklagten sollten unter Verschluss bleiben, bis die Urteile rechtskräftig sind. Der saudische Analyst Ali Schihabi kam am Freitag zu dem Schluss, dass die Täter nun der Todesstrafe entgingen, da die Familie nach dem in Saudi-Arabien geltenden islamischen Recht (Scharia) das Recht zur Vergebung habe.

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Spezialkommando aus Riad getötet worden, als er Papiere für die Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin Hatice Cengiz abholen wollte. Die saudische Regierung räumte den Mord auf internationalen Druck hin ein. Kronprinz Mohammed bin Salman bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben. In den Ermittlungen führten aber die Spuren in das direkte Umfeld des Monarchen.

Wurde Khashoggis Sohn unter Druck gesetzt?

Hatice Cengiz schrieb am Freitag auf Twitter, dieser abscheuliche Mord habe keine Verjährungsfrist. Niemand besitze das Recht, seinen Mördern zu vergeben. Der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, twitterte, man könne sich nur ausmalen, welche «Kombination aus Bestechungen und Drohungen» die Söhne dazu gebracht habe, den brutalen Mördern ihres Vaters zu vergeben.

Die UN-Sonderberichterstatterin für den Fall, Agnès Callamard, erklärte, Saudi-Arabien habe wiederholt bewiesen, dass das Land im Falle Khashoggis keine Gerechtigkeit walten lassen wolle. «Das ist das letzte Teil des Straffreiheitspuzzles, der letzte Akt einer Justizparodie, die vor der Weltöffentlichkeit gespielt wird.» Die Mörder würden frei herumlaufen. Callamard war in einem Untersuchungsbericht zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen Mohammed und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe.

Salah Khashoggi, der in Saudi-Arabien lebt, hatte sich bereits früher im Namen der Familie zu dem Mord geäussert. Nach der Tat kondolierten ihm König Salman und der Kronprinz bei einem Besuch im Palast. Im vergangenen Herbst warf Salah Khashoggi dann Gegnern Saudi-Arabiens vor, den Tod seines Vaters für ihre Zwecke missbrauchen zu wollen. (sda/dpa)

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Die Chronologie des Falls Khashoggi

Fall Khashoggi: Ein Mord mit politischen Konzequenzen

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    Alle Leser-Kommentare
  • Victor Paulsen 23.05.2020 13:41
    Highlight Highlight Die wahren schuldigen wären ja eh nicht bestraft worde, nur die ausführenden Untermänner
  • Bildung & Aufklärung 22.05.2020 23:45
    Highlight Highlight Warum ist eigentlich bei so vielen (nur) die Idee, dass da Geld floss, viel eher wurde einfach genügend Angst eingejagt...

    Sagts ja auch: "Der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, twitterte, man könne sich nur ausmalen, welche «Kombination aus Bestechungen und Drohungen» die Söhne dazu gebracht habe"
  • Neruda 22.05.2020 21:40
    Highlight Highlight Die wahren Täter standen ja gar nicht vor Gericht...
  • homo sapiens melior 22.05.2020 19:32
    Highlight Highlight Die Freiwilligkeit dieser Verzeihung bezweifle ich massiv.
  • Scrat 22.05.2020 17:09
    Highlight Highlight Die Todesstrafe an sich ist absolut verabscheuungswürdig - von daher ist die "Vergebung" eigentlich eine gute Sache. Trotzdem stinkt das Ganze ziemlich stark, wenn man die Vorgeschichte kennt. Einmal mehr scheint Geld & Macht das Übrige zu tun...
  • Hana Meier 22.05.2020 16:08
    Highlight Highlight Vielleicht, wollen die Söhne auch einfach aus ethischen Gründen nicht, dass Leute hingerichtet werden, wenn sie es verhindern können. Nicht jeder sieht Rache in Form von staatlichem Mord als etwas befriedigendes oder gerechtes. Immerhin war ihr Vater ein Menschenrechtsaktivist (!), der sich dafür einsetzt Grausamkeiten zu beenden. Indem die Söhne das Leben der Mörder retten, zeigen sie ihre moralische Überlegenheit und ehren die Arbeit ihres Vaters. Es gibt schliesslich Gründe weshalb diese Form der Bestrafung in den meisten Ländern verboten ist...
    • Neruda 22.05.2020 21:41
      Highlight Highlight Vor allem wenn die Verurteilten gar nicht die Verantwortlichen sind.
    • redeye70 22.05.2020 22:30
      Highlight Highlight Gute Überlegung. Die «Täter» sind ja eh nur Bauernopfer. Aber bei dieser Kultur in Saudiarabien glaube ich nicht so daran. Die mussten verzeihen, sonst …
  • Malfestio 22.05.2020 15:40
    Highlight Highlight

    Ich verachte diese Tat, jedoch hat diese Machtdemonstration, wie man sieht, gefruchtet...Macht und Intrige ergänzten sich schon immer in Monarchien.

    Wünsche niemandem so ein Game, in welcher Art auch immer...
  • Heinzbond 22.05.2020 14:45
    Highlight Highlight Die Mörder hinzurichten wird das Opfer nicht wieder lebendig machen. Und denjenigen die diese Tat angeordnet haben werden erst gar nicht belangt...
    Von Sanktionen oder gar Boykott ist eh nichts zu sehen man braucht ja zuverlässige verbündete...
  • Therealmonti 22.05.2020 13:49
    Highlight Highlight War wohl für Kashoggi's Söhne die einzige Alternative.
    • maylander 22.05.2020 16:05
      Highlight Highlight Lebendig wird er ja nicht mehr und das Blutgeld ist ja dort von Gesetzes wegen etabliert.
      Einen ewigen Blutrachezyklus ist ja kaum besser.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 22.05.2020 13:40
    Highlight Highlight Ich frag mich grad wieviel Geld die Söhne kassiert haben?! Was muss man für Folter und Abschlachtung eines Menschen zahlen? Abschlachten so hat der Folterer und Mörder es selber genannt... die Beweise und Aufnahmen davon hat Jamal Khashoggis selber geliefert. Ich hoffe die Herren werden glücklich mit dem Blutgeld!

    • ChiliForever 22.05.2020 14:42
      Highlight Highlight Ich würde mal vermuten, daß nicht das Geld für die Söhne eine Rolle spielte sondern schlicht die Tatsache, daß sie dort halt leben und auch weiter (über-)leben werden wollen. Und da gab es bestimmt einen nicht unerheblichen Druck, diese Vergebung auszusprechen, bzw. sie nicht auszusprechen hätte garantiert nicht unerhebliche Folgen für sie.
      Also haben sie sich zwangsläufig wohl für das kleinste Übel entschieden.
    • Ueli der Knecht 22.05.2020 19:38
      Highlight Highlight Eher wollten sie weiter Zugang zu ihrem Geld haben, und nicht vom Saudi-Establishment ausgestossen und schikaniert werden. In diesem Sinne sind sie und ihre Familien eher Geislen der Sauds. Das gehört auch zur selbstverschuldeten Familiengeschichte der Khashoggis. Da haben sich die Söhne wohl ihrem (Familien-)Schicksal ergeben.
  • Walser 22.05.2020 13:11
    Highlight Highlight Wer soviel Geld und damit Einfluss wie die Ölscheichs hat, kommt letztendlich in JEDEM Land auf diesem Planeten ungeschoren davon.
    • redeye70 22.05.2020 22:27
      Highlight Highlight Auch beim Ueli Maurer von der SVP. Die Partei die sonst härtere Strafen für Verbrecher verlangt. Geld steht leider zu oft über der Moral.
    • Walser 22.05.2020 23:42
      Highlight Highlight @redeye
      Äh, tschuldigung. Hab ich da was verpasst? Was hat der Ueli da verbrochen?
    • derWolf 23.05.2020 01:43
      Highlight Highlight Wusste gar nicht das die SVP und unser Ueli die einzigen Verhandlungs- und Ansprechpartner für die offizielle Schweiz sind wenn es um Saudi Arabien geht...

      KEIN Land der Welt sollte noch mit diesem "ehrenwerten" Königshaus zusammenarbeiten. Wenn da nur nicht die Sache mit dem Öl wäre. Und auch eine Sea Watch fährt leider nicht mit Eistee. Wir alle sind mehr oder weniger beteiligt das solche Herren wüten können. Und wenn wir Geld brauchen, wie in einer Krise wie jetzt, kräht spätestens kein Hahn mehr danach wo es herkommt, so sieht's aus!

      Das ist nicht schön, aber so läuft die Welt nunmal.
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