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Saudi-Arabien

Khashoggis letzte Worte: «Ich kann nicht atmen»

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Yasin Aktay, Berater des türkischen Präsidenten Erdogan, während einer Medienkonferenz zum Mord an Jamal Khashoggi. Bild: AP/AP

«Ich kann nicht atmen»: Skript von Tonaufnahmen belegt Khashoggis letzte Worte 

10.12.2018, 04:0010.12.2018, 06:25
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«Ich kann nicht atmen». Das sollen die letzten Worte des ermordeten saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi gewesen sein. Er besuchte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul und wurde von einem Killer-Kommando überwältigt und getötet. 

Türkische Medien haben mehrfach von Tonaufnahmen berichtet, die den Mord belegen sollen. Diese stammen vom türkischen Geheimdienst. Es ist allerdings ungeklärt, wie die Audio-Dateien aufgenommen wurden und wie sie in den Besitz des Geheimdienstes gelangt sind.

CNN wurde ein Transkript von einer anonymen Quelle zugestellt. Ein US-Senator bestätigte gegenüber dem Sender, dass dieses inhaltlich mit den Informationen, die bei einem Treffen mit dem US-Geheimdienst genannt wurden, übereinstimmt.

Die Chronologie des Falls Khashoggi:

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Die Chronologie des Falls Khashoggi
2. Oktober: Der saudische Journalist Jamal Khashoggi besucht das saudische Konsulat in Istanbul. Er benötigt Papiere, um seine türkische Verlobte heiraten zu können. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.
quelle: ap/trt world
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«Du kommst zurück!»

Khashoggi soll beim Betreten des Konsulats sofort bemerkt haben, dass etwas nicht stimmte, als er einen der Männer erkannte, die ihm begegneten.

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Maher Abdulaziz Mutreb (Zweiter von links) mit Mohammed bin Salman (Vordergrund) bei einem Besuch in Texas 2018.Bild: AP/Houston Chronicle

Dabei soll es sich gemäss CNN um Maher Abdulaziz Mutreb handeln. Khashoggi fragte den früheren Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter, den er aus ihrer gemeinsamen Zeit auf der saudischen Botschaft in London kannte, was er hier mache. 

Mutreb: «Du kommst zurück!»
Khashoggi: «Das könnt ihr nicht machen. Draussen warten Leute.»

Khashoggi meinte damit seine türkische Verlobte, die vor dem Gebäude auf ihn wartete. Ohne weitere Konversation wurde er überwältigt. Er soll verzweifelt nach Luft gerungen haben. 

Khashoggi: «Ich kann nicht atmen! Ich kann nicht atmen! Ich kann nicht atmen!»

Aus dem Transkript, in welchem auch Geräusche wie eine Art Untertitel für Gehörlose vermerkt sind, geht weiter hervor, dass Khashoggi zu jenem Zeitpunkt noch nicht tot war. 

«Schrei»
«Schrei»
«Keuchen»
«Säge»
«Schneiden»

Neben Mutrebs Stimme wurde nur diejenige von Salah Muhammad al-Tubaiqi, Leiter der Rechtsmedizin in Saudi-Arabien, eindeutig identifiziert. Während dem Zerteilen des Körpers soll er Anweisungen gegeben haben.

Tubaiqi: «Setz deine Kopfhörer auf, oder hör einfach Musik wie ich.»

Mutreb soll zudem eine Reihe von Telefonaten geführt haben. Türkische Beamte sind sich sicher, dass dadurch hochrangige Regierungsmitglieder in Riad über den Fortschritt der Tat informiert wurden. 

Mutreb: «Sag deinem, dass die Sache erledigt ist, es ist vorbei.»

CNN geht nach Angaben von verschiedenen Geheimdiensten davon aus, dass sich «deinem» auf den Auftraggeber der Aktion bezieht. Es wird vermutet, dass Mutreb diese Aufforderung an den ebenfalls anwesenden Saud al-Kahtani, einen engen Vertrauten des Kronprinzen, gerichtet hat. 

Mord nach Plan

Eines wird aus dem Transkript klar: Es handelt sich um eine geplante Tötung. Saudi-Arabien hat zuvor von einem «Schurken-Mord» gesprochen, der aus den Fugen geraten sei. So soll Khashoggi «versehentlich» erwürgt worden sein.

epa07177249 A handout photo made available by the Saudi Royal Palace shows Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman attending the inauguration of the Shura Council new session, in Riyadh, Saudi Arabia,  ...
Mohammed bin Salman.Bild: EPA/SAUDI ROYAL PALACE

Allerdings liefert die anonyme Quelle keinen konkreten Hinweis auf einen bestimmten Auftraggeber. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der hinter dem Mord vermutet wird, wird nicht namentlich erwähnt. Zudem wurde während der kurzen Konversation nicht gesagt, warum Khashoggi «zurückkommen» soll. 

Laut CNN dürfte der Druck auf US-Präsident Donald Trump weiter steigen. Er hat bislang den Erkenntnissen des US-Geheimdienstes widersprochen, dass bin Salman an der Tat beteiligt gewesen sein könnte. Trump gewichtet die geschäftlichen Beziehungen zum Wüstenstaat höher als die Aufklärung des schrecklichen Vorfalls und macht indes weitere Milliarden-Geschäfte mit dem Wüstenstaat. (vom)

Fall Khashoggi: Ein Mord mit politischen Konsequenzen

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