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Heute wählt der Kosovo – hohes Interesse aus der Schweiz

Heute wählt der Kosovo – hohes Interesse aus der Schweiz

Für die am (heutigen) Sonntag stattfindenden Neuwahlen in Kosovo interessieren sich auch viele Menschen in der Schweiz.
28.12.2025, 05:4228.12.2025, 13:45

Der Stadtzürcher Parlamentarier Reis Luzhnica zeigt sich optimistisch. Luzhnica sitzt für die SP im Stadtzürcher Parlament und ist Mitglied der Partei Vetëvendosje (Selbstbestimmung) des im Kosovo kommissarisch amtierenden Ministerpräsidenten Albin Kurti. Vor den Parlamentswahlen zeigt er sich optimistisch. «In der Schweiz haben sich rund 14'500 Personen für die Wahlen registriert. Auch wenn das Potenzial höher wäre, ist es ein guter Wert und für Vetëvendosje sehr wichtig», sagt er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Diaspora wähle tendenziell progressiver – ähnlich wie die urbanen Zentren in Kosovo.

epa11884041 Incumbent Prime Minister and leader of 'Vetevendosje' party, Albin Kurti, talks to the media after casting his ballot for the parliamentary elections in Pristina, Kosovo, 09 Febr ...
Kosovos Ministerpräsident Albin Kurti.Bild: keystone

Erst kürzlich war der Premierminister auf Wahlkampfbesuch in Zürich. «Trotz kurzfristiger Planung verlief der Anlass sehr gut, die Halle war mit rund 3000 Personen voll», sagt Luzhnica. Im Vergleich zu den Wahlen im Februar nehme er wahr, dass die Menschen entschlossener seien, tatsächlich an den Wahlen teilzunehmen. Damals habe man oft Aussagen gehört wie «Vetëvendosje gewinnt ohnehin, meine Stimme macht keinen Unterschied». Viele hätten auch das Registrieren oder das Wählen aus der Schweiz als zu aufwendig empfunden.

Heute sei das Bewusstsein stärker vorhanden, dass jede Stimme zähle. «Entsprechend haben sich mehr Personen registriert, und zusätzlich planen viele, die Weihnachtsferien zu nutzen, um ihre Familien in Kosovo zu besuchen und vor Ort zu wählen», sagt Luzhnica. In einer persönlichen Einschätzung, basierend auf Gesprächen mit potenziellen Wählerinnen und Wählern, geht er von einem Wahlgewinn von Vetëvendosje aus.

Zwei gescheiterte Anläufe

Je nach Zählart leben 160'000 oder 250'000 Menschen aus dem Balkanstaat in der Schweiz, wie Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter anlässlich des Staatsbesuchs der kosovarischen Präsidentin Vjosa Osmani Sadriu im Mai in Bern sagte. Beide Präsidentinnen erwähnten damals die grosse kosovarische Diaspora in der Schweiz und die Brücke, welche sie zwischen den beiden Ländern bilde.

Nach zwei gescheiterten Anläufen für eine Regierungsbildung stehen in Kosovo am Sonntag vorgezogene Parlamentswahlen bevor. Zuvor hatte das Parlament des erst seit 2008 unabhängigen Balkanlandes sowohl Kurti als auch dessen Parteifreund Glauk Konjufca bei der Wahl zum Ministerpräsidenten das Vertrauen verweigert.

Kurtis prowestliche, sozialdemokratische Partei war zwar bei der letzten Wahl stärkste Partei geworden, hatte aber keine ausreichende Mehrheit mehr bekommen. Seit der Wahl hatte das Parlament monatelang über die Besetzung der Posten für das Parlamentspräsidium gestritten und konnte sich deswegen lange Zeit nicht offiziell konstituieren.

Das heute fast ausschliesslich von Albanerinnen und Albanern bewohnte Kosovo war früher eine serbische Provinz. Nach Aufständen gegen die serbische Herrschaft und einer Nato-Intervention im Jahr 1999 hatte sich das Land 2008 für unabhängig erklärt. Mehr als hundert Staaten – darunter die Schweiz – erkennen die Unabhängigkeit an, nicht aber Serbien und Russland. Da der Kosovo auch von fünf EU-Ländern nicht anerkannt wird, darunter Spanien und Griechenland, hat es nur den Status eines «potenziellen Beitrittskandidaten». (sda)

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wilmar
28.12.2025 08:14registriert April 2024
Wie in Österreich sollte jeder Schweizer nur einen pass haben. Es würden einige Probleme teilweise umgangen. Wie kann man es erlauben das ein amtierender Schweizer Politiker zu gleich in einer Partei im Ausland ist. Interessen Konflikte können dadurch entstehen.
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Hühne Bueber
28.12.2025 10:48registriert Oktober 2016
Wahlveranstaltungen aus dem Ausland sollten in der Schweiz generell verboten sein. Egal aus welchen Ländern. Das sich im Fall Kosovo die SP um Wermuth neue Wähleranteile sichern will spricht einfach niemand aus. Man stelle sich vor, Orban aus Ungarn würde das gleiche mit Unterstützung der SVP tun……das Geschrei wäre ohrenbetäubend!
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Schlaf
28.12.2025 09:13registriert Oktober 2019
Sehr gute Integration, wenn er meint in seiner alten Heimat auch politisieren zu können.

Hat mich jetzt sehr verwundert, dass dies möglich ist!
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