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Missbrauchsprozess in Frankreich: Gisèle Pelicot sagt erneut aus

Missbrauchsprozess in Frankreich: «Wie konntest du Personen in mein Schlafzimmer lassen?»

23.10.2024, 15:24
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epa11676839 Gisele Pelicot leaves the criminal court in Avignon, France, 23 October 2024, where her ex-husband stands trial. Dominique Pelicot is accused of drugging and raping his then-wife Gisele Pe ...
Gisèle Pelicot findet, nicht die Opfer sollten sich schämen, sondern die Täter.Bild: keystone

Im Prozess um Betäubung und massenhaften Missbrauch in Südfrankreich hat das Opfer Gisèle Pelicot vor Tätern aus dem Umfeld gewarnt.

«Der Vergewaltiger ist nicht der, den man spätabends auf einem Parkplatz trifft. Er kann auch in der Familie sein, unter den Freunden», sagte Pelicot, wie der Sender France Info aus dem Gerichtssaal im südfranzösischen Avignon berichtete. Laut dem Sender BFMTV fügte sie hinzu, es seien Menschen, die man nicht verdächtige.

«Ich versuche, zu verstehen, wie dieser Herr, der für mich der perfekte Mann war, an diesen Punkt gelangen konnte. Wie konnte er mich derart hintergehen? Wie konntest du Personen in mein Schlafzimmer lassen?», fragte sie an ihren Ex-Mann und den Hauptangeklagten im Prozess gerichtet. «Für mich ist dieser Verrat unermesslich. Ich dachte, ich verbringe den Rest meiner Tage mit diesem Mann.»

Missbrauchten Frauen Mut machen

Pelicot betonte, sie habe die Entscheidung getroffen, den Prozess nicht hinter verschlossenen Türen zu führen, da sie sich nichts vorzuwerfen habe. Sie wolle, dass andere missbrauchte Frauen durch sie Mut bekämen. «Ich will, dass sie keine Schande mehr verspüren. Nicht wir sollten uns schämen, sondern sie», zitierte die Zeitung «Le Parisien» aus dem Prozess. Demnach fügte Pelicot hinzu: «Ich bringe vor allem meinen Wunsch und meine Entschlossenheit zum Ausdruck, dass wir diese Gesellschaft verändern.»

Der 72 Jahre alte Ex-Mann Pelicots steht seit Anfang September vor Gericht, weil er seine inzwischen von ihm geschiedene Frau innerhalb von knapp zehn Jahren immer wieder mit Medikamenten betäubt und vor seinen Augen von fremden Männern vergewaltigen haben lassen soll. Den 50 angeklagten mutmasslichen Tätern sowie dem früheren Ehemann drohen bis zu 20 Jahre Haft. (sda/dpa/lyn)

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Adac Bie
23.10.2024 17:06registriert Februar 2024
Respekt an Frau Pelicot. Eine starke Frau!
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Rivka
23.10.2024 19:05registriert April 2021
Tja, wie konnte ein Ehemann seine Frau betäuben und fremden Widerlingen überlassen? Ich denke das ist die Million-Dollar-Frage in diesem verstörenden Fall, die nicht mal der Typ selbst beantworten kann. Habe einen Blick auf seine Aussage geworfen. Nach seinen Worten sind alle anderen Schuld. Er liebe seine Frau und wollte ihr nie schaden, sie sei die 'Eine' für ihn🤦🏻‍♀️.
Er ist ein guter Untersuchungsobjekt für die Psychologie finde ich.
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Lucida Sans
23.10.2024 22:56registriert Februar 2017
Sie wolle, dass andere missbrauchte Frauen durch sie Mut bekämen. «Ich will, dass sie keine Schande mehr verspüren. Nicht wir sollten uns schämen, sondern sie (die Vergewaltiger).
Ein grosses Ziel! Ich kann diese Frau nur bewundern und ich hoffe, dass sie mit ihrem Mut und Engagement viel bewegen kann!
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